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Luzerner Komitee sagt Nein zur 2. Gotthardröhre

Archiv: 6. Januar 2016

Bild zu Komitee gegen 2. Gotthardröhre
Bild zu Komitee gegen 2. Gotthardröhre Das breit abgestützte Luzerner Komitee "Nein zur 2. Gotthardröhre" lanciert die Abstimmungskampagne. Eine 2. Gotthardröhre ist kontraproduktiv und bringt dem Kanton Luzern nur Nachteile. Die Luzerner Bevölkerung wird noch stärker durch Lärm und Abgase belastet und die Unfälle nehmen zu. Die Mehrausgaben für die 2. Gotthardröhre konkurrenzieren Projekte in den Agglomerationen, wo Massnahmen viel dringender wären. Die Sanierung der bestehenden Röhre ohne den Bau einer 2. Röhre ist zudem machbar und viel billiger.

Die Stimmbevölkerung kann am 28. Februar über die 2. Gotthardröhre an der Urne entscheiden. Diese muss nach Ansicht des Luzerner Komitees "Nein zur 2. Gotthardröhre" abgelehnt werden, damit der Verkehr nicht noch mehr zunimmt. Das Komitee ist breit abgestützt und besteht aus den Parteien Grüne, SP, GLP, Junge Grüne, Juso, sowie den Verbänden SEV, Umverkehr, VCS, WWF, ÄrztInnen und Ärzte für Umweltschutz, ProNatura, Pro Bahn, IGöV und ProVelo. Noch im 2012 meinte Doris Leuthard: "Wir bauen ja kaum 2 Tunnel und lassen je eine Spur leer. Das ist meines Erachtens scheinheilig." Kurz darauf begann sie trotzdem den Bau einer zweispurigen Gotthardröhre zu fördern, bei welcher nur eine Spur genutzt werden soll. Aber wie Doris Leuthard vor 3 Jahren, glaubt auch der Luzerner Ständerat Konrad Graber nicht daran, dass nur je eine Spur genutzt würde: "Wer glaubt, dass beide Röhren einspurig betrieben werden, der glaubt gleichzeitig an den Storch, den Osterhasen und das Christkind."

Hoher Druck von der Automobil-Lobby und von der EU
Zum Beispiel begrüsst die EU die Planung für eine zweite Gotthardröhre ausdrücklich. Sie sieht diese als «Reservekapazität», um Stau zu vermeiden, wenn der Verkehr anderswo blockiert wird. Die Luzerner Bevölkerung wird wohl innert kurzer Zeit den Druck spüren, von der Auto-Lobby, den Transportunternehmen und der EU und dann wird die zweite Spur schnell bei x Ausnahmebewilligungen befahren werden. Dies bedeutet nicht nur Mehrverkehr fürs Tessin und den Kanton Uri, sondern klar auch für den Kanton Luzern, durch welchen die wichtigsten Zufahrtsautobahnen zum Gotthard verlaufen. Die zweite Röhre wird auch mehr Schwerverkehr anziehen und uns BewohnerInnen entlang der Nord-Süd-Achse noch stärker belasten mit Lärm und Abgasen.

Eine 2. Gotthardröhre verursacht nicht weniger , sondern mehr Unfälle - auch in Luzern
Seit 2002 gab es keine Tote mehr im Gotthardtunnel. Durch das Dosiersystem für LKW konnte das Risiko stark gesenkt werden, waren doch bei 80% der tödlichen Unfälle LKW mitbeteiligt. Die Sicherheit im Gegenverkehrstunnel kann bereits heute noch stärker verbessert werden. Überhitzte Lastwagen können aufgehalten werden, Fahrassistenzsysteme und versenkbare Mittelleitplanken können Frontalkollisionen verhindern. Und die wirkungsvollste Verbesserung ist, dass ab Dezember 2016 die LKW auf die NEAT verladen werden. Und dies muss eingefordert werden, sind doch 80% der Güter durch den Gotthard Transitgüter.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung rechnete aus, dass bei einer Zunahme des Verkehrs durch den Gotthard um nur gerade 3 Prozent die Sicherheit im neuen Tunnel und auch auf den zuführenden Autobahnen bereits wieder auf dem heutigen Stand wäre. Wahrscheinlicher ist aber, dass ein zweiter Tunnel weit mehr zusätzlichen Verkehr anzieht. Dies verursacht letztlich mehr Unfälle auch auf den zuführenden Strassen zum Gotthard durch den Kanton Luzern. Ein zweiter Tunnel trägt also nichts zur Sicherheit bei, sondern erhöht die Unfallgefahr sogar.

Die 2. Gotthardröhre verschlingt Geld, welches für wichtigere Agglomerationsprojekte fehlt
Das Parlament bestimmt jährlich im Budget, wie viel Geld aus dem Strassentopf (Mineralölsteuer und Autobahnvignette) für den Unterhalt und Betrieb der Nationalstrassen gebraucht wird, und wie viel für den Ausbau der Autobahnen und für Projekte in der Agglomeration übrig bleibt. Somit ist klar: Alles kommt aus einem Einnahme-Topf, und damit stehen die Ausgaben für eine 2. Gotthardröhre in direkter Konkurrenz zu allen anderen Strassenprojekten. Die finanziellen Mittel des Bundes reichen nicht aus, um die wirklichen Problemstellen im Verkehrsnetz zu sanieren. Zudem kostet dieser Bau, inklusive Unterhalt und Betrieb, 3 Milliarden mehr als eine Sanierung. Soviel Geld für eine durchschnittliche Verkehrsmenge von 17'000 Fahrzeuge pro Tag, wovon 80% Ferien- und Freizeitverkehr sind. Zum Vergleich: Über die Seebrücke in Luzern verkehren täglich 40'000 Fahrzeuge.

Sanierung des bestehenden Tunnels ist auch ohne 2. Röhre möglich
Deshalb ist die einzig richtige Lösung die Sanierung des bestehenden Tunnels während 5 Jahren in den Wintermonaten. Im Winter ist die Tagesverkehrsmenge um einiges kleiner, die LKWs können bereits auf die NEAT verladen und die Autos im Bahnverlad durch den alten Gotthard-Bahntunnel transportiert werden. So wird dies am Lötschberg seit Jahrzehnten tagtäglich ohne Probleme praktiziert.