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Das neue Wehr zerstört viel und bringt nichts

27. April 2008, von Philipp Federer

Die erste Behauptung haben wir in der Abstimmungszeitung gut dokumentiert, die zweite Behauptung erläutere ich hier.

 

Die Befürworter sehen den Hauptvorteil des geplanten Wehrs in der Kapazitätserhöhung des Abflusses, was die Hochwassergefahr mindere. Bei der Schadenquote 434,45 Meter über Meer wären gemäss S. 8 der Botschaft des Regierungsrates an den Grossen Rat (B16) 425 m3/s anstatt 330m3/s möglich. Dies sind 95m3/s mehr.

 

Kann mit dieser bescheidenen Massnahme das Hochwasser eingedämmt werden? Mit einer einfachen Berechnung kann dies widerlegt werden. 95m3/s zusätzlich sind in einem Tag 95 m3 x 60 x 60 x 24 = 8’208’000 m3 = 8,208 Mio. m3. Das tönt nach viel, ist aber auf den Seepegel gerechnet wenig. 1 cm Seepegelsenkung entspricht genau 1,14 Mio. m3 Wasser. Demzufolge kann der Seepegel um bescheidene 7,2 cm (8,208: 1,14) entlastet werden. Die Befürworter können das Hochwasser aber mit weniger als 7,2 cm mindern, weil ihre Rechnung auf der hohen Seespiegelhöhe von 434,45 m ü. M. basiert. Zudem wollen sie das Wehr gemäss Wehrmanagement (neues Reglement) erst bei 434,00 voll öffnen.

 

Im Praxistest Hochwasser 05 versagt die Kapazitätserhöhung. Am Montag, den 22.8. um 03.30 Uhr erreichte der Seepegel 434.01. Das Wehr war zu. Emmen hat die Spitzenwerte vor einer Stunde erreicht. Eine Kapazitätserhöhung ist zu spät. Noch mehr Wasser kann Emmen nicht mehr schlucken. Eine Kapazitätserhöhung an diesem und an den folgenden Tagen ist unangebracht.

 

Praxisbeispiel Hochwasser 07 in Emmen, aber nicht in Luzern: Mittwoch, den 8.8. um 20.30 Uhr erreicht der Seepegel 433.99. Das Wehr war zu und Emmen ertrank zu dieser Zeit im Hochwasser. Eine Kapazitätserhöhung ist zu spät und unbrauchbar.

 

Alternative mit altem Wehr:

Ein tieferer Seepegel von 35 cm – der vorgeschrieben wäre – bringt mehr Entlastung und die Entlastung ist garantiert! Gerade während den kritischen Monaten (Mitte Mai – bis August) ist der Pegel allgemein zu hoch, der Mehrjahresmittelwert beträgt in diesen Monaten 433.70 bis 433.85), 10-15 cm über dem Jahresdurchschnitt.

 

Ein früheres Öffnen des Wehrs entlastet die Hochwassersituation mit 8cm (Zahl der Befürworter), bis 42,5 cm (Maximalzahl der Gegner). Als Einzelmassnahme erbringt sie mehr Entlastung als die nicht garantierte neue Kapazitätserhöhung.

 

Fazit: Risikobewältigung mittels baulichen Projekten zur Kapazitätserhöhung ist blind. Ohne frühes intelligentes Handling findet keine Verbesserung statt. Die Regierung will sogar von der frühen aktiven Regulierung weg und hin zu einem „nichtregulierten“ See. Damit handelt sie später – zu spät wie im Jahre 05 und 07 – und sie versucht bei einem noch höheren Seepegel zu reagieren. Eine so späte Korrektur versagt in den zwei Praxisbeispielen 05 und 07. Die Hochwassergefahr wird nicht wie beabsichtigt gemindert, sondern erhöht.

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