Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2018

Postulat: Keine Handreichung für absurde Entwicklungen im motorisierten Individualverkehr

Archiv: 7. September 2018

Cyrill Studer Korevaar namens der SP/JUSO-Fraktion und Mirjam Landwehr namens der G/JG-Fraktion fordern den Stadtrat mit einem Postulat auf, in der Charte der Städtekonferenz Mobilität eine Ergänzung einzubringen, nach welcher der Energieverbrauch, die Umweltbelastung, das Schadenspotential und der Flächenverbrauch pro motorisiertem Individualfahrzeug möglichst klein zu halten sind.

Die Aufrüstung des motorisierten Individualverkehrs ist auch auf den Stadtluzerner Strassen augenfällige Tatsache. Seit der Beantwortung der Interpellation 1661 hat der durchschnittliche Treibstoffverbrauch und damit der CO2-Ausstoss der Schweizer Neuwagenflotte erstmals seit der Datenerfassung im Jahre 1996 zugenommen2 und das durchschnittliche Leergewicht ist zwischen 2016 und 2017 von 1565 um 107 auf 1672 Kilogramm gestiegen.3 Ausserdem zeichnet sich aufgrund des umwelt- und sicherheitsschädlichen Trends zu stets schwereren und grösseren Fahrzeugen eine Verbreiterung der Strassennorm ab.4

In Zeiten eines immer spürbareren menschenverursachten Klimawandels sind solche Entwicklungen schlichtweg absurd. Die urbane Lebensweise hat dank ihrer Dichte zahlreiche energetische Vorteile, welche sich unter anderem in kurzen Wegen und einer deutlich tieferen Individual-Motorisierung zeigen. Diese Fortschritte dürfen nicht durch erfolgreiche Marketingstrategien der Fahrzeugbranche und deren Lobbyingerfolge auf Bundesebene zunichte gemacht werden. Es ist höchste Zeit, dass sich die Städte selbstbewusst in die anhaltend sinnwidrige Entwicklung des MIV einschalten und sich beispielsweise Strassenverbreiterungsabsichten vehement entgegenstellen.

Der Stadtrat war 2010 eines von fünf Gründungsmitgliedern der Städtekonferenz Mobilität, welche sich mit der «Charta für eine nachhaltige städtische Mobilität»5 einem pragmatischen, urbanen Verkehr verpflichtete und welche inzwischen von 20 Städten aus allen Landesteilen getragen wird.

Der Stadtrat soll nun bei der Städtekonferenz Mobilität in der erwähnten Charta sinngemäss unter Leitlinien und Massnahmen / Motorisierter Individualverkehr aufgrund aktueller Entwicklungen folgende Ergänzung einbringen:

«Der Energieverbrauch, die Umweltbelastung, das Schadenspotential und der Flächenverbrauch sind pro motorisiertem Individualfahrzeug möglichst klein zu halten. Gegenläufige Trends werden auf kommunikativer Ebene sowie auf struktureller Ebene angegangen, etwa indem Strassenbreiten und Parkplatzgrössen tendenziell zurückgehen oder zumindest nicht zunehmen.»


1 Keine weitere Aufrüstung auf Luzerns Strassen Mehr Klimaschutz und Sicherheit für zu Fuss Gehende und Fahrradfahrende https://www.stadtluzern.ch/politikverwaltung/grosserstadtrat/dokumente/dmsVorstoss/4421?filters%5Btyp%5D=&filters%5Bgeschaeftsstatus%5D=&filters%5Bstichwoerter%5D=&filters%5Berstunterzeichner%5D=&filters%5Bmitunterzeichner%5D=&filters%5Bfraktionerstunterzeichner%5D=&page=1
2 2017: 134.1 Gramm CO2 pro Kilometer. Bis Ende 2015 hätte der Wert bei 130 Gramm liegen müssen. https://www.blick.ch/news/wirtschaft/strassenverkehr-treibstoffverbrauch-neuer-autos-steigt-erstmals-wieder-an-id8553091.html
3 Ein Teil davon dürfte auf die Umstellung der Datengrundlage zurückzuführen sein.
4 Verkehrsfachleute fordern breitere Strassen, insbesondere wegen den immer breiteren Fahrzeugen. https://www.srf.ch/news/schweiz/wegen-suv-und-co-der-bund-fordert-breitere-strassen
5 https://skm-cvm.ch/de/Info/Charta/Charta_fur_eine_nachhaltige_stadtische_Mobilitat