Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2008

Gegen Kampfjetlärm

Archiv: 24. Januar 2008

Am 24. Februar befinden die Schweizer Stimmberechtigten über die Volksinitiative «Gegen Kampfjetlärm in Tourismusgebieten». Die vom unermüdlichen Umweltschützer Franz Weber lancierte Initiative verlangt, dass die Bundesverfassung um einen Artikel 74a ergänzt wird, der besagt: «In touristisch genutzten Erholungsgebieten dürfen in Friedenszeiten keine militärischen Übungen mit Kampfjets durchgeführt werden.»

von Raphael Fischer, Mitglied kantonaler Vorstand, Luzern

Die Schweizer Luftwaffe besitzt heute 87 Kampfjets (33 F/A- 18 Hornet und 54 F-5 Tiger), die von den drei Militärflugplätzen Payerne, Sion und Meiringen starten. Durch die Konzentration der lauten Flugeinsätze auf das Alpengebiet und den Jura sind die touristischen Erholungsgebiete der Schweiz akut bedroht.

Die üblichen Argumente
Die Gegner der Initiative bemühen die üblichen Argumente: Weil praktisch der ganze Luftraum über dem Mittelland für die Zivilluftfahrt genutzt wird, sei es unvermeidlich, dass Kampfjets im Alpen- und Juragebiet trainieren könnten. Bei Annahme der Initiative sei darum die Luftwaffe insgesamt in Frage gestellt, und die Schweiz könnte ihren Luftraum nicht mehr sichern. Dadurch gingen auch viele Arbeitsplätze in strukturschwachen Randregionen verloren. Mit den Motiven «Sicherheit» und «Arbeitsplätze» soll also einmal mehr ein berechtigtes Anliegen diskussionslos versenkt werden.

Dem ist entgegenzuhalten, dass die Initiative umwelt- und nicht militärpolitisch motiviert ist. Nicht die Luftwaffe steht im Zentrum des Begehrens, sondern die durch sie verursachte Lärmbelastung. Und: Auch die heutige Situation gefährdet Arbeitsplätze, denn die Lärmbelästigung hat in manchen Regionen messbar negative Auswirkungen auf den Tourismus. Insbesondere im östlichen Berner Oberland ist die Situation kritisch. Anwohner wie Touristen beklagen sich immer häufiger über den unerträglichen Lärm der Kampfjets, die täglich über ihre Köpfe donnern.

Einmalige Landschaft - mit Militärflugplatz in der Nähe
2001 wurde das Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn-Gebiet in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen. Begründet wurde dies damit, dass die Region durch aussergewöhnliche Schönheit ebenso gekennzeichnet ist wie durch zahlreiche Zeugnisse der zurückliegenden Eiszeiten. Mit der Sukzession und Walddynamik in den Vorfeldern der Gletscher besitzt das Gebiet spannende Beispiele für ökologische Prozesse. Mediterran geprägte Felsensteppen, jahrhundertealte Kulturlandschaften und hochalpine Ökosysteme bestehen nebeneinander und sind die Heimat vieler seltener Pflanzen- und Tierarten.

Damals hiess es, das «friedliche Miteinander von Mensch und Natur» könnte dem Tourismus neue Impulse verleihen. Der Schutz der Natur biete auch den Menschen dieser Region neue Chancen. Es ist daher unverständlich, dass ausgerechnet in Meiringen immer mehr Kampfjets starten, die das Naturschutzgebiet mit ohrenbetäubendem Lärm überfliegen. Mit der Annahme der Initiative könnte dieser Widerspruch korrigiert werden. Bund und Schweizer Armee wären gezwungen, nochmals über die Bücher zu gehen.

Abstimmungsparole
Volksinitiative «gegen Kampfjetlärm in Tourismusgebieten»: JA