Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2005

Zur Frage Jugendarbeitslosigkeit

Archiv: 8. März 2005

Viele junge Menschen stehen heute ohne Arbeit, mit zu wenig Geld und ohne Anerkennung da. Was für eine Zukunft erwartet sie bei einem solchen Start ins Berufsleben? Können sie den Anschluss wieder herstellen oder blüht ihnen Langzeitarbeitslosigkeit, der Verlust von Zukunftsperspektiven und Armut?

von Louis Schelbert, GB-Grossrat Luzern

Immer mehr zeigt sich, dass Jugendliche und junge Erwachsene in überdurchschnittlichem Masse von konjunkturellen Entwicklungen betroffen sind. Sie sind als erste und am stärksten von Erwerbslosigkeit betroffen. Auch wenn sich die Arbeitslosenquote bei intakter Wirtschaftslage wieder zurückbildet, bleibt das Grundproblem bestehen. In der nächsten wirtschaftlichen Abschwungsphase dreht sich die Spirale von neuen.

Die Absagen von Unternehmen an junge Leute enthalten immer wieder die gleichen Gründe: zu jung, zu wenig Berufserfahrung, mangelnder Wille junge Menschen an einen Beruf heranzuführen, Schulnoten als Element der Auslese, unrentable Ausbildung. Vor allem Schul- und LehrabgängerInnen mit mässigen Zeugnissen bekommen kaum Angebote. Ihnen bleibt oft nur schlecht bezahlte Arbeit zu schlechten Arbeitsbedingungen: Schichtarbeit, Temporärarbeit, Arbeit auf Abruf - oder gar keine Arbeit, der Gang aufs Sozialamt.

Das ist für die jungen Menschen schlimm, für die Wirtschaft ungünstig und gesellschaftlich belastend. Denn die sozialpolitischen Folgen von Jugendarbeitslosigkeit sind schwerwiegend. Im Laufe der zeit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Langzeitarbeitslosigkeit und später die Abhängigkeit von Sozialhilfe. Die jungen Leute verlieren die Lebensperspektive, wenn sie denn schon eine hatten, es droht lebenslange Armut. Daraus ergeben sich Nachteile beim Wohnen, in der Gesundheit usw. Haben sie Familie, leidet auch diese: Heute ist jedes zehnte Kind in der Schweiz von Armut betroffen. Es ist bekannt, dass Armut die Entwicklungschancen von Kindern behindert, sie sogar verhindert. Wo bleiben ihre Bildungschancen?

Politik und Wirtschaft machen heute nicht nichts. Es gibt Brückenangebote, arbeitsmarktliche Massnahmen, auch entgegenkommende Unternehmer und Personalchefs. Aber das genügt nicht, um Arbeitsplätze für die Jungen nachhaltig zu sichern. Von Wirtschaft und Politik erwarten wir Sonderanstrengungen, verstärkte Anreize für Unternehmen zum Anbieten von mehr Praktika, wir fordern mehr Lehrstellen, mehr Einsteigerjobs und mehr Aus- und Weiterbildungsarbeit. Es braucht den Willen und das Engagement der Wirtschaft, für junge Menschen genügend Arbeitsstellen anzubieten ‐ auch antizyklisch. Das heisst auch, dass die privaten Unternehmen nicht einfach und vor allem in bereits qualifizierte Mitarbeitende investieren, sondern dass sie alle mitnehmen. Die private Wirtschaft hat auch eine soziale Verantwortung. Daran muss sie sich erinnern.

Dabei kann und muss der Kanton, muss die öffentliche Hand ‐ also auch die Gemeinden - mit dem guten Beispiel vorangehen. Auch Kanton und Gemeinden machen heute nicht nichts, aber sie können und müssen mehr tun. Dann kann es gelingen, dass alle jungen Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl ins berufliche Leben einsteigen, zuversichtlich sind statt von Zukunftsängsten geplagt werden. Arabeit ist Anerkennung, Lebenssinn, Verdienst, Rentensicherung. An ihr hängt in unserer Gesellschaft viel, wahrscheinlich zu viel.

Verbessern wir die aktuelle Lage zu überweisen. Wir tun damit den jungen Menschen, der Gesellschaft und nicht zuletzt uns selbst einen Gefallen.