Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2010

Das Hotel Gütsch, eine moderne Festung im Wald?

Archiv: 4. Januar 2010

Interpellation von Agatha Fausch Wespe namens der G/JG-Fraktion

Das Hotel Gütsch prägt das Stadtbild von Luzern markant. Für Einwohner, Einwohnerinnen und TouristInnen gehört der Blick auf das romantische Schlosshotel mit Türmchen und Terrassen ins Stadtbild von Luzern. Dass das Hotel Gütsch wieder neu betrieben werden soll, ist positiv zu bewerten. Dass es umgebaut werden soll, ist nachvollziehbar. Ein solcher Eingriff sollte so geplant und umgesetzt werden, dass Luzerner und Luzernerinnen das Hotel Gütsch im Naherholungsgebiet der Stadt nutzen und mit Gästen aus aller Welt teilen mögen. Dass der naheliegende Wald für Luzernerinnen mit einer neuen Gütschbahn wieder erschlossen wird, ist begrüssenswert. Allerdings stellen sich im Zusammenhang mit dem geplanten Umbau mehrere Fragen.

Wir bitten den Stadtrat, im Zusammenhang mit dem geplanten Um- und Neubau des Hotels Gütsch zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen:

Naturschutz
  1. Welche Überlegungen führen dazu, dass der Verlust der zu rodenden Bäume mit einer Aufwertung des Uferschutzes am Gütschweiher (anstatt mit Aufforstung) kompensiert werden soll?
  2. Plant der Stadtrat bereits heute, das nächtlich sehr grelle Streulicht von der Hotelanlage in den Wald einzudämmen? Ist der Stadtrat bereit, mit einem dezenten Beleuchtungskonzept die Beleuchtung im neuen Hotel Gütsch in den Plan Lumière zu integrieren, Tiere und Menschen nicht zu blenden und das Licht zeitlich zu begrenzen (analog Wilhelmshöhe)?

Naherholungsgebiet, Verkehrswege
  1. Bleiben die Zugangswege ins Naherholungsgebiet Gütschwald während der Bauphase und nach dem Umbau für FussgängerInnen weiterhin gut erschlossen? Welche Änderungen sind vorgesehen?
  2. Werden mit dem Umbau die öffentlichen Flächen für PassantInnen reduziert? Ist der Stadtrat bereit, sich für den öffentlichen Zugang zur Hotelanlage einzusetzen (z. B. die Plattform der Hotelanlage weitergehend als beim jährlichen Ritual der Herrgottskanoniere nutzbar zu machen)?

Finanzielle Risiken
  1. Hat der Stadtrat sorgfältig abgeklärt, ob die Eigentümerin, Firma Alpstream, solvent und vertrauenswürdig ist?
  2. Kann davon ausgegangen werden, dass die Firma in der Lage ist, die Investitionen auch während der aktuellen Finanzkrise zu Ende zu finanzieren?
  3. Hat sich der Stadtrat bei der Erteilung der Baubewilligung überlegt, wie gross das Risiko einer Bauruine im Gütschwald ist?

Denkmalpflege und Städtebau
  1. Die heutige Gütschbahn ist als Ganzes historisch bedeutsam und erhaltenswert. Der Abriss der Berg- und der Talstation ist unnötig und die Neuplanung der beiden "Stations-Türme" passt schlecht ins Stadtbild. Ist der Stadtrat nicht auch der Meinung, dass mit diesen Bauten achtsamer umgegangen werden sollte?
  2. Die beiden geplanten "Festungen" als Erweiterung der Hotelanlage verändern das Erscheinungsbild des verspielten, romantischen Schlosses im Wald markant. Der nahe Wald am Stadtrand wird von massiven Baukuben dominiert werden. Ist der Stadtrat nicht auch der Meinung, dass damit ein städtebaulicher Akzent empfindlich verändert wird? Ist er bereit, die bestehenden städtebaulichen Akzente zu schützen?