Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2017

Motion: Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum: Public Space Public Life (Luzern lebt)

Archiv: 24. Mai 2017

Korintha Bärtsch und Christian Hochstrasser namens der G/JG-Fraktion fordern den Stadtrat auf, in Zusammenarbeit mit Jan Gehl oder einem Planungsbüro mit vergleichbaren Kompetenzen die Innenstadt von Luzern zu analysieren, im Rahmen eines Konzepts über den öffentlichen Raum Vorschläge für die Aufwertung im Interesse der Bevölkerung auszuarbeiten und die Arbeiten in einem Planungsbericht dem Parlament vorzulegen.

Mit dem Aufkommen des Tourismus in Luzern galt Luzern lange als südlichste Stadt nördlich der Alpen. Die Gassen, der See und die Altstadt hatten das Flair der Italianità. Mit der Modernisierung und der Motorisierung kamen diese Qualitäten in Bedrängnis. Aus den prächtigen Boulevards Schweizerhofquai und Pilatusstrasse, wo einst Fussgängerinnen flanierten, sind heute vierspurige lärmige Autostrassen ohne Aufenthaltsqualität geworden.

Mit der Verdichtung nach innen werden öffentliche Räume als Treffpunkte immer wichtiger. Städte und Zentren übernehmen wieder die Funktion als Orte von Kultur, Gemeinschaft, sozialer Interaktion und Integration. Die Stadt der Zukunft verfügt über gute Bedingungen für Menschen zum Gehen, Stehen, Sitzen, Schauen und zum Sprechen. Dies sind laut verschiedenen Studien wichtige Aspekte einer hohen Lebensqualität für Menschen und damit auch einer Standortattraktivität für Unternehmen.

Die Stadtplanung und indes die Planung des öffentlichen Raums - also von Strassen, Trottoirs oder Plätzen - muss sich wieder stärker am menschlichen Massstab orientieren. Strassen und Wegeverbindungen müssen sich an die Geschwindigkeit des Menschen anpassen, nicht an diejenige des motorisierten Verkehrs. Jan Gehl, ein dänischer Stadtplaner, hat diesen Ansatz unter dem Begriff "public space - public life" in vielen Städten weltweit und auch in der Schweiz bedeutend mitgeprägt. Beispielsweise wurde in Bern von ihm die Altstadt nach diesem Ansatz analysiert und die Resultate soeben in der Studie "Bern - Eine Altstadt für alle" mit verschiedenen Anregungen für eine bessere Ausrichtung des öffentlichen Raums auf die Bedürfnisse der Menschen präsentiert.

In der Gesamtplanung hat sich die Stadt Luzern zum Ziel gesetzt, den Anteil von Fussgängerinnen und Fussgängern zu erhöhen. Gleichzeitig stellen die demografischen Veränderungen (Babyboomer) neue Ansprüche an Fussgängerzonen und die weiteren öffentlichen Räume. Das Konzept der "Stadt der kurzen Wege", die Forderung von publikumsintensiven Nutzungen in den Erdgeschossen laut BZO wie auch die Verbesserung der Sicherheit auf Fussgängerstreifen sind ein erster Ansatz, reichen aber nicht aus.

Die Unterzeichnenden fordern deshalb den Stadtrat auf, die Innenstadt von Luzern gemäss den Ansätzen von Jan Gehl zu analysieren. In einem ersten Schritt sollen die drei Plätze Kasernenplatz, Franziskanerplatz/Innenhof Regierungsgebäude und Löwenplatz im Fokus stehen. In Zusammenarbeit mit Jan Gehl oder einem Planungsbüro mit vergleichbaren Kompetenzen sollen zudem im Rahmen eines Konzepts über den öffentlichen Raum Vorschläge für die Aufwertung im Interesse der Bevölkerung ausgearbeitet werden. Die Arbeiten sollen in einem Planungsbericht dem Parlament vorgelegt werden.