Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Archiv 2010

Besteuerung von Krippenplätze und Erwerbstätigkeit von Frauen

Archiv: 16. März 2010

Anfrage von Christina Reusser und Mitunterzeichnenden

Eine Studie über die Auswirkungen der Besteuerung und Krippenkosten auf die Erwerbstätigkeit der Frauen (verfasst im Auftrag der welschen Gleichstellungskonferenz vom März 2009) zeigt, dass für Mütter, besonders für verheiratete Frauen mit zwei Kindern, deren Ehemänner Vollzeit arbeiten, aus finanzieller Sicht kein Anreiz besteht, mehr als drei Tage pro Woche zu arbeiten. Ab dem vierten oder fünften Tag kann aufgrund der Steuerbelastung und Kosten für die Kinderbetreuung sogar ein finanzieller Verlust entstehen. Die Tatsache, dass das häufigste Familienmodell in der Schweiz dem Schema «er arbeitet 100 Prozent, sie 50 Prozent» entspricht, lässt sich mit der Besteuerung von Paaren mit Kindern erklären.

Die Langzeitfolgen der Teilzeitarbeit für Frauen sind nicht selten dramatisch. Dies insbesondere bei einer Scheidung, im Falle der Arbeitslosigkeit oder im Rentenalter. Die Frauen verfügen wegen des Teilzeitpensums über weniger Berufserfahrung und weniger Aufstiegschancen sowie können aufgrund der erschwerten Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit keine umfassendere Weiterbildungen absolvieren. Als Folge dessen finden die Frauen kaum Kaderstellen, arbeiten in schlechteren Arbeitsverhältnissen und werden in wirtschaftlich schlechteren Jahren aufgrund der tiefen Arbeitspensen als erste entlassen.

Die Aufnahme der Erwerbstätigkeit nach der Geburt von Kindern ist oft notwendig, damit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Familie erhalten werden kann. Zudem verfügen Frauen vermehrt über gut qualifizierte Ausbildungen und Fachwissen. Durch die Ausschöpfung dieser Kompetenzen und Ressourcen profitieren nicht nur die Individuen selber, sondern sie bringen auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen.

Damit die Politik die Entwicklung der Vereinbarkeit von Beruf und Familien vorantreiben kann, bitten wir den Regierungsart um die Beantwortung der folgenden Fragen:
  1. In welchen Konstellationen (Familienform, Arbeitspensen, Einkommenshöhe, usw.) wird im Kanton Luzern der Ausbau eines Zweiteinkommens bei Familien mit Kindern nicht mehr attraktiv oder führt sogar zu finanziellen Einbussen?
  2. Wie hoch ist der Anteil eines Zweiteinkommens, der den Familien mit einem Kind oder zwei Kindern nach Abzug der Kinderbetreuungskosten sowie der Steuerausgaben bleibt (Alleinerziehende mit einem Kind oder mehreren Kindern, Verheiratete mit einem Kind oder mehreren Kindern, Konkubinatspaare mit einem Kind oder mehreren Kindern)?
  3. Wie beurteilt der Regierungsrat das Resultat der Auswertung?
  4. Sofern die Auswertung ergibt, dass in gewissen Konstellationen der Ausbau eines Zweiteinkommens zu negativen finanziellen Auswirkungen führt, wird der Regierungsrat gebeten, die Gründe dafür aufzuzeigen (Steuerprogression, System der Kinderabzüge, KITA-Ansätze, KITA-Subventionen usw.).
  5. Welche Lösungsansätze und Vorschläge ergeben sich für den Regierungsrat aufgrund der Resultate?