Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2010

Interpellation zur Förderung des autofreien Lebensstils

Archiv: 14. September 2010

Monika Senn Berger namens der Grünen/Jungen Grünen-Fraktion und András Özvegyi namens der Grünliberalen-Fraktion möchten in einer Interpellation vom 14. September 2010 vom Stadtrat wissen, wie er mit entsprechenden Bauprojekten den autofreien Lebensstil zu fördern gedenkt.

Am 19. August 2010 berichtete die Nachrichtensendung «10 vor 10» von der ersten autofreien Siedlung in Bern-Bümpliz. Die Mieter/innen verpflichten sich, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Damit konnte das Parkplatz-Obligatorium pro Wohnung überwunden und statt in eine Einstellhalle in Minergie-P-Eco investiert werden.

Autofreies Wohnen bedeutet nicht Mobilitätsverlust. Autofreie Haushalte sind Haushalte, welche kein Auto besitzen. Die Autonutzung beispielsweise im Rahmen von Car-Sharing ist dabei aber nicht ausgeschlossen. So sind bei der Planung von autofreien Siedlungen und Wohnprojekten die Anbindung an den öffentlichen Verkehr und Fuss- und Velowege zu beachten.

Aus einer Studie des Instituts Interface, die Anfang 2009 veröffentlicht wurde, geht hervor, dass jeder fünfte Haushalt in der Schweiz autofrei ist, in den Innenstädten oft sogar mehr als die Hälfte der Bevölkerung ohne eigenes Auto lebt (vgl. Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2009). Autolosigkeit ist in der Schweiz also kein seltenes Phänomen und kann deshalb verkehrspolitisch nicht vernachlässigt werden.

Die Verkehrsprobleme in der Stadt Luzern sind allgemein bekannt und Verbesserungsmassnahmen sind eingeleitet. Zusätzlich soll ein autofreier Lebensstil gefördert werden, was sich sowohl auf die Umweltbelastungen als auch auf die privaten Mobilitätskosten und die damit verbundenen externen Kosten positiv auswirkt.

Wir bitten den Stadtrat, uns folgende Fragen zu beantworten:

  • Wurden in der Stadt Luzern schon Bauprojekte für autofreies Wohnen oder mit reduziertem Parkplatzangebot eingereicht? Wenn ja, was wurde bewilligt, was nicht?
  • Hat die Baudirektion Kenntnis von den Projekten in anderen Städten und deren Auswirkungen auf die Stadtplanung?
  • Gemäss der erwähnten Studie hat der Prozentsatz freiwillig Autoloser in den Städten seit 1994 von 15 auf 32 Prozent zugenommen: Wie gedenkt der Stadtrat, diesen Trend zu nutzen und in der Bau- und Zonenordnung zu berücksichtigen?
  • In Bern war 2004 im Zonenplan ein Anteil der Wohnflächen für autofreies Wohnen vorgesehen, wurde damals jedoch in der Volksabstimmung noch abgelehnt): Kann sich der Stadtrat vorstellen, sich besonders in den Schlüsselarealen proaktiv für autofreies Wohnen einzusetzen? Wenn ja, wie?

Monika Senn
namens Fraktion G/JG

András Özvegyi
namens Fraktion GLP

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