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Man kann eben doch etwas tun!

12. Oktober 2007, von Raffael Fischer

Gore vor einem Bild des blauen PlanetenDie Welt blickte heute gespannt nach Oslo, wo der wahrscheinlich renommierteste Preis der Welt vergeben wurde. Und der Friedensnobelpreis 2007 geht an… Al Gore und die Zwischenstaatliche Sachverständigengruppe über Klimaveränderungen IPCC. Herzliche Gratulation! Die Auszeichnung des früheren US-Vizepräsidenten Gore und des Wissenschaftsrates, der die in diesem Frühjahr rege diskutierten Klimaberichte verfasst hatte, ist mehr als gerechtfertigt. Die vorbildlich zusammenarbeitende Wissenschaftswelt lieferte derart viele und gesicherte Fakten, dass heute niemand mehr ernsthaft am Klimawandel zweifeln kann. Erst dank dem 2006 produzierten Dokumentarfilm „An Inconvenient Truth“ von Al Gore wurde aber der Klimawandel und dessen voraussichtliche Folgen eindrücklich auch dem breiten Publikum vor Augen geführt. Hoffentlich nicht zu spät: Der IPCC legte im letzten Bericht mehrere Szenarien vor. Die Menschheit hat es in ihrer Hand; je nachdem, welche Anstrengungen in den nächsten Jahren ergriffen werden, wird der Klimawandel sich weniger oder sehr verheerend für die Weltbevölkerung auswirken.

Man findet heute in der Wissenschaft praktisch keinen einzigen Forscher mehr, der den Klimawandel infrage stellen würde. Beim IPCC arbeiteten Wissenschaftler aller Welt zusammen und schufen Wissen, das auf harten empirischen Daten beruht. In der Politik gibt es aber noch immer sehr viele Leute, die so tun, als ob der Klimawandel nur eine Erfindung von Linken und Grünen wäre, um neue Steuern einzuführen. Doch so dumm, dies zu glauben, dürften nicht mal die Leser der Weltwoche sein. Nein, die Zeit der Zweifler und Klimaskeptiker gehört der Vergangenheit an. Es gibt genug Fakten, um endlich zu Taten überzugehen. Weil es leider aber im Schweizer Parlament noch zu viele sogenannte Volksvertreter nicht realisiert haben, dass gerade ein Alpenland wie die Schweiz vom Klimawandel stark betroffen ist, braucht es diesen Herbst eine grüne Wende in Bern. Nehmt deshalb das Couvert in die Hand und wählt am nächsten Sonntag klimafreundliche Politiker wie die Grünen! Es gibt gute Gründe.

Man weiss, dass der bedrohliche Klimawandel auf den übermässigen Treibhausgas-Ausstoss zurückzuführen ist. Die von den Grünen und den Umweltverbänden im Frühjahr lancierte Volksinitiative für ein gesundes Klima fordert deshalb eine Reduktion der Treibhausgase um 30 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990 bis zum Jahr 2020 und wirksame Anstrengungen zur Förderung von neuen erneuerbaren Energien. Viele Unterschriften sind in kürzester Zeit zusammengekommen, was bestätigt, dass die Botschaft von Gore und dem IPCC bei vielen Schweizerinnen und Schweizern angekommen ist. Nun braucht es noch eine letzte Anstrengung, damit schon bald mindestens 100’000 gültige Unterschriften eingereicht werden können. Deshalb sammeln wir von den Grünen Luzern am nächsten Donnerstagabend beim Hauptbahnhof noch einmal Stimmen für die Klimainitiative. Hier können Unterschriftenbögen heruntergeladen werden. Wer uns am 18. Oktober helfen will, weitere Unterschriften für ein besseres Klima zu sammeln, trage sich bitte auf unserer Doodle-Umfrage ein. Vielen Dank für jede Unterstützung!

3 Reaktionen zu “Man kann eben doch etwas tun!”

  1. Remo Gubler

    Was hat denn Albert Gore wirklich an seinem Verhalten geändert? Lebt er dem selbst nach, was er predigt, oder sollen das andere tun?
    Aber wer macht das schon. Alle hoffen auf Energieeffizienz, aber niemand spricht von Suffizienz.

  2. Raphael Fischer

    Lieber Remo, da weisst Du auf interessante Fragen hin.

    1. Selbstverständlich ist Gore (wie die meisten Menschen und auch alle anderen bisherigen Nobelpreisträger) kein Heiliger und es gibt punkto Umweltschutz einige Bereiche, bei denen er unbedingt sein eigenes Verhalten noch überdenken sollte (z.B. das Benutzen eines schweren und wahrscheinlich recht „gsüffigen“ Wagens, das sehr häufige Fliegen, das Heizen eines grossen und wahrscheinlich nicht besonders energieeffizientem Haus). Dennoch fände ich es falsch, aufgrund dieser „Fehler“ Gores Botschaft rundwegs abzulehnen. Gore hat einiges bewirkt. Wie kein anderer Mensch hat Gore sich in den letzten Jahren dafür eingesetzt, dass der Klimawandel weltweit zu einem Topthema auf der politischen Agenda wurde. Dass dabei zum Teil zu fragwürdigen Instrumenten gegriffen wurde, wie etwa am 07.07.07 einen gigantischen Rockkonzert-Marathon zu veranstalten, der gewiss einiges an Klimagas-Emissionen verursachte (ob diese nun „klimaneutral“ kompensiert wurden oder nicht), kann man tatsächlich kritisieren. Aber man muss doch fairerweise auch zugeben, dass Gore mit dieser letzten Grossaktion dafür gesorgt hat, dass auch durch und durch „unpolitische“ Kreise damit Zugang zum Thema Klima- und Umweltschutz erhielten. Wenn nur ein kleiner Teil der Leute, die Gores Botschaft hörten, ihr Verhalten überdenken und punktuell ändern, ist schon einiges erreicht. (Ob sie das tun, ist eine andere Frage. Aber indem man über Gore lästert, ist der Sache sicher auch nicht gedient.)

    2. Du hast Recht, dass das Pochen auf Energieeffizienz allzu oft ein billiger Selbstbetrug ist. Denn viele Geräte wurden schon einiges effizienter und dennoch steigt der Strombedarf nicht nur hierzulande weiterhin an. Die Effizienzgewinne werden zu oft gleich wieder durch den gestiegenen Konsum weggefressen. Das ist effektiv ein Problem. Der Grund-Widerspruch besteht aber nicht darin, dass die meisten Menschen immer noch mehr wollen, sondern darin, dass wir schon jetzt auf einem viel zu „hohen“ Level leben. Wenn jeder Erdenbewohner so viel Ressourcen benötigte wie ein durschnittlicher Schweizer Bürger, dann bräuchte es drei Planeten! (Im Fall der Amerikaner sogar sechs, aber deswegen sind wir nicht einmal besser.) Da kommt nun Coop und schreibt: „Für die einzige Welt, die wir haben.“ Auch wenn’s pathetisch klingt, ist damit das Problem angesprochen, dass in den kommenden Jahren auf den verschiedenen Konferenzen für erhebliches Konfliktpotenzial sorgen wird. Was gibt uns in den westlichen Staaten eigentlich das Recht, pro Kopf mehr Ressourcen und insbesondere auch mehr Schadstoff-Ausstoss zu beanspruchen als andere Menschen? – Im Kleinen ist es sicher erstrebenswert, mit gutem Beispiel voranzugehen. Aber als Missionar macht man sich nicht beliebt. Wie sind Deine Erfahrungen, Remo, wenn Du deinen Freunden und Bekannten sagst: Seid sparsamer, fahrt weniger Auto, benutzt weniger technische Geräte, machst Du Dich damit beliebt? – „Alle hoffen auf Energieeffizenz, aber niemand spricht von Suffizienz.“ Du hast absolut Recht. Nur: Wer bestimmt denn, wo die Suffizienz liegt? Wann ist genug genug? Und, last but not least, wie propagieren wir den Gedanken der Genügsamkeit in einem Wirtschaftssystem, das ganz klar auf dem Prinzip des Wachstums basiert?
    Es gibt zu tun. Aber ein Umdenken wird nötig sein, früher oder später, freiwillig oder mit Schmerzen. Wir bleiben dran.

  3. Remo Gubler

    Ciao Raphael

    Ich habe nichts gegen Gore, er hat viel geleistet. Kein Zweifel. Und ich wähle die Grünen. ABER:
    Ein Missionar, der aber das vorlebt, was er propagiert, wirkt stärker als alle Worte (mit Kleinkindern sehr gut zu lernen).

    Wo die Suffizienz liegt, kann man z.B. mit dem ökologischen Fussabdruck-Modell definieren. Oder der 2000-Watt-Gesellschaft. Letztere arbeitet aber mit dem pro-Kopf-Verbrauch-Konzept, was leider untauglich ist. Ein konstanter pro-Kopf-Verbrauch führt bei steigender Bevölkerung auch zu wachsendem Energie-Verbrauch.
    Und jede Effizienzsteigerung wurde bis anhin durch Mehrverbrauch mehr als kompensiert (Rebound-Effekt, Jevons Paradoxon).

    Du sagst, „wir bleiben dran“ bez. Wachstumskritik. Das hör ich aber von grüner Seiter sehr selten, sorry. Hier hat nicht ansatzweise ein Umdenken stattgefunden (wenn überhaupt eher Richtung Wachstumsgläubigkeit), geschweige denn ein „Umhandeln“.
    Warum. Weil viele Grüne selbst eben auch gerne in die Ferien fliegen und in einer grossen Wohnung wohnen. Und es ist wirklich schwierig, sich gegen das Wachstumssystem aufzulehnen, weil es halt für die Meisten sehr attraktiv ist, da bin ich nicht naiv. Ich bin ja selbst im System gefangen, mein ökol. Fussabdruck ist immer noch grösser 1.

    Aber wer wenn nicht die Grünen beginnt mit dem Umdenken?

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