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Jahresarchiv für 2008


Der Ball vor dem Kopf verhindert den Blick auf das Spielfeld

Mittwoch, den 19. November 2008, von Hans Stutz

Philipp Federer schreibt von Unwahrheiten, wo er den Durchblick verloren oder ungenau gelesen hat.

  1. Der Gebrauch von Teleobjektiven gehört seit Jahrzehnten zu den Arbeitstechniken von FotografInnen, vor allem auch bei Sportveranstaltungen. Teleobjekte bringen das Geschehen näher an die BetrachterInnen, aber verändern nichts am Wirklichkeitsgehalt. Und überhaupt: Wer beim perspektivischen Zeichnen aufgepasst hat, weiss, dass Quadrate in der Entfernung zu Rhomben werden.

  2. Dass das Baurecht als Leistung städtische Leistung gesehen wird, entspricht auch der kantonal vorgeschriebenen Praxis jeweils die Vollkosten auszuweisen. Auch die Gewährung von unentgeltlichen Baurechten führt zu Finanzvorlagen, die dem fakultativen bzw. obligatorischen Referendum unterstehen, letztmals geschehen bei der Verlängerung des Baurechts an das Verkehrshaus der Schweiz, Volksabstimmung Anfang Jahr 2007.

    Fakt: Die Stadt erbringt eine Leistung, in dem sie das Bauland für die Hochhäuser im Baurecht abgibt. Sie kassiert für diese Leistung 31.7 Millionen Franken und sie gibt dieses Geld für das Fussballstadion aus. Sie könnte die Millionen ja auch für anderes ausgeben; beispielsweise, die anstehenden Schulhausrenovationen (siehe weiter unten).

    Man kann den Allmend-Handel übrigens auch in Comic-Sprache fassen:
    Ich Dir geben Grundstück,
    Du bauen Hochhaus
    Du mir geben Geld für Baurecht,
    ich will bauen Stadion
    aber sagen, DU bauen Stadion fast ganz,
    weil ich bisher immer sagen,
    FCL ist pfui, nicht seriös, vor wenigen Jahren ja bald Konkurs gegangen

  3. Federer behauptet weiter, der Profit des Bankkonzern Credit Suisse sei „nicht garantiert“. Er liefert dann allerdings keinen einzigen Hinweis, wo für den Investor ein Risiko bestehen soll. Sagen wir es doch ganz einfach: Eher geht ein Kamel durch das Nadelöhr, als dass eine Bank einen für sie ungünstigen Vertrag abschliesst.

    Zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang die Lektüre des Buches von Werner Rügemer, ‚Heuschrecken’ im öffentlichen Raum. Public Private Partnership. Anatomie eines globalen Finanzinstruments. Bielefeld 2008.

    In der Wochenzeitung WOZ (23.10.2008) wird – in einer Besprechung des erwähnten Buches – das Geschäftsmodell PPP folgendermassen zusammengefasst: „Auf der einen Seite stehen PolitikerInnen, die während ihrer Amtszeit trotz angespannter Haushaltslage finanzielle Handlungsspielräume wollen. Auf der anderen Seite stehen Banken, Baukonzerne und Inves­orInnenen, «die sich neue, grossvolumige und zugleich sichere Geschäfte mit staatlicher Rückendeckung erschliessen wollen». Diese InvestorInnen profitieren von den langfristigen und risikolosen Einnahmen auch deshalb, weil diese vom ersten Tag an verkauft beziehungsweise beliehen werden können. Das Beleihen und Verkaufen klappt zwar momentan nicht so gut, aber eine sichere Bank sind diese Privatinvestitionen allemal – denn der Staat zahlt auch noch in Jahrzehnten.“

    A propos PPP-Projekte. Bis vor kurzem lobten die Luzerner Bürgerlichen noch, dass das PPP-Projekt Regionales Eiszentrum ja so hervorragend funktioniere, nun muss auch hier der Steuerzahler wieder eingreifen, damit die Vereine die geforderten Gebühren bezahlen können, damit die REZ AG nicht rote Zahlen schreibt. (Siehe NLZ, 17. November 2008)

  4. Tatsache ist, dass die kommenden Sportbauten samt den Folgekosten des Investorenmodells (Schiesshalle etc.) insgesamt rund 140 Millionen Franken Kosten werden, davon tragen Stadt/Kanton 112 Millionen (inklusive der Ablieferung Baurechtszins direkt) und die Stadt in den folgenden 30 Jahren noch Miete für den Hallenbad-Grundausbau, insgesamt über 26 Millionen Franken.

  5. Tatsache ist auch, dass die Stadt den Vorplatz erstellt und der Investor die Einnahmen der rund 100 erstellten Parkplätze kassiert, 99 Jahre lang. Die stadträtliche Annahme, dass die Parkplatz-Auslastung nur 10 Prozent betragen wird, ist unrealistisch. Bei einer solchen Auslastung müsste wohl eher auf die Erstellung verzichtet werden.

  6. Noch ein kleiner Hinweis. Zuerst war vorgesehen, dass der Investor den Vorplatz erstellt und die Stadt die Parkplätze bewirtschaftet. Erst in der Schlussphase der Verhandlungen wurde alles ganz anders: Die Stadt bezahlt, der Investor kassiert.

  7. Die Schiesshalle solle, behauptet Federer, „keine Grünfläche versiegeln“, weil das Hallendach begrünt werde. Das ist ganz einfach Mumpitz. Sowohl die Halle (Ausmass rund 60 Meter lang, 40 Meter breit, 15 Meter hoch) wie auch die dazu bewilligten Parkplätze versiegeln den Boden. Oder: Versiegeln denn die Schiesshalle-Parkplätze auch keine Böden, wenn die darauf stehenden Autos auf den Dächern Gras tragen?

  8. Federer behauptet, in der Gesamtplanung finde er keine Hinweise, dass die Schulhaussanierungen zurückgestellt sind. Wer nicht sehen will, der sieht eben nichts. Hier die Zahlen samt Quellenangaben.

    Jahresplanung
    2007-2011, S. 85f
    Jahresplanung
    2008-2012, S. 87f
    Jahresplanung
    2009-2013, S. 92f
    Schulhaus Felsberg
    Sanierung/Abschluss
    2012 2012 2014
    Schulhaus Maihof
    Sanierung/Abschluss
    2011 2012 2013
    Schulhaus Steinhof
    Teilsanierung/Abschluss
    2011 2011 2013
    Schulhaus Schädrüti
    Sanierung/Abschluss
    2011 2012 2014
    Schulhaus St. Karli
    Teilsanierung/Abschluss
    2011 2011 2015
    Schulhaus Geissenstein
    Sanierung/Abschluss
    2012 2012 2014
    Schulhaus Grenzhof
    Sanierung/Abschluss
    Verbesserung Raumklima/
    Schulraumplanung
    2008
    Raumklima/Schulraumersatz
    insgesamt: 1,5 Mio.
    2008
    Raumklima 200’00 (2010)
    Sanierung 3.3 Mio.
    2014
    Schulhaus Moosmatt
    Sanierung/Abschluss
    2017

    Nur beim Schulhaus Felsberg ist klar, dass die Rückstellung nicht aufgrund des Allmend-Aufwandes, sondern aus Gründen des Denkmal-Schutzes erfolgte.

  9. Das Komitee „Allmend ohne Hochhäuser“ fordert weder Schwimm-Aussenanlagen noch ein 50-Meter-Becken, sondern kritisiert dass die Wohntürme den Ausbau zu einem regionalen Band in den kommenden Jahrzehnten verunmöglichen – falls dies einmal nachgefragt werden sollte.

  10. Ganz abgesehen davon, dass das nun geplante Hallenbad sehr teuer ist. Unter anderem, weil das Hallenbad im 1. Stock zu liegen kommt, weil der Investor im Erdgeschoss Ladenflächen erstellen will.

P.S. Im Übrigen überlassen wir die Verunglimpfung des politischen Gegners üblicherweise den politischen Gegnern

Unverschämt guter Deal – aber nicht für die Stadt

Dienstag, den 18. November 2008, von Christa Stocker

Leserinnenbrief zur Allmend-Vorlage, NLZ 15.11.2008

Es ist unbestritten, dass Luzern ein neues Stadion für den FC Luzern und einen attraktiven Ersatz für das alte Hallenbad braucht. Viele Breitensportanlagen müssen erneuert und ersetzt werden. Auch dies ist unbestritten! Es stellt sich nun die Frage, ob die vorgeschlagene Lösung der richtige Weg ist, um zu neuen Sportanlagen zu kommen. Auf den ersten Blick wirkt das Investorenmodell überzeugend. Die Stadt nimmt 15 Millionen in die Hände und erhält ein Luxusstadion für über 60 Mio. Franken. Tatsache ist aber, dass die Stadt trotz Investorenmodell über 90 Prozent der Gesamtaufwendungen für die Sportinfrastruktur über das Baurecht, die Finanzbeiträge oder die Mieten zahlen wird. Wir sprechen heute von 110 Millionen Franken.

Aus meiner Sicht erhält der Investor mit den vorliegenden Baurechtsverträgen einen unverschämt guten Deal. Die Stadt erstellt die attraktive Vorzone, die Einnahmen aus den Parkplatzgebühren kann aber der Investor einstreichen. Durch das komplexe Konstrukt und die Baurechtsverträge, die 99 Jahre gelten, werden die Mitsprache und Mitgestaltungsmöglichkeit der Stadt Luzern aus meiner Sicht zu stark eingeschränkt. Die Allmend wird als Naherholungsraum durch die zusätzlichen Hochbauten verlieren. Die Wohntürme und die Schiesssporthalle werden zu neuem Publikumsverkehr und zu weiteren Nutzungskonflikten führen.

Diskussionsverweigerung der Allmendgegner

Dienstag, den 18. November 2008, von Philipp Federer

Warum verweigern die Allmendgegner die Diskussion? Zwei prägnante Blogbeiträge schrieb ich vor 14 Tagen. Ausser Chregi hat niemand geantwortet, obwohl ich sieben Lügen der Gegner klar benannte. Gerne würde ich die Sicht der Gegner erfahren und mit ihnen diskutieren. Mit einer Verweigerungshaltung geht dies jedoch nicht. Schon beim Reusswehr erlebte ich die Verweigerungshaltung.

Als neuen Input stelle ich mein Votum zur Sportarena ins Netz. Ich hielt dieses Votum im Grossen Stadtrat.

Vorbemerkung: Dies ist meine persönliche Einschätzung.

 Take it or leave it. Für diesen Ausspruch des Baudirektors habe ich Verständnis. Jetzt haben wir nach 5 Jahren nur dieses Projekt vorliegend und auf dem Tisch gibt es keine Alternative. Die Gegnerschaft hat auch keine Alternative auf dem Papier. Sie werden mich korrigieren und sagen, wir haben die Alternative, die Stadt soll mehr zahlen, bauen und habe dadurch mehr Mitbestimmung. Dies ist aber gerade keine Alternative.

Es gibt zwei neuere Stadienprojekte, die von der öffentlichen Hand bezahlt wurden. Das erste ist der Letzigrund, die Stadt zahlte 120 Millionen und erhielt dafür ein Stadion ohne Zusatzinfrastruktur wie Hallenbad, etc.    Mehr Ausgaben und weniger Nutzen kann für Luzern keine Alternative sein.

Das zweite Stadionprojekt ist Genf, von Viktor richtig als Gefahr genannt, mit einer Stiftungslösung. Die Stiftung wird durch die Gemeinde Lancy und dem Kanton Genf geführt und sie trat als Bauherr auf. Trotz grossen Kommerzanlagen (36 Mio. von Jelmoli) kostete das Stadion 160 Millionen. Die Verluste des Betriebes gingen voll auf Kosten der öffentlichen Hand  – also auch keine Alternative. Alle weiteren Stadien sind privat oder privat-öffentlich finanziert.

Bezüglich Investitionsvolumen lässt sich Luzern sehen. Thun hat 170 Millionen, Biel 230 und das kleine Schaffhausen plant mit 130-150 Millionen. Luzern ist völlig im Rahmen.

 Bezüglich Infrastrukturen erhält Luzern sogar sehr viel. Allein das Hallenbad hätte auf Tribschen 35 Millionen gekostet. Luzern erhält insgesamt mehr öffentliche Infrastruktur als andere Städte. Und diese Städte haben auch Gratisbaurechte abgegeben.

 Bezüglich des Risikos (nicht vermietete Wohnungen,  Abstieg oder Konkurs FCL) hat Luzern ein ausgeklügeltes Vertragssystem. Auf die Stadt wird nie Regress genommen, bei Genf und Lancy schon.

Oder bezüglich Risiko lebt die Stadt Luzern beim KKL – eine Stiftung -gefährlicher, trotz 4,2 Millionen Betriebsbeiträge pro Jahr – wobei das KKL für die Stadt wirtschaftlich sehr wichtig ist.

 Sowohl bezüglich des Aufwands, bezüglich der erhaltenen Infrastruktur und bezüglich des Risikos überzeugt mich das Luzerner Modell. Bei diesen drei Punkten haben die Gegner keine Alternative. Im Städtevergleich schneidet das Luzerner Modell zu gut ab.

Das Luzerner Modell ist ausgewogen, hat eine sensationelle Architektur und ist mit wenig Risiko behaftet.

 Noch was zum Flugblatt des Gegnerkomitees:

„Nach dem Bau will die Stadt den Betrieb des Fussballstadions an zwei Aktiengesellschaften delegieren, ohne sich selber daran zu beteiligen.“ Warum soll sich die Stadt in den Aktiengesellschaften beteiligen. Dies wäre ein unnötiges Risiko!

Ein 50m-Becken sei wünschbar. Ein 50-Meter-Becken ist nur für nationale Wettkämpfe nötig. Wettkämpfe benötigen wiederum Tribünen. Dies ist ein völliger Luxus, wird national genügend abgedeckt und unnötig, weil 25 m zum Trainieren bei genügender Schwimmfläche reichen. Wenn ich eines aus Olomouz gelernt habe, bei der Partnerstadt von Luzern, die ein Wettkampfbecken hat, so ist es dies, dass sie heute die Tribüne abbauen zugunsten von Kinderbecken. Ein einmaliger Wettkampf pro Jahr rechnet sich nie. Über 4 Millionen kosten die Anlagen pro Jahr, kaufkraftbereinigt. Die SP beklagt in die Betriebsbeiträge von 400’000.- pro Jahr. Heute sind sie mit viel kleinerer Wasserfläche auch über 300’000. Selbst wenn sie 500’000.- wären, dann sind sie mit der doppelten Wasserfläche eigentlich bescheiden. Nur wie hoch wären sie erst mit einem 50–Meter-Becken und nicht benutzten Tribünen?

 Kritikpunkte: Am liebsten hätte ich die Schützen ausserhalb der Allmend. Sie spielten aber mit ihrer Macht, sprich Servitut! Ohne dieses kann kein Mineral oder Bier auf der Allmend ausgeschenkt werden. Sie liessen ihr Servitut vergolden.

Einhagung Kunstrasenfelder, bitte ich nicht zu hoch einhagen, nicht 5m, oft genügen zwei Meter oder zum Garderobegebäude könnte es auch frei sein, damit es nicht wie ein „Chöfi“ wirkt.

Insgesamt ist das Luzerner Modell der Sportarena trotz den zwei noch nicht erwähnten Kritikpunkten sehr gut und überzeugend.

Unfair, unwahr und frei erfunden…

Donnerstag, den 13. November 2008, von Erich Tschümperlin

Leserbrief zum Leserbrief «Ministeuersenkung ist gerechtfertig», Ausgabe 10. November

Es sei der FDP und der SVP von Kriens unbenommen, alles zu verhindern und rückzubauen, was das Zusammenleben und die Wohnqualität in den letzten Jahren verbessert hat. Es ist in der Freiheit ihrer politischen Taktik, frontal die Jugendarbeit anzugreifen, den öffentlichen Verkehr, die Heime, den Umweltschutz, die Schulsozialarbeit, die Kinderbetreuung usw. In der letzten Einwohnerratssitzung haben sie dies nun auch getan, zum Teil mit grossem Erfolg: Die Tagesmütter werden keinen anständigen Lohn (wie in der ganzen Agglomeration üblich) erhalten für die Betreuung der Kinder, der dringend notwendige Umweltschutz wird massivst gekürzt. Die Heime erhalten nicht das notwendige Geld für die Pflege und im Werkhof werden weiter Leute fehlen.

Nicht legitim hingegen ist das Verbreiten von Unwahrheiten. Die Behauptung, die Kosten im Umweltschutz seien explodiert, ist schlicht falsch. Seit vielen Jahren ist kein einziges Stellenprozentchen dazugekommen. Obwohl Kriens gewachsen ist, der Umweltschutz nötiger denn je und Aufgaben im Energiesektor dazugekommen sind, musste das Personal alles mit demselben Bestand erledigen. Sie tun es, weil ihnen die Sache am Herzen liegt. Ihnen nun aber vorzuwerfen, sie seien überdotiert, ist unfair, unwahr und frei erfunden.

Schutz der Opfer

Dienstag, den 11. November 2008, von Katharina Hubacher

Leserinnenbrief zur Abstimmung über die Volksinitiative „Für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern“

Die meisten sexuellen Übergriffe auf Kinder geschehen im vertrauten Beziehungsrahmen der Opfer. Diese können oft erst viel später von der Tat erzählen und sich klar werden, ob sie den Täter anzeigen möchten. Darum ist es wichtig, dass diese Straftaten eine lange Verjährungsfrist haben.

Die Initiative „für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern“ will aber überhaupt keine Verjährungsfrist mehr. Sexuelle Übergriffe auf Kinder würden diesbezüglich also dem Völkermord und dem Terror gleichgesetzt. Das widerspricht einem gesunden Rechtsempfinden und stellt unsere Rechtsordnung in Frage.

Es gilt auch zu beachten, dass die Beweisführung umso schwieriger wird, je länger eine Tat zurückliegt. Opfer, die sich erst nach langer Zeit getrauen, den Täter anzuzeigen, laufen deshalb Gefahr, vor Gericht noch einmal zu verlieren, weil eine konsequente Beweisführung nicht mehr möglich ist.

Der Bundesrat sieht in seinem indirekten Gegenvorschlag eine deutliche längere Verjährungsfrist vor, die erst mit der Volljährigkeit der Opfer beginnt. Dies ist eine vernünftige und praktikable Lösung. Die Initiative aber schiesst über ihr Ziel hinaus und dient auch den Opfern nicht. Darum müssen wir sie klar ablehnen.

Es gibt keine sichere Atommülllagerung, daher: Atomausstieg jetzt!

Sonntag, den 9. November 2008, von Sekretariat Grüne Luzern

Grüne lehnen die Standort-Vorschläge der NAGRA für ein Atommülllager ab

Medienmitteilung Grüne Schweiz

Die globale Atomlobby hat bereits in mehreren Anläufen versucht, die Entsorgung von hochradioaktivem Müll zu sichern. Bisher immer erfolglos. Für die Grünen ist daher klar: Solange kein verbindliches Atomausstiegs-Szenario beschlossen ist, werden sie jedes Endlager bekämpfen.

Die Entsorgung radioaktiver Abfälle ist bis heute ein weltweit ungelöstes Problem. Radioaktive Abfälle haben Halbwertszeiten von Hunderttausenden von Jahren. Während dieser immensen Zeitspanne müssen die hochgiftigen Stoffe sicher gelagert werden. Diese Aufgabe ist schier unlösbar. Alle bisherigen Anläufe, Atommüll „sicher“ zu entsorgen, sind denn auch gescheitert:

  • Atommüll in der Tiefsee versenken: Der Grossteil der 6700 Fässer mit radioaktivem Abfall, welche die Schweiz zwischen 1971 und 1982 versenkt hat, sind nach wenigen Jahren aufgebrochen. Geplant war eine Haltbarkeit von 1000 Jahren!
  • Atommüll in versiegten Erdölquellen lagern, wie beispielsweise in Russland: Radioaktive Substanzen steigen entgegen der Erwartungen aus der Tiefe auf und verseuchen das Grundwasser.
  • Atommüll wiederaufbereiten (Den Haag oder Sellafield): Insgesamt trat bisher in kleinen Dosen aus diesen beiden Anlagen mehr Radioaktivität in die Umwelt aus als bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.
  • Atommüll mit Glas verschmelzen: Beispiele aus Osteuropa zeigen, dass das Endprodukt der Atommüll-Verglasung durch ätzende Bakterien, die stärker als Säure reagieren, angegriffen wird.
  • Atommüll in Keramikgefässen aus Zirkon einschliessen: Wie das Wissenschaftsblatt „Nature“ berichtet, halten die Keramik-Gefässe der Strahlung von hochradioaktivem Atommüll nicht lange genug stand.
  • Atommüll in Salzminen versenken: In Hessen, Deutschland, trat entgegen aller Erwartungen Wasser in die Salzmine ein. Das Grundwasser ist verseucht.

Wieso sollten wir nun glauben, dass die Lagerung im Opalinuston besser funktioniert? Unsere Skepsis ist doppelt begründet. Sowohl die „Nationale Genossenschaft für die Lagerung von Atommüll“ als auch die geologischen Experten sind verquickt mit den AKW-Betreibern. Diese Situation ist in Anbetracht des Risikos inakzeptabel.

Es gibt nur eine Lösung: Es darf nicht noch mehr Atommüll produziert werden! Das bedingt einen möglichst raschen Atomausstieg. Die heutigen AKW müssen und können nach Ablauf der Betriebszeit durch Grünen Strom und Energieeffizienz ersetzt werden. Wenn die Atomkraftwerkbetreiber die Entsorgungskosten selbst zahlen müssten, wären sicherlich auch sie dieser Meinung!

Abstimmungsparolen 30. November

Donnerstag, den 6. November 2008, von Sekretariat Grüne Luzern

Der Vorstand der Grünen Luzern hat die Parolen für die eidgenössischen Abstimmungen vom 30. November 2008 gefasst.

Ja zur Initiative Für ein flexibles AHV-Alter:
Die Initiative fordert die Möglichkeit für alle, ab 62 Jahren ohne Rentenkürzung in Pension zu gehen. Dafür müssen die Erwerbstätigen lediglich 6.50 Franken pro Monat aufwenden weniger als zwei Café crème im Restaurant. Diese Rechnung geht davon aus, dass Arbeitnehmer und -geber je 1.5 Lohnpromille zur Finanzierung beisteuern. Das heisst: Die AHV würde überhaupt nicht belastet.

Ja zur Änderung des Betäubungsmittelgesetzes:
Mit der Vier-Säulen-Modell hat die Schweiz in der Drogenpolitik ein auch international stark beachtetes Erfolgsmodell geschaffen. Die seit Jahren anstehende Revision des Betäubungsmittelgesetzes soll nun erfolgreich abgeschlossen werden, damit im Gesetz verankert ist, was sich in der Praxis bewährt hat.

Ja zur Hanf-Initiative:
Dieses Initiative schlägt einen Kompromiss vor zwischen völliger Freigabe und rigorosem Verbot. So ist der Hanfkonsum z.B. weiterhin für unter 18-Jährige strafbar, nicht aber für Erwachsene. Wichtig ist auch, dass das illegale Geschäft mit dem Hanf nicht mehr lukrativ wäre und der Schwarzmarkt damit wohl verschwinden würde.

Nein zur Initiative Für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern:
Der Vorstand der Grünen folgt der Argumentation des Bundesrates, der einen Gegenvorschlag macht: In Bezug auf mündige Täter soll die Verfolgungsverjährung erst zu laufen beginnen, wenn die (minderjährigen) Opfer von sexuellen Delikten oder schweren Gewaltdelikten volljährig werden. Das heisst, dass zum Zeitpunkt der Tat minderjährige Opfer künftig bis zum Alter von 33 Jahren Strafanzeige einreichen können. In Bezug auf minderjährige Täter soll weiterhin die Anfang 2007 in Kraft getretene Regelung des Jugendstrafgesetzes gelten.

Hochhausmeditation für Allmendgegner

Mittwoch, den 5. November 2008, von Philipp Federer

Die geplanten Hochhäuser sind 25m breit und lang und haben 330 Wohnungen. Das gibt eine bescheidene Fläche pro Hochhaus von nur 625m2. Die meisten Einfamilienhäuser dagegen beanspruchen mehr Fläche als die Allmendhochhäuser. Im Siedlungsgebiet Obernau habe ich zum Vergleichen ein Hochhaus eingezeichnet. 

Das Bruttoareal der beiden Hochhäuser misst inklusive Grünfläche und bis zu den benachbarten Zonen (z. B. Strasse) 5’700 m2. Auf der Karte Obernau Buholz, Feldhöfli ist eine Fläche von lediglich 320 Wohnungen rosarot umrahmt.  Diese Fläche ist sechszehnmal grösser als die Bruttofläche der beiden Hochhäuser. Die Hochhäuser sind sparsame Landverbraucher – oder?! 

 

 

Frage: Welche Siedlungsform verursacht mehr Verkehr? Wie gross sind die Distanzen für den täglichen Bedarf, zum Einkaufen oder an den Arbeitsplatz? Was produziert mehr Verkehr, die zwei Hochhäuser oder die Häuser im Obernau?

Wer grossräumiger die Probleme der Siedlungspolitik und der Raumplanung analysiert und nicht kleinkariert überlegt, stimmt mit Ueberzeugung JA zur Sportarena.

 

 

So unfair argumentieren die Gegner einer Sportarena

Mittwoch, den 5. November 2008, von Philipp Federer

Das Flugblatt der Gegner strotzt von Unwahrheiten

 

Beispiel 1: Das Titelbild wurde mit einem Teleobjektiv herangezoomt. Die Verzerrung ist leicht erkennbar. Die Hochhäuser haben durch das Zoomen eine mehrfache Breite, jedoch kaum eine Tiefe. Da sie quadratisch sind, je 25 m in der Länge und Breite, stimmt das Verhältnis nicht mehr. Eine Frage an die Gegner, wurde 5-fach, 10-fach oder noch mehr gezoomt?

 

Beispiel 2: Die Stadt zahle 90%. Bei dieser Behauptung rechnen die Gegner mehrfach getürkt. Das Baurecht von 32 Millionen wird als cash eingerechnet. Für die Stadt kostet dies nichts, weil das Land ohne Einzonung nicht verwertet werden kann. Zusätzlich rechnen die Gegner 99 Jahre Miete dazu, als ob alle Ersatz- und Sanierungsmassnahmen ansonsten gratis wären. Die Gegnerschaft bezieht auch nie das Gesamtvolumen von 300 Millionen mit ein. Ohne Baurecht zahlt die Stadt lediglich 72 Millionen an die Investitionen. Die Vorzone gebe 50 Millionen Einnahmen für die Investoren. Dank dem Flugblatt der Schande21 weiss ich jetzt wie sie rechnen. Sie blenden die jährlichen 300’000.- Franken Betriebskosten aus. Den Unterhalt rechnen sie ebenso nicht. Klassisch werden Einnahmen mit Gewinn verwechselt. Die Auslastung der Parkplätze rechnen sie mit 70%, entgegen dem städtischen Bericht von 10%. Das ganze multiplizieren sie mit 99 Jahren.  

 

Beispiel 3: Profit ist nicht garantiert. Grossbanken und Generalunternehmer gehen ein Risiko ein, mit dem sie profitieren oder auch verlieren können. Ich selber bin froh, dass die Stadt Luzern nicht in die Betriebsgesellschaften eingebunden ist, obwohl die Gegnerschaft dies fordert. Wenn dem so wäre, müsste die Stadt auch ein allfälliges Risiko tragen. Das Stade de suisse spricht gegen eine Beteiligung in der Betriebsgesellschaft, weil in Genf die öffentliche Hand Verluste tragen musste. Beim Luzerner Vertragsmodell ist dies gerade nicht der Fall.

 

Beispiel 4: Die Schiesshalle versiegelt keine Grünfläche. Sie selber ist begrünt und dank ihr kann der alte Luftdruckstand abgerissen werden.

 

Beispiel 5: Schulhaussanierungen werden nicht wegen der Allmend zurück gestellt. Weder werden alle Schulanlagen um mindestens zwei Jahre zurück gestellt, noch einzelne um sechs Jahre. Gerne möchte ich wissen, welches Schulhaus wegen der Allmend zurück gestellt wurde, damit ich mich dagegen wehren kann! Auch in der Gesamtplanung findet sich keinen solchen Hinweis!

 

Beispiel 6: Das Hallenbad bietet viel mehr Schwimmfläche und Bewegungsfläche als das alte Hallenbad. Wie man plötzlich ein Aussenbecken fordern kann, ist mir schleierhaft. Die Forderung nach einem 50-Meter-Becken ist unnötig. Dies will kein Schwimmverein – also der Bedarf ist gar nicht da.

 

Beispiel 7: Warum die Hochhäuser nicht landschaftsverträglich sein sollen, wissen vermutlich auch nur die Gegner. Diese Häuser sind am besten Ort der Stadt, weil sie von den nächsten Häusern genug entfernt sind. Mit 200m Abstand gibt es die Schattenwurfproblematik höchstens für 10 Minuten. Hierin unterscheidet sich der Hardturm. Dort wirft das geplante Stadion! Schatten an die benachbarten Häuser und produziert durch das innerstädtische Einkaufszentrum massiven Mehrverkehr. Dies ist auf der Allmend gerade nicht der Fall.

 

Selbst wenn ich ein Gegner des Allmendprojektes wäre, würde ich mich schämen, wie dagegen argumentiert wird. Ich empfehle umso überzeugter mit JA zu stimmen. 

Luzerner Komitee „Ja zum flexiblen AHV-Alter“

Montag, den 3. November 2008, von Sekretariat Grüne Luzern

Das Komitee schreibt: „Am 30. November 2008 stimmen wir über die Volksinitiative „für ein flexibles AHV-Alter“ ab. Die Initiative bringt eine kostengünstige und moderne Lösung für die schon lange versprochene Flexibilisierung des Rentenalters. Sie ist unser Gegenprojekt zum Rentenalter 67 und geniesst deshalb auch grosse Sympathien in der Bevölkerung. Wir können diese Abstimmung also gewinnen, brauchen dazu aber auch Deine/Ihre Unterstützung!“

Bitte schnell klicken für das Formular, um das Komitee zu unterstützen.