Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Aktuell

Postulat: Ein Schritt zur Schule der Vielfalt

Archiv: 26. Oktober 2018

Cyrill Studer Korevaar und Maria Pilotto namens der SP/JUSO-Fraktion sowie Irina Studhalter und Marco Müller namens der G/JG-Fraktion bitten den Stadtrat, sich zunächst auf Projektebene den beiden Zielen anzunähern, dass erstens das schulische Umfald LGBTQ-Jugendlichen die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellt, um selbstbewusst zu sich stehen und sich selbst auch schützen zu können, und dass es zweitens allen Jugendlichen die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als gesellschaftliche Realität vermittelt und den Respekt gegenüber der Unterschiedlichkeit fördert.

Die Schweizer Gesellschaft hat sich insbesondere mit gesetzlichen Verbesserungen, aber auch im gesellschaftlichen Kontext, verändert: LGBTQ-Menschen (lesbische, schwule, bisexuelle Personen sowie Transmenschen und non-binäre und queere Personen) leben weniger stigmatisiert und diskriminiert. Allerdings gibt es noch viel Handlungsbedarf: 56 % der queeren 15-Jährigen haben mit Depressivität zu kämpfen, knapp 25 % haben einen schlechten gesundheitlichen Allgemeinzustand.1 Einer von fünf LGBTQ-Menschen hat bereits einen Selbstmordversuch unternommen. Die Hälfte dieser Suizidversuche wird noch vor dem zwanzigsten Lebensjahr verübt, oft in der schwierigsten Phase des Coming-outs. Damit ist die Suizidgefahr bei jungen Schwulen im Alter von 16 bis 20 Jahren zwei- bis fünfmal so hoch wie bei ihren heterosexuellen Altersgenossen.2

Das schulische Umfeld ist oftmals eine bedeutende Quelle von Diskriminierungen, kann aber auch als Ort der Aufklärung genutzt und ausgebaut werden: Sie muss erstens LGBTQ-Jugendlichen die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen, um selbstbewusst zu sich stehen und sich selbst auch schützen zu können. Sie muss zweitens allen Jugendlichen die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als gesellschaftliche Realität vermitteln und den Respekt gegenüber der Unterschiedlichkeit fördern. Entsprechendes, deutschsprachiges Unterrichtsmaterial wird beispielsweise von der UNESCO zur Verfügung gestellt und setzt bereits im sechsten Lebensjahr an.3

Die Unterzeichneten bitten den Stadtrat, sich zunächst auf Projektebene den beiden obengenannten Zielen anzunähern. Bei der Konzepterstellung wie bei der Umsetzung sind LGBTQ-(Jugend-) Organisationen (z. B. die Milchjugend) einzubeziehen und es ist auf bestehenden Lehrmaterialien aufzubauen. Die gesammelten Erfahrungen und Empfehlungen sollen dem Kanton und seinen Schulgemeinden zur Verfügung gestellt werden. Mittelfristig soll ein dauerhafter Massnahmenplan ins Auge gefasst werden.

Luzerner Jugendliche sollen offen und selbstbewusst zur eigenen sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität stehen können, ohne Abwertung und Diskriminierung zu befürchten.


1 Institut universitaire de médecine sociale et préventive (2017): Enquêtes populationnelles sur la victimisation et la délinquance chez les jeunes dans les cantons de Vaud et Zurich. Les jeunes non-exclusivement hétérosexuelles: populations davantage exposées?
2 Wang, Jen et al. (2007): Health status, behavior, and care utilization in the Geneva Gay Men's Health Survey . Preventive Medicine 44, 70-75.
3 https://www.unesco.de/suche?search_api_fulltext=homophobie; https://www.unesco.de/sites/default/files/2018-7/Bek%C3%A4mpfung_von_Homophobie_und_Transphobie.pdf; https://en.unesco.org/themes/school-violence-and-bullying/homophobic-transphobic-violence.