Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2011

Zusammensetzung von Planungs- und Entscheidungsgremien für eine nachhaltige städtische Entwicklung

Archiv: 23. Februar 2011

Monika Senn Berger und Katharina Hubacher fordern namens der Grünen-/Jungen-Grünen-Fraktion den Stadtrat in einem Postulat vom 23. Februar 2011 auf, dass bei künftigen Projekten alle Dimensionen (sozial, ökonomisch und ökologisch) der Nachhaltigkeit durch die Vertretung von Fachpersonen einbezogen werden.

Zu Recht präsentierte der Stadtrat die neu gestaltete Gesamtplanung 2011-2015, die auf den drei Kriterien der Nachhaltigkeit basiert, mit einem gewissen Stolz. Es war und ist eine grosse Herausforderung für alle Beteiligten, die Dimensionen Gesellschaft ‐ Wirtschaft ‐ Umwelt in Einklang zu halten.

Die finanzielle Situation verleitet zu einer vermehrten Wirtschaftsförderung, die jedoch Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt haben wird. Zur Veranschaulichung ein krasses, aber eindeutiges Beispiel aus der Weltwirtschaft: fehlende Devisen ‐ internationale Konzerne ‐ Urwaldrodung ‐ Landflucht ‐ Slums.

Stadtentwicklung ist eine langfristige Angelegenheit. Wenn unter Druck der aktuellen Situation einseitig die wertschöpfende Wirtschaft gefördert wird, besteht die Gefahr, dass Gewachsenes zerstört wird. Die Stadt verliert ihre Eigenart und produziert im schlimmsten Fall sogenannte «Sozialfälle», was wiederum Mehrkosten verursacht. Darum ist es ‐ wie die Gesamtplanung es vorsieht ‐ sinnvoll, gleichzeitig alle Dimensionen im Auge zu behalten. Es kann doch nicht sein, dass erst bei Problemen Experten/-innen für Gesellschaftsfragen (zum Beispiel Kompetenzzentrum Stadtentwicklung der HSLU) beigezogen werden.

Die Grünen und Jungen Grünen sind der Ansicht, dass sich eine nachhaltige Wirtschaft, die sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung und an einem schonenden Umgang mit der Umwelt orientiert, langfristig auszahlt. Die Umsetzung einer nachhaltigen städtischen Entwicklung gelingt erst dann, wenn Fachpersonen aus sozialen, ökonomischen und ökologischen Disziplinen zusammenarbeiten.

Mit der Zielsetzung «Schaffung einer vielfältigen Quartierstruktur» für die Entwicklung des Areals Industriestrasse ist die Stadt auf einem guten Weg. Es sollen Mietwohnungen und Dienstleistungs- und Gewerbeflächen für kleine, mittlere und grosse Betriebe entstehen. Wenn es hier gelingt, Übergangslösungen für ansässiges Klein- und Kunstgewerbe zu finden, mit der Bauweise soziokulturelle Animation zu ermöglichen, den Wohnraum mit Minergiestandard zahlbar zu halten und den bei der Verdichtung entstehenden Mehrverkehr zu begrenzen, kann auch eine wertschöpfende Firma integriert werden ‐ besonders wenn sie Arbeitsplätze für die Stadtbevölkerung und Studienabgänger/innen bietet.

Um Zielsetzungen effizient und effektiv zu erreichen, wird in der Organisationsentwicklung der Zusammensetzung von Projektsteuerungsgremien viel Beachtung geschenkt. Unter dem Motto «Nicht jede/r kann oder muss allwissend sein» sollen Wissen und Erfahrungen aller relevanten Disziplinen und Abteilungen vertreten sein.

Wir fordern den Stadtrat deshalb auf, in Zukunft bei Projekten immer alle Dimensionen der
Nachhaltigkeit einzubeziehen und in der Entwicklung und Entscheidung mit entsprechenden
Fachpersonen zu arbeiten:
  1. bei Projekten Fachpersonen aus sozialen, ökonomischen und ökologischen Disziplinen als Experten bereits in der Planungsphase beizuziehen;
  2. bei Entscheidungen Fachpersonen aller drei Disziplinen mit Stimmrecht einzubeziehen, so dass die Auswirkungen auf die Dimensionen Gesellschaft ‐ Wirtschaft ‐ Umwelt erkennbar werden;
  3. bei Berichten und Anträgen jeweils aufzuführen, welche Erkenntnisse aus den drei Disziplinen zu beachten sind.