Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2015

Parkhaus Musegg führt zu fünf grossen Problemen

Archiv: 21. April 2015

Der Stadtrat lehnt die Zwischennutzung des Grundstückes Mattenhof 2 als Carparkplatz ab und setzt lieber auf das Luftschloss Musegg. Die hauchdünne Ablehnung der Volksmotion zum Parkhaus Musegg im Grossen Stadtrat hat aber gezeigt, wie gross der Widerstand gegen dieses Projekt ist. Die städtischen Grünen fühlen sich damit in ihrer ablehnenden Haltung bestärkt. Aus folgenden fünf Gründen sind sie gegen ein Parkhaus Musegg.

1. Carparkplatz-Problem nicht mal zur Hälfte gelöst
Die Initiantinnen und Initianten des Parkhauses Musegg betonen immer wieder, dass sie mit ihrem Projekt das Carproblem lösen werden. Dies betrifft aber nur die Cars am Schwanenplatz - und auch da nur einen Teil der heutigen Cars. Das Gutachten im Zusammenhang mit der provisorischen Lösung der Stadt zeigt, dass es besonders in den späten Nachmittags- und Abendstunden dafür viel mehr als 35 Carplätze bräuchte. Das Problem mit den Carparkplätzen am Löwenplatz bleibt ebenso bestehen wie jenes im Inseli, Landenberg etc. Somit werden sich weiterhin eine Grosszahl an Cars durch die Strassen Luzern quetschen. Als Alternative könnten heute schon auf dem Kiesplatz Mattenhof 2 sämtliche Cars parkiert und die Touristinnen und Touristen mit der S-Bahn an den Bahnhof Luzern transportiert werden. Anfangs Oktober 2014 forderten Ali R. Celik und Christian Hochstrasser namens der Grünen/Jungen Grünen-Fraktion genau dies mittels Postulat. Diese Lösung wäre kostengünstig, rasch realisierbar und birgt kaum Risiken. Leider lehnt der Stadtrat die Motion nun aber ab. Damit setzt er lieber auf das Luftschloss "Parkhaus Musegg", als auf eine praktikable Lösung.
 
2. Unrealistische Kompensation von Parkplätzen
700 neue kostenpflichtige Parkplätze sollen im Hügel unter der Musegg neu gebaut werden, um das Projekt zu finanzieren. Der Stadtrat verlangt dafür eine Kompensation von 300 - 600 Parkplätzen in der Innenstadt. In der Vergangenheit gab es bei jeder Parkplatzaufhebung in der Stadt grossen Widerstand. Spätestens wenn es um die Frage gehen wird, welche Parkplätze für die Kompensation aufgehoben werden sollen, wird die Einigkeit vorbei sein. Keine Liegenschaftsbesitzerin und kein Unternehmen werden einwilligen, die Parkplätze direkt vor dem eigenen Haus oder Laden aufzuheben. 300 - 600 Parkplätze sind eine grosse Zahl; im Hirschmattquartier würde dies beispielsweise eine Halbierung der gesamten aktuellen Parkplätze bedeuten. Dass die Stadt Luzern dadurch eine grosse Summe Geld aus der Parkplatzbewirtschaftung verliert, wird bisher ebenfalls verschwiegen. Auch auf die heute teils schlechte Auslastung der bestehenden Parkhäuser, z.B. am Kasernenplatz, sei hier hingewiesen. Die Autofahrerinnen -fahrer bevorzugen Parkplätze gegenüber einem Parkhaus leider nach wie vor.
 
3. Projekt ist nicht quartierverträglich
Der Widerstand aus dem direkt betroffenen Quartier ist vehement und engagiert. Innert kürzester Zeit haben die Initiantinnen und Initianten über 2 000 Unterschriften für die Volksmotion gesammelt. Diese Menschen sind direkt von den negativen Folgen des Parkhauses betroffen, verursacht die geplante Einfahrt beim Nölliturm unabhängig der genauen Ausgestaltung viel Mehrverkehr. Die negativen Auswirkungen dieses Projekts betreffen aber noch viel weitere Kreise. Das Basel-Bernstrasse-Quartier war lange Zeit eine unattraktive Gegend. Es ist eines der Quartiere mit den meisten Kindern in dieser Stadt. Seit Jahren investiert die Stadt viel Geld, um diesen Stadtteil aufzuwerten. Das Parkhaus Musegg würde das Babel-Quartier mit viel Mehrverkehr, Lärm und Feinstaub belasten, was nicht akzeptiert werden kann. Zudem ist der Kasernenplatz heute schon ein hässlicher, vom Autoverkehr dominierter Einschnitt im Quartier. Mit dem Parkhaus Musegg würde der Kasernenplatz definitiv als Verkehrsmoloch zementiert.
 
4. Nicht mit Mobilitätsreglement vereinbar
Das geplante Projekt wird zwangsläufig zu Mehrverkehr führen und ist darum nicht mit dem Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität kompatibel. Dies ist jedoch zwingend, da das Luzerner Stimmvolk dieses in einer Abstimmung 2010 angenommen hat und als kommunales Gesetz rechtskräftig ist. Selbst wenn die 700 neuen Parkplätze im Parkhaus Musegg 1:1 kompensiert würden (der Stadtrat fordert nur 300-600), wird die Verkehrsbelastung zunehmen. Das Ziel des Mobilitätsreglements, den Mehrverkehr durch öffentliche Verkehrsmittel, Fuss- und Veloverkehr abzuwickeln, würde damit nicht erreicht.
5. Ökologischer und raumplanerischer Rückschritt
Das Parkhaus Musegg ist ein Projekt, welches erstmals in den späten 70er-Jahren entstanden ist. Es fand damals schon keine Mehrheit, 1980 lehnten die Stadtluzerner Stimmberechtigten ein unterirdisches Parkhaus im Musegg-Hügel mit 16 300 Nein- gegen 4 900 Ja-Stimmen deutlich ab. Das Projekt verschwand in der Folge rasch im Archiv des Ingenieurbüros. Mehr als 30 Jahre später wurde die verstaubte Schachtel wieder ausgegraben und soll nun doch noch zur Ausführung kommen. Die Idee eines Parkhauses Musegg wurde fast 1:1 wieder aufgewärmt, während sich die Welt und mit ihr auch ökologische und raumplanerische Anforderungen während diesen fast 40 Jahren komplett verändert haben. Im Jahr 2015 die Anfahrt mit dem Auto direkt in die Innenstadt noch attraktiver zu gestalten, ist jenseits von Gut und Böse. Das Ziel muss sein, den Verkehr auf die Verkehrsträger öV und Velo zu verlagern, welche ökologisch und platzsparend sind. Damit kann der bestehende Verkehrsraum effizient und durch möglichst viele Leute genutzt werden kann.