Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2012

Luzern Tourismus AG ‐ Niedriglohn-Arbeitgeber und Promotor einer Niedriglohn-Branche

Archiv: 19. Januar 2012

Noch im Mai 2011 haben zwei Exponenten der Luzern Tourismus AG (LTAG), die bei der Fraktion Grüne/Junge Grüne vorsprachen, gegenüber den Anwesenden bestätigt, dass Gästebetreuerinnen zu einem Stundenlohn von 25 Franken netto beschäftigt würden. Nur in der Öffentlichkeit wollen sie offenbar nicht dazu stehen. Die Fraktion der Grünen/Junge Grünen fordert bei Abschluss eines neuen Leistungsauftrages die Festlegung von Lohn-Rahmenbedingungen.

Selbst wenn man den LTAG-Angaben folgt, kommt man zum Ergebnis, die Tourismus-Promotionsagentur ist ein Billiglohn-Arbeitgeber. Sie schreibt, dass die Gästebetreuerinnen im Durchschnitt 31 Franken brutto pro Stunde erhalten würden. Das heisst, dass ein Teil der Löhne niedriger als 31 Franken ist. Dazu kommt: 31 Franken brutto bedeutet entweder rund 29 Franken netto (ohne BVG-Abzug) und rund 27 Franken netto (mit BVG-Abzug.) Im Klartext: Frauen, die mindestens drei Sprachen fliessend beherrschen müssen, werden mit einem Lohn hingehalten, der ihren geforderten Fähigkeiten nicht gerecht wird. Diesen Billiglohn erhalten die Gästebetreuerinnen, von denen viele Teilzeit arbeiten, auch nicht das ganze Jahr und sie wissen zu Beginn des Jahres nicht wie klein ihr Jahreseinkommen sein wird. Von Mai/Juni bis Oktober kennen sie langfristig ihre Einsätze, im Winter jedoch nicht. Dann arbeiten sie nach (kurzfristigem) Bedarf, und meist wenig.

Der Stadtrat verweist auf die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus und die erarbeitete Wertschöpfung von 1,6 Milliarden Franken. Er erwähnt allerdings nicht, dass der Tourismus zu den wertschöpfungsschwachen Branchen zählt und in dieser Branche auch Löhne gezahlt werden, welche die Lohnabhängigen zu working poors machen. Die LTAG ist folglich nicht nur ein Niedriglohn-Arbeitgeber, sondern auch Promotionsagentur für eine Niedriglohn-Branche.

Stadt und Kanton Luzern unterstützen die LTAG mit über 2, 5 Millionen Franken jährlich. Sie haben die politische Möglichkeit, bei der Genehmigung des neuen Leistungsauftrages (spätestens 2015), Rahmenbedingungen für leistungsgerechte Löhne zu setzen und deren Umsetzung zu kontrollieren. Die Fraktion der Grünen/Junge Grüne wird bei Gelegenheit entsprechende Anträge stellen. Allerdings könnte man sich auch die Frage stellen, ob Stadt und Kanton nicht die Tourismus-Subventionen ganz oder teilweise streichen sollen, um den Betrag für die Förderung von wertschöpfungsintensiveren und innovativeren Branchen/Unternehmen und damit effizienter einzusetzen.