Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Aktuell

Anfrage: Tiefe Löhne am Luzerner Theater

24. Juni 2019

Künstlerinnen und Künstler, welche an der Oper, am Theater oder am Ballett engagiert werden, haben eine jahrelange Ausbildung hinter sich. Die lange Ausbildung müsste sich eigentlich auch in der Entlöhnung widerspiegeln. Leider aber ist dies nicht der Fall, vor allem am Luzerner Theater, welches schweizweit am untersten Ende der Skala steht.

Künstlerinnen und Künstler, welche an der Oper, am Theater oder am Ballett engagiert werden, haben eine jahrelange Ausbildung hinter sich. Diese beginnt meist bereits im jugendlichen Alter an Vorkursen für Talente und endet mit einem Master an einer Hochschule der Künste. Auf den Unterricht folgt ein tägliches Uebungsprogramm von mehreren Stunden. Die Ausbildung ist aufwändiger, härter und länger als übliche Studiengänge wie etwa für angehende Juristen oder Gymnasiallehrer.

Die lange Ausbildung müsste sich eigentlich auch in der Entlöhnung widerspiegeln. Leider aber ist dies nicht der Fall, vor allem am Luzerner Theater, welches schweizweit am untersten Ende der Skala steht.

Eine Tänzerin oder ein Schauspieler verdient beim ersten Engagement 3'700.- Franken, kaum mehr als der in einem Gesamtarbeitsvertrag festgelegte Mindestlohn im Gastgewerbe, auf dem Bau oder der Maschinenindustrie für ungelernte Arbeitskräfte. Die Löhne steigen auch danach kaum an. Nach über 10 Jahren Berufserfahrung verdient ein festangestelltes Ensemblemitglied höchstens 5'000.- Franken im Monat.

Die Situation beim technischen Personal ist kaum besser. Da verdienen die Mitarbeiter 1'000 Franken weniger als die Kollegen in anderen Betrieben ausserhalb des Theaters.

Anders sieht es bei den Angestellten des Luzerner Sinfonieorchesters aus, welches seine Arbeitskräfte dem Theater für Opernproduktionen zur Verfügung stellt. Der durchschnittliche Jahres-Bruttolohn eines Orchestermusikers in der Schweiz liegt knapp unter 80'000.- Franken im Jahr.

Angestellte im künstlerischen Bereich haben zudem meist nur befristete Arbeitsverträge über ein Jahr. Wenn sie sich für bessere Löhne einsetzen, können die Verträge einfach nicht verlängert werden. Im Theaterbetrieb herrscht für die Künstler ein enormer internationaler Wettbewerbsdruck ohne jeglichen Lohnschutz. Auf eine freiwerdende Stelle warten unzählige Konkurrenten.

Hinzu kommt, dass Mitglieder des Balletts ihren Beruf nur 15 bis 20 Jahre ausführen können. Dann müssen sie ein anderes Auskommen suchen. Jährlich bekommt das Luzerner Theater von Stadt und Kanton gut 20 Millionen Franken, was 5/6 Teil des Gesamtbudgets deckt.

In der Eignerstrategie für den Zweckverband Grosse Kulturbetriebe hält der Kanton fest, dass der Betrieb «marktgerechte Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten sowie eine Personalpolitik nach ethischen Grundsätzen betreiben» soll.

Als grösster Geldgeber trägt der Kanton eine besondere Verantwortung gegenüber dem Personal des Theaters. Deshalb stellen sich folgende Fragen:
  1. Findest es der Regierungsrat richtig, dass hoch spezialisierte Arbeitnehmende mit einem Hochschulabschluss am Luzerner Theater kaum wenig mehr verdienen als ungelernte Arbeitskräfte?
  2. Findet der Regierungsrat, dass diese Entlöhnung ethischen Grundsätzen genügt?
  3. Glaubt der Regierungsrat, dass die Besucherinnen und Besucher des Luzerner Theaters diese Löhne als gerecht empfinden würden, wenn sie wüssten, wieviel die Ensemblemitglieder verdienen und kann sich der Regierungsrat vorstellen, dass das Publikum eine bessere Bezahlung wünschen würde, auch wenn dadurch möglicherweise die Eintrittspreise erhöht werden müssten?
  4. Findet der Regierungsrat, dass die Weiterbildungsmöglichkeiten des Luzerner Theaters für Tänzerinnen und Tänzer, die ihren Beruf nur wenige Jahre ausüben können, dieser besonderen Situation genügend Rechnung trägt?
  5. Findet der Regierungsrat, dass von einer für beide Seiten fairen Arbeitsmarktsituation gesprochen werden kann, wenn auf eine Stelle oft weit über hundert Interessenten kommen?
  6. Ist der Regierungsrat bereit, mittels Durchsetzung der Eignerstrategie darauf hinzuwirken, dass das Luzerner Theater die Löhne soweit anpasst, dass diese mindestens 4'000.- Franken betragen, dem Mindestlohn, welches die an Grösse vergleichbaren Theater in Bern oder Sankt Gallen bezahlen?
  7. Hält es der Regierungsrat für vertretbar, dass vom Gesamtbudget (25 Mio) 1 % mehr für die Löhne des Bühnenpersonals verwendet wird und so die Lohnsituation entscheidend verbessert werden kann?
  8. Falls dadurch weniger Produktionen möglich werden könnten, erachtet dies der Regierungsrat als verkraftbar, wenn dadurch die Lohnsituation verbessert werden kann?
  9. Ist der Regierungsrat bereit, dass im Zusammenhang mit der Finanzierung eines neuen Theaterbaus auch die betrieblichen Strukturen, insbesondere die Lohnstrukturen überprüft und verbessert werden?

Kantonsrat Urban Frye