Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2008

Was uns Rüebli lehren

Archiv: 24. Januar 2008

Mit dem Einkaufen am Wochenmarkt ist es nicht getan - es braucht strukturelle Massnahmen, um die Schweizer Landwirtschaft zu unterstützen.

von Edith Lanfranconi-Laube, Grossstadträtin Grüne, Luzern

Knapp zwanzig Personen kamen Ende November im Diebold-Schilling-Hof in Luzern zusammen, um über das Verhältnis der Grünen zur Landwirtschaft zu debattieren. Der Hof der Familie Fassbind, wo bis vor kurzem «Schlafen im Stroh» angeboten wurde, war ein idealer Ort, um sich dieser Thematik anzunehmen, nicht zuletzt weil man sich bei den winterlichen Temperaturen im nicht zentralgeheizten Raum mit Wolldecken und Tee behelfen musste.

Der Biogärtner Mark Willimann führte mit einem kurzen Input-Referat in die heutige Situation der Landwirtschaft ein. Die Situation vor Ort muss immer auch im Zusammenhang mit der globalen Situation gesehen werden: Anhand von Bundrüebli, an deren Frische und Geschmack sich die Anwesenden erfreuten, erklärte Mark die komplexe und vielfältige Materie exemplarisch. Zum Beispiel, dass selbst in Biobetrieben zu 90 % dieselbe Sorte Rüebli produziert wird oder dass vor fünfzehn Jahren der Rüebli-Engros-Preis noch Fr. 1.90 betrug und heute zeitweise unter einen Franken sinkt. Die Wertschöpfung im Gemüsebau ist trotz Mechanisierung sehr gering.

Lösungsansätze
In der anschliessenden Diskussion wurden diverse Lösungsansätze diskutiert - von Selbsthilfeaktionen (z.B. regionale Vermarktung, Konsumenten-Produzenten-Gemeinschaften oder einheimische Produkte für Schulen) bis zu strukturellen Massnahmen. Dazu gehören die Aufrechterhaltung des Importschutzes, die Besteuerung von Energie statt Arbeit, Massnahmen zum Erhalt der Diversität und anderes. Konkret können wir Grünen solche Massnahmen im «Beirat Luzerner Landwirtschaft» unterstützen.

Es wurde an diesem Abend klar: Es ist notwendig, das Thema Landwirtschaft wieder mehr ins Bewusstsein der Grünen zu rücken. Es gibt zwar in der Schweiz eine Partei, die das Thema besetzt, aber ob die in die richtige Richtung steuert, muss bezweifelt werden. Wenn wir die Entwicklung zu immer mehr Industrialisierung und weltweiten Monokulturen stoppen wollen, müssen wir aktiver werden - auch damit wir weiterhin feine Rüebli geniessen können.

Das nächste Palaver findet am 26. Mai 2008 im Sentitreff Luzern statt.
Thema: Suffizienz - Wandel statt Wachstum.