Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2002

Es geht um das Selbstbestimmungsrecht der Frauen

Archiv: 1. April 2002

Der Schwangerschaftsabbruch ist eine ganz intime und persönliche Frage. Die Frauen sollen sie künftig in eigener Verantwortung entscheiden können. Mit der Annahme der Gesetzesänderungen zum Schwangerschaftsabbruch und der Ablehnung der Initiative "für Mutter und Kind" wird das möglich.

von Cécile Bühlmann, Nationalrätin GB

Bei der Frage des Schwangerschaftsabbruches handelt es sich wie wohl bei kaum einer anderen Frage um eine der intimsten, privatesten und persönlichsten im Leben einer Frau. Der Entscheid für oder gegen den Abbruch tangiert die Interessen und die Lebensumstände der betroffenen Frau in einer so langfristigen und verbindlichen Weise, dass dieser Entscheid nur von dieser gefällt und verantwortet werden kann. Das entspricht meinem Verständnis von Autonomie und Selbstbestimmung erwachsener Menschen und unterscheidet sich diametral vom anmassenden Anspruch jener Milieus, die meinen, ihre Weltanschauung in diesem intimsten aller Bereiche menschlichen Lebens allen anderen aufzwingen zu können, ohne die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen.

Frauen sind mündige Menschen
Deshalb habe ich auch so Mühe mit der Haltung der CVP, die meint, die Frauen bei diesem Entscheid durch eine Zwangsberatung bevormunden zu müssen, wie wenn diese entscheidungsunfähige und hilfsbedürftige Wesen wären, die Nachhilfe nötig hätten.

Aber noch schlimmer als bei der CVP schimmert diese Haltung bei den reaktionären Milieus der sogenannten "Lebensschützer" durch. Mit der frauenverachtenden Initiative unter dem beschönigenden Titel "Für Mutter und Kind" entlarven sie ihre wahren Absichten in zynischster Art und Weise: selbst vergewaltigte Frauen sollen zum Austragen eines Embryos gezwungen werden. Die Würde und Integrität einer erwachsenen Frau werden zu Gunsten der angeblichen Interessen eines Embryos aufs Tiefste verletzt. Das ist frauenfeindliche Ideologie pur, vertreten von selbsternannten SittenwächterInnen, die Frauen zu empfindungslosen Gebärmaschinen degradieren. Eine Ungeheuerlichkeit ohnegleichen!

Die Interessen eines Embryos können nie gegen die Interessen der Schwangeren durchgesetzt oder losgelöst von dieser betrachtet werden. Nur in der symbiotischen Beziehung zur Frau überhaupt ist ein Fötus lebensfähig. Deshalb ist der Versuch, den Fötus als eigene Rechtspersönlichkeit der Rechtspersönlichkeit der erwachsenen Frau entgegenzusetzen, also die Einheit aufspalten zu wollen, völlig verfehlt.

Die Fixierung vieler Männer auf den Embryo und den angeblichen Schutz desselben ist nichts anderes, als eine Bevormundung und Geringschätzung der Frauen und eine Absage an das Selbstbestimmungsrecht derselben, Ausdruck einer zutiefst patriarchalen, frauenfeindlichen Haltung. Über den Einfluss auf den Entscheid, eine Schwangerschaft auszutragen zu müssen, wird Macht ausgeübt und versucht, die Autonomie der Frauen zu brechen.


Fristenregelung, eine Kompromissvorlage
Mit der vorliegenden Fristenregelungsvorlage ist ein mehrheitsfähiger Kompromiss gefunden worden, der diesem Ansinnen endlich einen Riegel schiebt. Deshalb werde ich und meine Partei diesen Kompromiss mittragen und unterstützen, obwohl wir uns auch noch weitergehende Lösungen hätten vorstellen können. Aber um diese endlose Geschichte endlich zu einem vernünftigen Ende zu bringen, werden wir uns im Abstimmungskampf sehr stark für die Fristenlregelung und dezidiert gegen die Initiative für Mutter und Kind" einsetzen. Es geht um die Selbstbestimmung der Frauen.