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Nichts gelernt!

14. August 2011, von Philipp Federer

CVP-Nationalrat Pius Segmüller hat einen politischen Kommentar zu Japan geschrieben. Unter dem Titel „Was uns ‚Japan’ lehrt“ erscheint kein Hinweis zur verfehlten Atompolitik der Schweiz und insbesondere seiner Partei der CVP. Nichts steht zu den unterschätzten Risiken, nichts zur jahrelangen Verharmlosung der eigenen Politik. Nirgends ein Eingeständnis, man habe sich verschätzt mit dem Risikopotential.Artikel von Pius Segmüller auf lu-wahlen

Der Artikel schwächt die Gefahr der radioaktiven Verseuchung ab, indem auf die Verquickung von drei Katastrophen hingewiesen wird. Vollends verklärend ist seine Darstellung, in der Schweiz seien Erdbeben möglich, jedoch keine Tsunami-Wellen von 20-40 Metern Höhe. Eigentlich genügt der Mensch, eine Fehlmanipulation, und das Resultat ist in der Folge gleich.

Der Autor will nichts aus Japan lernen, sondern die Katastrophe bewältigen. Sein Anliegen ist die Katastrophebewältigung und nicht die Katastrophenverhinderung. Segmüller schreibt nicht von Unfällen, sondern von Störfällen. „Ob sie (die Armee-Einsatzkräfte für Störfälle) ausreichen“ ist für ihn die zentrale Frage. Als VR-Präsident der Sicherheitsfirma swissec, könnte der Artikel glatt als PR-Beitrag und Akquisitionsbeitrag durchgehen. “Überhaupt prägt jetzt eine Stimmung die Bevölkerung, die optimal ist, um sie für die Anliegen des Katastrophenschutzes neu zu sensibilisieren.“ Für jeden Sicherheitschef ist das eine gute Gelegenheit davon zu profitieren.

Umdenken? Nein! Ist Herr Segmüller für den Atomausstieg in der Schweiz? Nein. Er fordert einzig eine sorgfältige Überprüfung „auch mit Blick auf Neubauten von Atomkraftwerken.“

Der Beitrag von Pius Segmüller ist unter folgendem Link nachzulesen:

http://www.lu-wahlen.ch/gastbeitraege/pius-segmueller/news/2011/03/23/304-was-uns-japan-lehrt/

2 Reaktionen zu “Nichts gelernt!”

  1. Raffael Fischer

    Der Artikel von Segmüller ist uralt, er schrieb ihn wenige Wochen nach Fukushima. Inzwischen dürfte er doch etwas klüger sein – oder wenigstens als strammer CVP-Soldat die Linie der zur Aussteigerin konvertierten früheren Atompäpstin Leuthard mittragen. Hoffen wir, dass die CVP dabei bleibt. Denn ohne sie wird ein Entscheid im Ständerat nicht möglich sein und die Sache wieder auf Jahre verzögert. Nun redet ja plötzlich niemand mehr von Fukushima, so schnelllebig ist das inzwischen! Lieber Gruss, R.

  2. Philipp Federer

    Uralt ist für mich älter – 2011 ist immer noch das neuste Jahr.
    Die Hoffnung bleibt, dass der Ständerat die AKW-kritische Linie verfolgt.
    Die Sprache der CVP ist keine Sprache der Einsicht, sondern der politischen Opportunität. Dies sage ich nicht nur zu diesem Artikel, sondern generell. Insbesondere sind bei Segmüller die Eigeninteressen immer zuvorderst, auch wenn er sie in eine nebulöse Sicherheit einbettet.
    Ebenfalls liebe Grüsse Ph.

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