Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2012

Interpellation zu den Sparvorgaben und Auswirkungen auf die Quartierschulen

Archiv: 5. April 2012

Edith Lanfranconi und Ali R. Celik namens der Grünen-/Jungen-Grünen-Fraktion, René Meier und Dominik Durrer namens der SP/JUSO-Fraktion, Manuela Jost namens der Grünliberalen-Fraktion, sowie Verena Zellweger, Andrea Heggli (beide CVP) und Philipp Federer (parteilos) bitten den Stadtrat in einer Interpellation vom 5. April 2012 um Auskunft zu den Auswirkungen der Sparvorgaben auf die Quartierschulen.

Im Frühling werden jeweils in den Schulhäusern der Stadt die Neueinteilungen der Klassen für das kommende Schuljahr gemacht. Der Kanton sieht Klassengrössen von 16 - 22 Schülern vor. Der Grosse Stadtrat hat aufgrund von Sparvorhaben die durchschnittliche Klassengrösse in der Stadt auf durchschnittlich 19.5 bis 20 Kinder festgelegt.

Die Kinderzahlen in den Einzugsgebieten kleinerer Quartierschulen sind starken Schwankungen unterworfen. Es besteht die Gefahr, dass die Sparvorgaben der Stadt das Angebot oder gar die Existenz der kleineren Quartierschulen gefährden. Die Gefahr eines schleichenden Abbaus von Quartierschulen, unter einem steigenden Spardruck ist nicht von der Hand zu weisen. Sollten Investitionen in Quartierschulen weiter verschoben werden, stellt sich die Frage, ob im Stillen Tatsachen geschaffen werden, die politisch schwer rückgängig gemacht werden können.

Die Schulhäuser sind für die Aussenquartiere ohne Läden und Restaurants das Herz der Quartiere und daher ein wichtiger Bezugspunkt. Die Kinder identifizieren sich mit dem Quartier und ihrem Schulhaus. Man trifft sich dort auch zum Spielen. Mit dem B+A zur Quartierpolitik hat die Stadt ihren Willen, Quartiere zu stärken bekräftigt. Es braucht Strategien, wie die Quartierschulhäuser erhalten werden können. Sie sind wichtig für die Quartiere und mit ein Grund, weshalb Familien in der Stadt wohnen, obwohl die Mieten teurer sind als in der Agglomeration. Lebendige Quartiere, die eine vorhersehbare Schulhauspolitik haben, zählen zudem zu wichtigen Standortfaktoren einer Stadt. Es liegt im Interesse auch der Wirtschaftsförderung, den Mitarbeitenden von bestehenden und neuen Unternehmen attraktive Quartiere mit ihren Schulhäusern bieten zu können.

Darüber hinaus führen die zur Umsetzung der Vorgaben notwendigen Veränderungen zu viel Unsicherheit bei den Eltern, da in einigen Schulhäusern geplant ist, Kinder in andere Klassen umzuteilen, damit diese Zahl erreicht werden kann. Für die Kinder heisst das, den vertrauten Klassenrahmen und Freunde zu verlieren und zu zweit oder zu dritt in eine andere Klasse oder sogar in ein anderes Schulhaus wechseln zu müssen. Kinder benötigen aber mehrere Wochen, bis sie sich in einem neuen Klassengefüge eingelebt haben. Die gesicherte Position in einem guten Lernumfeld, ist insbesondere im Zusammenhang mit der Einführung von IF unabdingbar. Kurzfristige Lösungen, unglücklich kommuniziert, verunsichern Eltern und Kinder; es braucht eine mittelfristige, sorgfältige Planung, um Ruhe ins System zu bringen.

Wir möchten den Stadtrat deshalb bitten, folgende Fragen zu beantworten:
  • Ist der Stadtrat auch der Meinung, dass Schulhäuser eine grosse Bedeutung haben für die Quartiere, ihre Bevölkerung und damit für eine familienfreundliche Stadt?
  • Wie beurteilt der Stadtrat die Befürchtung, dass Quartierschulen einem erhöhten Spardruck zum Opfer fallen könnten?
  • Sind Verschiebungen oder der Verzicht auf Investitionen in Schulhäuser geplant oder angedacht?
  • Wie werden Eltern, Elternrat und Quartiervereine in die Überlegungen zu Schulstandorten einbezogen oder informiert?
  • Ist der Stadtrat im Rahmen seiner Wirtschaftsförderungsstrategie auch der Meinung, dass Mitarbeitende von Firmen auch Quartiere und ihre Schulhäuser als wichtigen Standortfaktor betrachten?
  • Das Parlament hat knapp ja gesagt zu Klassengrössen von 19.5 Kindern. Ist der Stadtrat auch der Meinung, dass pädagogische und quartierpolitische Massnahmen trotzdem zuoberst stehen müssen und die Klasseneinteilungen so flexibel vorgenommen werden müssen, dass sie möglichst wenig zum Nachteil der Kinder und des Quartiers gereichen?
  • Nach welchen Kriterien werden die Klasseneinteilungen vorgenommen?