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Postulat: Digitale Mobilitätsplattform: Weiterentwicklung Verkehrsverbund Luzern (VVL)

24. Mai 2019

Marco Müller namens der Grünen/Jungen Grünen und Fabian Reinhard namens der FDP bitten den Stadtrad mit einem Postulat, sich als Mitglied im Verbundrat für die Weiterentwicklung des Verkehrsverbundes Luzern (VVL) und mithin für eine umweltschonende, platzsparende und energieeffiziente Mobilität einzusetzen.

Gemäss den Leitwerten ist der Verkehrsverbund Luzern (VVL) die führende Drehscheibe im öV, überwindet Grenzen und sieht das Ganze1 und strebt einen leistungsfähigen und attraktiven öV an2. Die Stadt Luzern stellt ein von sieben Mitglieder im Verbundrat, der strategischen Führung des öffentlich-rechtlichen Verkehrsverbund Luzern.
 
Der VVL arbeitet in seinem Gebiet mit verschiedenen Transportunternehmen zusammen und beschränkt sich auf ein Liniennetz von (Zahnrad-)Bahnlinien, Buslinien sowie einer Luftseilbahn und einer Schiffslinie. Diese traditionellen Verkehrsträger bilden heute das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs.
 
Die Mobilität befindet sich derzeit in einem grossen Veränderungsprozess. Neben dem starken Mobilitätswachstum wirken sich die Individualisierung, die Kapazitätsengpässe des Öv zu den Stosszeiten, der Boom neuer Transportmittel (E-Bikes, E-Scooter), die Zunahme von Fahrradverleih-Systemen (stationsgebunde und Free-Floating), die steigende Popularität von Car-Sharing-Angeboten, ersten app-basierten Shuttlediensten (Ridesharing) sowie die digitale Transformation stark auf die zukünftige Mobilität aus.
 
Eines ist dabei klar: Immer häufiger werden von den Verkehrsteilnehmenden verschiedene Verkehrsträger kombiniert, um am besten von A nach B zu kommen, und Teilstrecken werden mit nicht liniengebundenen Transportmitteln (Leihvelo, E-Scooter) zurückgelegt. Die Welt der Mobilität wird dabei immer vernetzter. Gewinner ist künftig der, welcher einfach und alles aus einer Hand anbieten kann.
 
Dem Verkehrswesen stehen, ausgelöst durch Digitalisierung und Automatisierung, zudem grosse Umwälzungen bevor. Dank der Digitalisierung sind heute Echtzeitdaten von Verkehrsmitteln vorhanden, mittels GPS-Daten können Verkehrsströme und Transportmittel geortet werden, das Smartphone ersetzt den Ticket-Automaten und wird zunehmend zum Reiseplaner.
 
Noch ist unklar, welche Rollen die traditionellen Transportunternehmungen in diesem System spielen werden. Und doch scheint klar: Integrierte Lösungen im Sinne von Mobility as a Service (MaaS) werden die Mobilitätsdienstleistungen der Zukunft prägen. Unklar bleibt, wer diese Entwicklung jetzt steuern und dereinst die Mobilitätsdienstleistungen koordinieren soll. Hier ist die Politik gefordert, die im Moment eher den technischen und kommerziellen Innovationen hinterher läuft.

Die Nutzenden wollen möglichst einfache, individuelle und preiswerte Angebote. Auf Angebotsseite kann die Politik steuernd Einfluss nehmen. Es gilt die richtigen Anreize zu setzen, damit die negativen externen Effekte der Mobilität möglich minimiert werden. Angebotsseitig ist das Gesamtsystem im Blick zu halten und es wäre suboptimal, wenn subventionierte Transportunternehmen im Alleingang Tools entwickeln, ohne die Gesamtmobilität im Fokus haben.

Mit der Neuausrichtung soll eine umweltschonende, platzsparende und energieeffiziente Mobilität gefördert werden. Der Kundennutzen soll durch nahtlos kombinierbare Mobilitätsangebote erhöht und die Attraktivität der Angebote verbessert werden.

Vor diesem Hintergrund wird der Stadtrat gebeten, sich als Mitglied im Verbundrat für folgende Weiterentwicklung des VVL einzusetzen:
  • Der VVL öffnet sich ergänzend zu den bisherigen Verkehrsträgern für Mobilitätsunternehmen, welche die aktuellen Transportunternehmen, im Sinne einer effizienten, vernetzten und nachhaltigen Mobilität, sinnvoll erweitert. Bsp: NextBike, Mobility, Catch a Car, Ridesharing, Taxi, etc. Der VVL tritt bei diesen neuen Mobilitätsunternehmen nicht als Besteller, sondern als Drehscheibe resp. Vermittler verschiedener Mobilitätsanbieter auf.
  • Der VVL übernimmt eine Koordinationsfunktion zwischen den sich ergänzenden Mobilitätsdienstleistungen, um eine ökologische, nachhaltige und vernetzte Mobilität mit einer hohen Nutzerfreundlichkeit und einem effizienten Einsatz von Platz, Raum und Geld zu fördern.
  • Der VVL beteiligt sich an der Lancierung attraktiver und nachhaltiger Mobilitäts-Kombi-Abos, z.B. Zonen-Passepartout inkl. Nutzung von Bike- oder Car-Sharing im Tarifverbund Passepartout (LU, OW, NW)
  • Der VVL agiert, zusammen mit den Partnerunternehmen, vermehrt als Service-Agentur im Dienste der Mobilitätskunden, welche verkehrsträger-übergreifend über ideale Echtzeit Reisewege (Routenvorschläge) informiert und einfache Tickets dafür anbietet. Dafür soll er auch Kooperation mit anderen Verbunden suchen und eher bestehende Lösungen in Luzern implementieren (statt eigene zu entwickeln).
  • Der VVL entwickelt seinen Leistungsauftrag und seine konkrete Umsetzung der Leitwerte weiter, um auch im Umfeld einer sich ändernden Mobilität die führende Drehscheibe zu sein, Grenzen zu überwinden und sich für eine nachhaltige, nutzerfreundliche, vernetzte und attraktive Mobilität zu engagieren.
  • Der VVL investiert vorhandene Finanzmittel für Pilotprojekte und Gesamtverkehrsplattformen, welche eine nachhaltige, nutzerfreundliche und vernetzte Mobilität fördern. Dazu sind ineffiziente klassische Angebote zu reduzieren.
  • Der VVL konzeptioniert eine offene digitale Plattform für Mobilitätsdaten und kombinierte Mobilitätsangebote. Die digitale Plattform stellt die Daten als Open Data zur Verfügung und stellt offene Programmierschnittstellen (APIs) bereit.
  • Dank der offenen Programmierschnittstelle können ganz unterschiedliche App-Entwickler (Startups) in einem digitalen Ökosystem vernetzte Apps entwickeln. Im Unterschied zu den heutigen Ticket-Apps der einzelnen Mobilitätsanbieter, die generell nur das eigene Angebot betreffen, können diese Lösung verschiedene und voneinander unabhängige Player unter ein Dach vereinen. Als Vorbild hierfür gilt der Mobiltäts-Service Whim, welcher als Vermittler sämtlicher Transportleistungen in den Städten Helsinki, Antwerpen, Birmingham oder Amsterdam tätig ist. In Berlin wurde Jelbi lanciert, welches 25 verschiedene Mobilitätsunternehmen und die Berliner Verkehrsbetriebe BVG vereint, und WienMobil verbindet alle Mobilitätsservices (neben Tram, Bahn und Bus auch Nextbike und car2go sowie viele weitere). Oder in der Westschweiz wird mit zenGo derzeit eine neue digitale Plattform getestet, welche Dienstleistungen verschiedene Mobilitätsträger vernetzt anbietet.
  • Nach dem Aufbau der digitalen Plattform prüft der VVL auch hier in Zusammenarbeit mit Partnern - die Lancierung einer Mobilitäts-App, für den Grossraum Luzern (mindestens K5 Gemeinden, idealerweise ganzes Passepartout-Einzugsgebiet). Über die App werden kombinierte Mobilitätsdienstleistung (bisheriger, traditioneller ÖV, ergänzt mit nachhaltiger Mobilitätsanbieter wie Nextbike, Mobility etc.) angeboten.
1 https://www.vvl.ch/unternehmen/leitwerte/
2 https://www.vvl.ch/unternehmen/leistungsauftrag/