Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Archiv 2011

Postulat über eine Studie für Regelungen zur Entkopplung von Gewinn und Absatz bei Stromunternehmen

Archiv: 10. November 2011

Der Gewinn der Stromunternehmen hängt heute im Wesentlichen von der verkauften Strommenge ab. Heidi Rebsamen ersucht darum namens der Grünen-Fraktion den Regierungsrat in einem Postulat vom 10. November 2011, eine Studie für marktwirtschaftliche und praxisnahe Regelungen in Auftrag zu geben, welche den Gewinn der Stromunternehmen vom Absatz der Strommenge entkoppeln.

Allzu häufig wird eine Steigerung des Strombedarfs als unausweichlich, gar als Zeichen für wirtschaftliche Gesundheit dargestellt. Die Stromproduzenten, die Umsatz und Gewinn steigern wollen, ermuntern zu höherem Stromverbrauch. Allerdings führt eine jährliche Steigerung des Verbrauchs von beispielsweise zwei Prozent dazu, dass in 30 Jahren doppelt so viel Strom wie heute konsumiert wird. Um die bevorstehende Herausforderung der Energiewende zum solaren Zeitalter zu meistern, ist dies schlichtweg kein gangbarer Weg. Folglich müssen wir das Niveau des Stromverbrauchs stabilisieren oder den Verbrauch gar senken.

Dass die Wirkung von gezielt eingesetzten Anreizen zur Effizienzsteigerung zu sehr positiven Resultaten führen kann, bestätigt das im US-Bundesstaat Kalifornien seit Jahren eingeführte und später durch weitere US-Staaten übernommene System "Decoupling". Während der Stromverbrauch pro Kopf in der Schweiz seit 1978 um 50 Prozent zugenommen hat, ist seit 30 Jahren der Verbrauch in Kalifornien stabil geblieben. Mit dem "Decoupling"-System werden die Marktregeln für die Energiekonzerne so festgelegt, dass deren Gewinne nicht mehr von der Menge des verkauften Stroms abhängen, sondern vom Erfolg der Effizienzmassnahmen. Im Gegensatz dazu fördern die meisten Schweizer Energieversorger den Absatz, weil ihre Gewinne von der verkauften Menge abhängig sind.

Wir wissen, dass eine gesparte Kilowattstunde langfristig die billigste und mit Abstand die umweltfreundlichste und sicherste ist. Deshalb soll eine Studie, beispielsweise der Hochschule Luzern - Wirtschaft, marktwirtschaftliche und praxisnahe Regelungen erstellen, die den Gewinn der Stromunternehmen vom Absatz der Strommenge entkoppelt. Zudem soll die Studie aufzeigen, wie eine "Decoupling"-Gesetzgebung im Kanton Luzern umgesetzt werden könnte unter Berücksichtigung des Strommarktgesetzes und deren weiteren Liberalisierung.