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Archiv der Kategorie ‘Leserbriefe‘


Keine Zensur mehr für die Variante Autoverlad während Gotthardsanierung

Montag, den 2. März 2015, von Monique Frey

Leserbrief von Monique Frey, Kantonsrätin Grüne, Emmen, zum NLZ-Artikel (28.2., Seite 3): Viele Wege führen auf die Schiene

Endlich findet die Lösung des Autoverlads während der Sanierung des Gotthardstrassentunnels diese positive Resonanz in der Zeitung. Die Rollende Landstrasse ist nicht die alte Fasnacht, sondern wurde bis heute von den Entscheidungsträgern in Bundesbern einfach unter den Tisch gewischt. Diese Zensur übten auch viele Medien aus. Zusammen wollen sie eine superteure zweite Röhrenvariante. Ich will aber eine für die Schweiz angepasste Lösung vorantreiben, welche dort Geld einsetzt, wo die Verkehrsprobleme wirklich vorhanden sind. Mit einem Bruchteil der Kosten einer zweiten Röhre kann man in den Dörfern und Städten Verkehrsberuhigungsmassnahmen umsetzen, die mehr als 100 Menschen pro Jahr vor dem Verkehrstod bewahren. Die wirklichen Verkehrsprobleme haben wir in Luzern, und diese würden mit einer zweiten Röhre durch den zu erwartenden Mehrverkehr noch zunehmen. Zudem ist eine zweite Röhre erst in 20 Jahren betriebsbereit. Wieso so lange auf Sicherheitsmassnahmen verzichten? Mit einer Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schienen, ab nächstem Jahr ist die NEAT in Betrieb, absenkbaren Leitplanken im Tunnel und technischen Verbesserungen an den Fahrzeugen (Spurhalteassistent, Selbstlenkung) ist ein Tunnel im Gegenverkehr betreibbar. Deshalb unterstütze ich das Referendum gegen den 2. Gotthardtunnel und bin für die Sanierung kombiniert mit einem Auto- und LKW Verlad. Unsere Bahnbetriebe haben darin jahrzehntelange Erfahrungen, betreibt die BLS doch den Autoverlad durch den Lötschberg als einzige “direkte” Strassenverbindung vom Wallis ins Mittelland.

Nein zur SVP-Initiative

Montag, den 23. Februar 2015, von Sekretariat Grüne Luzern

Leserbrief von Alain Greter, Vorstand Grüne Stadt Luzern, zum Artikel “Luzerner Stadträte an die Spitze gerückt” (NLZ vom 19. Februar 2015).

Ich habe kein Verständnis und Null Sympathie für die SVP-­Initiative „200’000 Franken sind genug“, welche die Löhne der Luzerner Stadträte kürzen will. Bei einer Annahme würden einzelne Spitzenbeamte mehr verdienen als ein Stadtrat.

Als Mitglied einer Exekutive ist man eine öffentliche Person und muss auch sehr viele Termine ausserhalb der Bürozeiten wahrnehmen, sei es abends oder am Wochenende. Ich will als Bürger und Steuerzahler möglichst gute Exekutivmitglieder und nicht möglichst günstige.

Nicht noch mehr vom Gleichen!

Montag, den 23. Februar 2015, von Luzius Hafen

Leserbrief zur Abstimmung über den Vorvertrag Verkauf Herdschwand:

Im Moment wird in Emmen gebaut wie wild. Projekte wie die Feldbreite, die eigentlich über zehn bis zwanzig Jahre hätten realisiert werden sollen, werden auf einen Schlag umgesetzt. Das führt nicht nur dazu, dass der Ausbau der Infrastruktur hinterherhinkt. Sondern es führt dazu, dass gewisse Infrastruktur Einrichtungen kurzfristig und vorübergehend aufgeblasen werden müssen, anstatt dass sie kontinuierlich ausgelastet werden könnten. Zum Beispiel Schulhäuser. Es ist unverständlich, dass die Gemeinde diesen Trend mit dem Verkauf der Herdschwand noch anheizen will. So unverständlich wie die Absicht, mit Landverkauf Löcher in der laufenden Rechnung zu stopfen. Für einige Jahre besteht noch eine Nachfrage für die Zwischennutzung der Herdschwand als Betagtenzentrum. Ich werde deshalb Nein stimmen zum Verkauf der Herdschwand am 8. März.

Für ein massvolles Leben und für eine Wachstumsrücknahme

Montag, den 16. Februar 2015, von Alain Greter

Leserbrief von Alain Greter, Kantonsrat Grüne 2007 bis 2013

Für die Energiewende reichen Effizienzmassnahmen nicht aus. Wir müssen zudem sowohl die Masslosigkeit als auch den Wachstumswahn zurückfahren. Dies habe ich in den letzten Wochen an zwei simplen Beispielen festgestellt.

Ich musste mein altes, rund zwanzigjähriges Telefon ersetzen. Beim Kauf des neuen Apparates habe ich wohl ein energieeffizientes Modell ausgewählt. Weil mein bisheriges Telefon aber gar keinen Strom benötigte, ist mein Stromverbrauch trotzdem gestiegen. Dafür besitzt des neue Telefon alle möglichen und unmöglichen resp. unnötigen Funktionen, auf die ich problemlos und gerne verzichten könnte.

Kurz darauf habe ich mich für ein neues Angebot eines Telefonanbieters mit Glasfaseranschluss entschieden. Leider wurde beim Abschluss nicht darauf hingewiesen, dass der Router nun tagsüber ununterbrochen eingeschaltet sein muss. Auch hier steigt mein Stromverbrauch, weil ich den alten Router nur bei Bedarf einschalten konnte.

Für ein massvolles Leben und für eine Wachstumsrücknahme setzen sich nur die Grünen und Jungen Grünen glaubhaft ein. So wollen sie zum Beispiel einen Wohlfahrtsindex einführen. Dieser bildet nicht mehr allein die Quantität der Wirtschaftsleistung ab, sondern berücksichtigt in gleichem Masse auch die Umwelt- und Lebensqualität. Deshalb wähle ich Michael Töngi und Irina Studhalter in den Regierungsrat.

Der Kanton Luzern braucht Zukunft – und nicht eine rein rechtsbürgerliche Regierung

Donnerstag, den 29. Januar 2015, von Louis Schelbert

Leserbrief von Louis Schelbert, Nationalrat Grüne, Luzern

Der Kanton Luzern steckt finanzpolitisch in der Klemme. So sehr, dass an Institutionen behinderter Menschen gespart wird, der öffentliche Verkehr zurückgefahren und der Zugang zu den Gerichten erschwert wird. Die Liste liesse sich verlängern. Neue Projekte kann der Kanton kaum noch selber finanzieren. Eigene Investitionen drohen zwischen Stuhl und Bank zu geraten.

Der Grund für die Misere sind die übertriebenen Steuersenkungen für Unternehmen und Vermögende in den letzten Jahren. Seither dreht sich die politische Diskussion vor allem um das Abbauen von staatlichen Leistungen und das Überwälzen von Kosten. Klar, dass dies die weniger gut Betuchten am meisten trifft. Kaum noch ein Blick nach vorne. Wird das Gestalten von Zukunft zum Tabuthema?

Die Verantwortung für diesen Zustand des Kantons tragen rechtsbürgerliche Kreise. Und nun wollen sie noch eine rein rechtsbürgerliche Regierung. Das hiesse, den Teufel mit Beelzebub austreiben.

Das Gegenteil ist nötig: Michael Töngi und Felicitas Zopfi gehören in die Regierung. Sie sollen von dort aus die Negativspirale stoppen. Die Interessen breiter Bevölkerungsschichten werden heute nur ungenügend wahrgenommen, das würde zum Beispiel die grüne Volksinitiative „Ergänzungsleistungen für Familien“ verbessern. Der ganze Kanton braucht Zukunft.

Interessenvertretung oder Vetternwirtschaft?

Montag, den 24. November 2014, von Alain Greter

Leserbrief von Alain Greter, Vorstand Grüne Stadt Luzern, zum Uni-Gesetz-Artikel „Brauchen keinen Auswärtigen“, Neue-Luzerner-Zeitung-Ausgabe vom 22. November 2014

Auffällig viele Wirtschaftsvertreter weibeln für ein Ja zur neuen Wirtschaftsfakultät. Das ist legitim, weil Interessenvertretung zur Schweizer Demokratie gehört. Ein Universitätsgesetz sollte aber in erster Linie etwas mit dem Bildungsangebot zu tun haben und nicht mit der lokalen Wirtschaft. Die Ja-Kampagne hat einen faden Beigeschmack von Vetternwirtschaft.

Problematisch ist das starke Engagement der Wirtschaftselite auch aus einem anderen Grund. Die Schweiz ist eines der wenigen westlichen Länder, das keine Regeln zur Finanzierung von Parteien oder Abstimmungskampagnen kennt. Bei dieser kantonalen Abstimmung fällt das krasse Ungleichgewicht der verwendeten Mitttel auf. Den Befürwortern scheinen unbeschränkt finanzielle Mittel zur Verfügung zu stehen.

Luzern braucht keine KMU-orientierte Wirtschaftsfakultät. Die Universität ist nämlich „eine Stätte der kritischen Reflexion, der Forschung, der Kultur und des […] Erinnerns“. So steht es im Planungsbericht über die Hochschulentwicklung von 2012.

Die Fachhochschulen hingegen zeichnen sich durch praxisorientierte Studiengänge aus. Sie bereiten „Berufsleute auf Kaderstellen in Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Verwaltung vor“. Die geplante Wirtschaftsfakultät an der Uni will das gleiche und ist damit eine Konkurrenz zur erfolgreichen Hochschule Luzern – Wirtschaft.

Einige Herren beanspruchen für sich ein Stück des Kuchens, der ihnen gar nicht zusteht. Ich bin für die Uni Luzern – aber ohne eine ausschliesslich von der Wirtschaft finanzierten, praxisorientierten Wirtschaftsfakultät. Eine solche ist an der Uni fehl am Platz – deshalb sage ich Nein zum Universitätsgesetz.

Von Klimaerwärmung, CO2 Abgaben und der 2. Gotthardröhre

Freitag, den 11. April 2014, von Edith Lanfranconi

Der Bericht “CH2014-Impacts“, an dem 20 Forschungsteams zusammengearbeitet haben (siehe NLZ vom 14. März), zeigt die Folgen des Klimawandels für die Schweiz unmissverständlich auf: Es wird heiss in der Schweiz – mit Auswirkungen auf Gletscherschmelze, Grundwasser und Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen; mit verheerenden Folgen wie Verschlechterung der Trinkwasserqualität, zusätzlichen Lawinen und Steinschlag, Überschwemmungen und nicht zuletzt schlechteren Bedingungen für den Wintersport.

Radikale Massnahmen gegen die Klimaerwärmung, das heisst gegen den Treibhausgasausstoss, sind dringend notwendig. Diese Tatsache scheint eigentlich allen klar zu sein, auch die FDP fordert die Verankerung einer “echten” CO2-Lenkungsabgabe in der Verfassung, um die CO2 Emissionen zu reduzieren (siehe NLZ vom 4. April).

Doch wieso setzt sich gleichzeitig eine Mehrheit der Bürgerlichen für den Bau einer 2. Strassenröhre am Gotthard ein, wie dies im Ständeratsentscheid vom 20.03.2014 zum Ausdruck kommt? Mit der zweiten Röhre wird die Kapazität für die Strasse ausgebaut, was zwangsläufig zu mehr Verkehr führt und den CO2 Ausstoss erhöht, anstatt ihn zu reduzieren. Es ist zudem erwiesen, dass die Bahn viel umweltfreundlicher und energieeffizienter transportiert als Lastwagen.

Solange wir nicht umdenken und weiterhin dem vermeintlichen Wohltäter Wachstum huldigen, für alles immer die billigste Lösung suchen und damit sinnlose Lastwagen-Transporte fördern, solange bleibt es wohl eine Illusion, dass wir Treibhausgase wirklich reduzieren und Energie sparen können. Die düsteren Prognosen der oben genannten Forschungsteams werden Realität werden – nicht erst für unsere Kinder und Grosskinder.

Edith Lanfranconi-Laube, Vorstand Grüne Kanton

Von der NLZ wurde eine Veröffentlichung des Leserbriefs abgelehnt.

Offener Brief zum Konkurs der Firma Edupreneurs AG

Freitag, den 4. April 2014, von Monique Frey

Sehr geehrter Herr Regierungsrat Wyss, lieber Reto

Erstaunt lesen wir heute Morgen in der Zeitung, dass die Firma Edupreneurs AG Konkurs angemeldet hat. Noch erstaunter sind wir, dass wir das aus der Zeitung erfahren müssen. So kurz vor der Abstimmung zum Stipendiengesetz, hätten wir eine proaktive Informationspolitik des Bildungs- und Kulturdepartements, bzw. dessen Vorstehers erwartet. Denn die Firma Edupreneurs AG wird in der Botschaft 75 zum neuen Gesetz über Ausbildungsbeiträge (Stipendiengesetz) explizit als die Organisation erwähnt, mit welcher der Kanton eine Zusammenarbeit plant und eine Leistungsvereinbarung (§4 im Gesetz) abschliessen will. Und über dieses Gesetz stimmen die Luzerner StimmbürgerInnen am 18. Mai ab, dank einem Referendum der Jungen Grünen, Grünen und Juso.

StipGesWebFront

Da eine dringliche Anfrage erst an der nächsten Kantonsratssession, also nach der Abstimmung beantwortet wird, möchten wir mittels offenen Briefs verschiedene Fragen zum aktuellen Stand stellen:

  1. Seit wann war der Kanton über die finanziellen Schwierigkeiten von der Firma Edupreneurs AG informiert?
  2. Ist der Kanton Luzern bereits eine Vereinbarung oder eine ähnliche Zusammenarbeitsform mit der Firma Edupreneurs AG oder mit dem Verein studienaktie.org eingegangen?
  3. Hat der Kanton Luzern über eine der beiden Organisationen bereits Gelder für Darlehen oder Stipendien vermittelt?
  4. Hat der Kanton Luzern in einer anderen Art und Weise Geld in eine der beiden Organisationen investiert? Wenn ja, wieviel und in welchem Schuldenrang ist der Kanton? Wird er das Geld in Folge des Konkurses verlieren?
  5. Da die Firma Edupreuneurs AG Konkurs ist, wird die Auslagerung von Teilen der Dienstleistungen des Stipendienwesens wohl vorerst nicht erfolgen. Wer wird nun die Gesuchsstellenden der Tertiär- und Weiterbildungsstufe betreuen?
  6. Wird der Kanton für diese Betreuung wieder auf Organisationen des privaten Rechtes zurückgreifen?
  7. Wird er diese Dienstleistung öffentlich ausschreiben?
  8. Heute betreut der Kanton die Gesuche alle selbstständig. Wenn er dies weiter tut, wie viele zusätzliche Stellen müssten geschaffen werden?
  9. Wenn er diese Dienstleistung auslagert, wie viele kantonale Angestellte, die heute im Stipendienwesen arbeiten, würden ihre Stellen verlieren?
  10. Die Zusammenarbeit mit Dritten im Stipendienwesen, einerseits für die Erbringung von Beratungsdienstleistungen, sowie für die Unterstützung mit privaten Stipendien und Darlehen ist einzigartig in der Schweiz. Das System wird auch von der Interkantonalen Vereinbarung zur Harmonisierung von Ausbildungsbeiträgen (Stipendienkonkordat) nicht übernommen. Ist es nun nicht Zeit, die ganze Übung abzubrechen?
  11. Wäre es möglich die Abstimmung über das Stipendiengesetz zu sistieren?

Da diese Fragen für die Stimmbevölkerung im Zusammenhang mit der Abstimmung zum Stipendiengesetz vom 18. Mai entscheidend sind, möchten wir Sie bitten, diese noch vor dem Versand der Stimmrechtsunterlagen zu beantworten.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Monique Frey
Vorstandsmitglied
Kantonsrätin Grüne

Gian Waldvogel
Vorstandsmitglied
Referendumskomitee

ZHB: Eine Chance wird vertan

Montag, den 1. Juli 2013, von Sekretariat Grüne Luzern

Leserbrief von Bernhard Kuonen, Mitglied der Grünen Stadt Luzern.
Anmerkung der Redaktion: Bernhard Kuonens Meinung wird von den Grünen Stadt Luzern nicht geteilt. Diese werden in den nächsten Tagen ihre Initiative zur Rettung der ZHB lancieren.

Rot und grüne Politiker, Heimat- und Denkmalschützer verhindern mit fadenscheinigen Argumenten, dass das Kulturgut “Buch” in Luzern endlich eine würdige und funktionale Bleibe findet. Der Widerstand gegen einen Neubau einer neuen Kantonsbibliothek ist irrational. Die Gründe, die gegen einen Abriss der in die Jahre gekommenen schmucklosen ZHB sprechen, sind fadenscheinig.

Der Denk- und Heimatschutz findet immer einen Grund ein Gebäude, das älter als 20 Jahre ist, schützenswert zu finden. Selten stellen sich die meist militanten Repräsentanten dieser Gilde Fragen wie: erfüllen die Gebäude noch ihren angedachten Zweck und ihre Funktionen? Haben alle Menschen Zutritt und können sie barrierefrei nutzen? Geht die Gebäude sparsam mit Energie um? Können sie wirtschaftliche betrieben werden. Alles nicht so wichtig. Hauptsache, irgendeinem berühmten verstorbenen Architekten, sei ein Denkmal gesetzt. (Ganz nebenbei alles Architekten, aber wen interessiert das schon). Rational ist dieser Spezies Mensch nicht beizukommen.

Anders sieht es aus mit den rot grünen Bedenkenträgern und den widerständigen Stadtmütter- und Stadtväter gegen einen Neubau. Mann würde meinen hier sollte rationaler Zugang möglich sein. Die ZHB wird auf drei Seiten von Strassen umfasst. Links- und rechtsseitig hat es Parkplätze. Ein schmuckloser Zugang erschliesst das Gebäude. Die nordseitige Fassade, ein trauriger Anblick. Gegen Süden schliesst ein kleiner “Park” an. Die schmucklose eher triste Rasenfläche, wird romantisiert als “Vögeligärtli” bezeichnet. Sie dient den Gegnerinnen als argumentative Speerspitze gegen einen Neubau der ZHB. Besonders lauschig scheint der Platz offenbar darum zu sein, weil er umrandet wird von parkierten Autos. Zugegeben, Kinder finden im “Vögeligärtli” einen der wenigen Spielplätze in der Innenstadt. Nüchtern betrachtet, steht also ein abgewirtschaftetes Gebäude an einem städtebaulichen interessanten Ort. Es braucht viel Ignoranz, darin nicht eine einmalige gestalterische Chance zu erkennen.

Man stelle sich vor: in einem modernen, zweckmässigen und architektonisch-schmucken Gebäude fände das “Kulturgut” Buch einen würdigen Platz für die nächsten Jahrzehnte. Raum und Atmosphäre ermöglichten wissenschaftliches und kulturelles Schaffen.Menschen könnten alle Räume barrierefrei benutzen. Saubere und effiziente Energie schafft ein behagliches Klima. Der Platz rund um das Gebäude autofrei. Die Grünfläche belebt. Kinder fänden die gewohnten Spielgeräte. Väter und Mütter sässen auf Bänken und sähen einem Wasserspiel zu. Statt der Parkplätze, nette und lauschige Restaurantgärten. Die Vorstellung liesse sich erweitern.

Die unheilige Allianz zwischen Stadtvätern und -müttern, Heimat-und Denkmalschützenden, rot und grünen Stadtneurotikerinnen und -neurotiker wird sich leider durchsetzen wissen und diese einmalige städtebauliche Chance vertun.

BZO: Meine Sicht als Anwohner und als Grüner

Freitag, den 17. Mai 2013, von Sekretariat Grüne Luzern

Als Anwohner des Sternmattquartiers, kann ich nicht verstehen, dass in der „Neustadt“ in Zukunft Hochhäuser stehen sollen. Die Sicht über diesen Teil der Stadt zeigt mir, dass bis heute eine einigermassen intakte Stadtsilhouette besteht. Höchstens Kirchtürme ragen darüber hinaus. Diese in den letzten einhundert Jahren sorgfältig erbauten Quartiere weisen einen hohen Grad an Verdichtung und Einheitlichkeit auf. Da wirken sogenannte „neue Akzente“, sprich Hochhäuser, geradezu zerstörerisch auf das auch historisch gewachsene Neustadtbild.

Als „Grüner“ habe ich grosse Bedenken gegen den Bau von Hochhäusern im bereits dicht besiedelten Raum. Da erwachsen neue Verkehrsprobleme. Im Fall des Steghofhochhauses kann mit der Anbindung an eine eventuelle S-Bahnstation, wie in die BZO verlangt, kaum verhindert werden, dass der Autoverkehr zunimmt. In der Innenstadt sind die Strassen für Busse und Autos schon heute zu Stosszeiten verstopft.

Klar ist, dass wir bezahlbaren Wohnraum benötigen, den die Bevölkerung mit der Annahme der Industriestrasseninitiative und jener „Für zahlbaren Wohnraum“ eindeutig fordert. Aber gerade Hochhäuser werden dazu keinen Beitrag leisten können. Die Erstellungskosten sind so hoch, dass hier kein gemeinnütziger Wohnraum entstehen kann. Dazu ist zu hinterfragen, ob das Wachstum, gerade in einem bereits dicht besiedelten Teil der Stadt, noch stärker gepuscht werden muss. Für mich ist die Antwort eindeutig: Nein!

Machen wir nicht mit, in dem unsäglichen Konkurrenzkampf der Städte, um markante, über alle übrigen Häuser herausragende unschöne „Akzente“.
Den Standort Seeburg lehne ich ab, weil die empfindliche Uferlandschaft zu sehr beeinträchtigt wird. Die Höhe und das Volumen des Hochhauses sind zu gross.

Aus meinen Überlegungen hinaus werde ich sowohl die BZO, wie auch die beiden Hochhausstandorte Steghof und Seeburg ablehnen. Bei einem Nein zur BZO müssen wir nicht von vorne beginnen, sondern es kann eine neue Vorlage ausgearbeitet werden auf der Grundlage der wenig umstrittenen Teile der vorliegenden Botschaft.

Jürg Aebi-Mattmann

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