Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2005

Mobilität anders denken

Archiv: 31. Mai 2005

Das Aggloprogramm schreibt eine verfehlte Verkehrspolitik fort. Der Vorstand des städtischen GB sagt Nein dazu. Eine nachhaltige Mobilitätsform ist dringend nötig.

Medienmitteilung Grünes Bündnis Stadt Luzern

Das vom Kanton Ende Februar vorgestellte Aggloprogramm will vorab mit neuen Strassen (zwei Drittel der Gesamtkosten von 2,6 Mia. sind dafür vorgesehen) die Verkehrsprobleme in Stadt und Agglomeration Luzern lösen. Allein der Bypass (A2-Umfahrung) soll über eine Milliarde Franken kosten. Für die Förderung des öffentlichen Verkehrs sollen dagegen nur 800 Millionen Franken ausgegeben werden, obwohl hier viel dringendere Aufgaben warten.

Damit nimmt das Aggloprogramm das Wachstum des motorisierten Privatverkehrs als naturgegeben hin und fördert es erst noch mit dem Bau neuer Strassen. In Städten und Agglomerationen ist der öffentliche Verkehr die sinnvollere Mobilitätsform. Der motorisierte Privatverkehr ist in engen topografischen Verhältnissen wie der Stadt Luzern und den Agglomerationsgemeinden zu begrenzen, was ökologisch Sinn macht und die Lebensqualität steigert. Ebenso wird es damit möglich, die fortschreitende Zersiedelung aufzuhalten. Das kann nur mit einer nachhaltigen Mobilitätsform erreicht werden. So sind etwa Massnahmen wie die Tieferlegung der Zentralbahn sinnvoll. Doch dabei darf es nicht bleiben. Für die Förderung des öffentlichen Verkehrs braucht es mehr.

Zurecht betonen die BefürworterInnen des Aggloprogramms, man könne öffentlichen und privaten Verkehr nicht gegeneinander ausspielen. Doch indem sie einseitig der Nachfrage nach mehr Strassen nachgeben, tun sie genau das. Der öffentliche Verkehr gerät jedoch nicht nur durch eine ungenügende finanzielle Förderung ins Hintertreffen. So fehlt im Aggloprogramm ein an Schienen gebundener und damit effizienter Anschluss von Kriens. Die Zusicherungen für eine Entlastung Luzerns sind im Gegensatz zum Bau neuer Strassen unbestimmt und vage. Busspuren auf Seebrücke und Schweizerhofquai sollen möglich werden; wer garantiert jedoch, dass sie auch tatsächlich eingerichtet werden? Und wer garantiert dafür, dass ein zusammenhängendes und sicheres Velowegnetz entsteht? Und warum soll das Road Pricing bloss «denkbar» sein?

Das GB der Stadt Luzern hat des öftern auf mögliche Formen eines andern Mobilitätskonzepts hingewiesen und immer wieder entsprechende Vorstösse gemacht. Kurzfristige Massnahmen wie weitere Pförtneranlagen, Optimierung des Busnetzes im Sinne von Agglomobil, Parkplatzbewirtschaftung in allen Einkaufszentren der Agglomeration, Vervollständigung des Velowegnetzes und andere mehr sind auch ohne strassenbaulastiges Aggloprogramm möglich. Mittel- und langfristig müssen Road Pricing, Einrichtung von weiteren Busspuren, Stadtbahn (inkl. Anschluss von Kriens) und andere mehr dazu kommen.

Letztlich stellt sich die Frage, in welche Richtung sich Stadt und Agglomeration entwickeln wollen. Das Aggloprogramm setzt die Gewichte einseitig auf den motorisierten Privatverkehr und damit auf eine Form von Mobilität, die weder nachhaltig noch zukunftsorientiert ist. Das GB unterstützt Massnahmen auf nationaler (z. B. CO2-Abgabe und Treibstoffzollgelder für den öV), kantonaler (z. B. S-Bahn) und lokaler Ebene (z. B. mehr Busspuren), die auf die Förderung des öffentlichen Verkehrs ausgerichtet sind, und fordert griffige Massnahmen, welche den motorisierten Privatverkehr in Stadt und Agglomeration eindämmen.