Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2008

Für sozialräumliche Planung in Luzern

Archiv: 8. September 2008

Motion von Agatha Fausch Wespe namens der G/JG-Fraktion

Öffentliche Räume erschliessen - Begegnungsorte schaffen - Brennpunkte beruhigen - von BaBeL lernen

Seit längerer Zeit ist die Stadt mit Nutzungskonflikten auf öffentlichen Plätzen konfrontiert. Kanton und Stadt reagieren mit polizeilichen Massnahmen (Videoüberwachung, SIP, evtl. Wegweisung). Vorgesehene sanktionierende Massnahmen wie Rayonverbote sind personalintensiv und aufwendig in der Bearbeitung. Sie bringen wenig Nutzen. Proaktive Massnahmen können viele Nutzungskonflikte entschärfen und das Zusammenleben erleichtern. Die Buvette im Inselipark, das Midnight-Basketball und das Projekt "Spielen im Vögeligärtli" (neu auch im "Bleichergärtli") sind gute Beispiele dafür.

Die Stadt, Bewohner/innen und Nutzer/innen stehen in einem steten Wandel; dies insbesondere im Zusammenhang mit der geplanten Fusion Luzern und Littau. Der Stadtrat hat diese Situation erkannt. In der Gesamtplanung 2008-2012 nimmt er unter Punkt A5.1 ein neues Fünfjahresziel auf: Er will die Quartierpolitik in der wachsenden Stadt Luzern analysieren und gegebenenfalls neu definieren. Dass damit im 2010 begonnen werden soll, ist im Raumentwicklungskonzept zur BZO zu lesen.

Es ist Zeit, dass die sozialräumliche Planung und Stadtteilentwicklung aktualisiert und angepasst wird. An den Brennpunkten soll jetzt reagiert werden. Die fachlichen Methoden der sozialräumlichen Planung haben sich verfeinert und verändert.

Mit dem Projekt BaBeL wird seit mehreren Jahren eine erfolgreiche sozialräumliche Entwicklung umgesetzt. Zahlreiche Projekt-Bausteine sorgen für mehr Lebensqualität und Integration, insbesondere für Kinder, Jugendliche und Familien sowie für das Kleingewerbe (Konzept BaBeL-Kids, Shop & Food). Dieses Beispiel zeigt, wie mit sozialräumlicher Planung und gezielter soziokultureller Intervention öffentliche Räume belebt werden können.

Wir sind der Meinung, dass die positiven Erfahrungen von BaBeL auf andere Stadtteile übertragen werden sollen. Mit neuen quartierübergreifenden Projekten sollen übernutzte oder brachliegende Orte untersucht und mittels situationsadäquaten Aktionen belebt oder beruhigt werden.

Wir fordern den Stadtrat auf, Mittel und Massnahmen zur vielfältigen Nutzung öffentlicher Räume in einem Bericht vorzuschlagen. Diese sollen stadtteilbezogen (inkl. Zentrum)
  1. die BewohnerInnen und NutzerInnen der Stadtteile bei der Gestaltung der Räume miteinbeziehen, um damit für alle eine integrative Wirkung zu erzielen;
  2. Stadtbrachen als kreative Nischen erschliessen;
  3. Projekte von kirchlichen und privaten Trägern unterstützen, sodass in allen Stadtteilen urbane Räume entstehen;
  4. Aktionen von Gewerbetreibenden oder Privaten fördern, um einseitig genutzte Stadtteile zu beleben und bestehende Lücken zu schliessen;
  5. auf öffentlichen Räumen und Plätzen bestehende Lücken schliessen und mittels
  6. soziokulturellen Interventionen Veränderungen initiieren;
  7. die Stadtentwicklung mit unterschiedlichsten AkteurInnen (Familien, Kindern und Jugendlichen, Alleinstehenden, Betagten inner- und ausserhalb stationärer Einrichtungen und Zugezogenen) mittels partizipativer Prozesse neu gestalten.