Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2002

Ein zweites Kindergartenjahr für Quartiere mit vielen fremdsprachigen Kindern?

Archiv: 21. November 2002

Im September 1999 wurde im Grossen Stadtrat eine SP/GB-Motion mit dem Titel "Freiwilliges zweites Kindergartenjahr" behandelt. Die Fraktionen waren mit der Stossrichtung der Motion grösstenteils einverstanden. Der Besuch des Kindergartens während zwei Jahren für fremdsprachige Kinder sei der Integration förderlich.

Dringliche Interpellation von Christa Stocker, Grossstadträtin, Luzern und Ruedi Schmidig, Grossstadtrat, Luzern namens der GB-Fraktion

Trotzdem wurde die flächendeckende Einführung des zweiten Kindergartenjahres von bürgerlicher Seite mit finanzpolitischen Gründen bekämpft. Die angespannte Finanzlage der Stadt lasse dies nicht zu. Die Vorortsgemeinden würden ein solches Vorgehen nicht verstehen. Die Verhandlungen über die zentralörtlichen Leistungen würden erschwert. Es sei aber eine Teilerfüllung der Motion in Bezug auf die Ausländerkinder zu einem späteren Zeitpunkt zu prüfen.

Die finanzpolitischen Argumente können heute wohl nicht mehr ins Feld geführt werden. Das Parlament respektive genau diejenigen Parteien, die damals mit der schlechten finanziellen Situation der Stadt Luzern argumentiert haben, setzen sich heute für Steuersenkungen in der Stadt Luzern ein. Auch die Vorbehalte, dass die Agglomerationsgemeinden bei gleichzeitig sinkenden Steuern nicht mehr über die Abgeltung von zentralörtlichen Leistungen mit sich reden lassen würden, fruchteten nicht.

Die Stadt Luzern steht zurzeit mit der Katholischen Kirchgemeinde in Verhandlung, um ein Lokal im Kirchgemeindehaus St. Karli zuzumieten. Im Quartier weckt dies die Hoffnung, dass der Wunsch nach einem zweiten Kindergartenjahr Wirklichkeit wird. Es wird aber auch davon gesprochen, dass der bestehende Kindergarten im St.-Karli-Schulhaus allenfalls ausgelagert werden soll, das neue Lokal also bloss Ersatz sein wird.

In diesem Zusammenhang stellen wir dem Stadtrat die folgenden Fragen:
  • Ist der Stadtrat nach wie vor der Ansicht, dass die Sprachkompetenz der fremdsprachigen Kinder bei einem zweijährigen Kindergartenbesuch gefördert werden könnte?
  • Ist der Stadtrat der Ansicht, dass sich die ablehnende Haltung zu einem zweiten Kindergartenjahr mit der Begründung, die "... angespannte Finanzlage der Stadt und deren Bestrebungen, von den Agglomerationsgemeinden Abgeltungen für die zentralörtlichen Leistungen zu erhalten ....", heute nicht mehr aufrechterhalten lässt?
  • Teilt der Stadtrat die Meinung der Arbeitsgruppe "Interkulturelle Gesellschaft ‐ Konsequenzen für die Schule" zum Thema Integration, welche in ihrem Bericht vom 7. Juli 2000 klare und deutliche Aussagen macht: "Dem Aspekt der sprachlichen Verständigung kommt erstrangige Bedeutung zu"?
  • Würde es der Stadtrat ebenfalls bedauern, wenn der bestehende Kindergarten ausgelagert würde, obwohl der Schulhausplatz vor Jahresfrist, insbesondere im Bereiche des Kindergartens, kindergerecht umgestaltet worden ist?
  • Beabsichtigt der Stadtrat, das Angebot der Katholischen Kirchgemeinde zu nützen und in diesem neuen Lokal einen zusätzlichen Kindergarten für das sich durch einen hohen Anteil an fremdsprachigen Kindern auszeichnende Quartier St. Karli einzurichten und mit der Möglichkeit zum zweijährigen Kindergartenbesuch eine konkrete Umsetzung des stadträtlichen Hauptzieles "Integration" der Planungsperiode 2002‐2005 zu leisten?