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Heizen mit Öl… entschieden falsch

22. September 2007, von Raffael Fischer

Erstaunlich, was man alles zugeschickt erhält, wenn man für einen Sitz in Bern kandidiert: Smartvote, Zeitungen, Klimakampagne, das Asylnetz, der Kantonalschützenverein, SwissOil; sie alles wollen was erfragen, wissen oder für etwas werben. Den Vogel abgeschossen hat aber gewiss Swissoil, besser bekannt unter dem alten (und verräterischen) Namen Erdölvereinigung. In einem sehr formellen Brief schrieb mir der Zentralschweizer Sektionspräsident unter dem Titel „Bei uns ist Ihre Meinung gefragt“ folgende Zeilen:

„Sie kandidieren in den bevorstehenden eidgenössischen Wahlen für einen Sitz im Parlament in Bern. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das Wort «Heizöl» hören oder lesen? Finden Sie, Heizöl sei ein Energieträger, dem auch in Zukunft ein fester Platz im Schweizer Energiemix gehört? Oder wollen Sie, dass der flüssige Brennstoff möglichst rasch durch andere Energieträger ersetzt wird, obwohl es in rund der Hälfte der Schweizer Haushalte ungemütlich kalt würde, wenn es ihn von heute auf morgen nicht mehr gäbe?“ Und weiter geht’s in diesem unerhört suggestiven Stil: „Denken Sie, dass weitere staatliche Vorschriften notwendig sind, um Energiesparen und Umweltschutz voranzubringen? Oder vertrauen Sie eher auf die Einsicht und Intelligenz ihrer Wählerinnen und Wähler, dass diese es selbst zu beurteilen vermögen, was in diesen Bereichen für Gesellschaft und Umwelt den besten Nutzen erbringt und welche individuellen Konsequenzen daraus zu ziehen sind?“

Ich hätte Lust, den Herren (und Damen?) zu antworten:
Lieber Erdöl-Lobby-Verband! Ich finde, dass Heizöl eine Energiequelle der Vergangenheit ist, für die es keinen Platz im Energiemix der weiteren Zukunft gibt, da es sich dabei um eine begrenzte Ressource handelt, die aufgrund des unersättlichen Energiehungers der Menschheit relativ bald aufgebraucht sein wird. Öl muss man daher so schnell wie möglich durch andere, und zwar erneuerbare Energieträger ersetzen. Allerdings lasse ich mir deswegen nicht von Ihnen vorwerfen, ich liesse eine Hälfte der Schweizer Haushalte frieren. Niemand hat gesagt, dass wir vom einen auf den anderen Tag das Heizöl ersetzen müssen. Der Ausstieg soll in Etappen vor sich gehen: Zumindest bei jedem Neubau und bei jeder Sanierung sollte auf andere Energieträger gesetzt werden. Es geht zu langsam vorwärts, weil das alte Denken noch immer dominiert. Was würde ich nicht geben für eine Mietswohnung in einem Haus, dessen Besitzer die Investition in eine gute Isolation und eine zukunftsträchtigere Energiequelle (z.B. eine Wärmepumpe) nicht scheut und dafür längerfristig viel Geld spart, so dass der Mietpreis deswegen nicht steigen müsste! Leider kenne ich bisher keinen solchen Vermieter. Im Gegenteil: Sie alle jammern über den hohen Ölpreis, womit sie prompt die Erhöhung der Nebenkosten begründen.

Deshalb antworte ich Ihnen, meine lieben Freunde des schwarzen Goldes: Meinen Wählerinnen und Wählern vertraue ich schon, aber Ihrer Lobby traue ich nicht über den Weg! Die Einsicht und Intelligenz meiner Wählerinnen und Wähler steht ausser Frage, denn sie entscheiden sich mit den Grünen für eine Partei, die sich seit vielen Jahren schon für Nachhaltigkeit und echten Umweltschutz einsetzt. Die Grünen sind überzeugt, dass Energiesparen und Umweltschutz – leider – nur durch weitere staatliche Vorschriften vorangebracht werden können. Die Wortwahl Ihres Schreibens verrät mir, dass Sie gegen jegliche staatliche Eingriffe sind, ja in ihnen den Feind der freien Wirtschaft sehen. Dabei setzen Sie Wirtschaft mit Ihrem Profitstreben gleich. Meine lieben Erdöl-Fans, gerade die Tatsache, dass Sie offenbar über so viel Geld verfügen, um massenhaft Hochglanzbroschüren mit verwirrenden Botschaften („Heizen mit Öl: Für mehr Klimaschutz“) zu drucken, die Schweizer Ski-Nationalmannschaft zu sponsern (die Ärmsten müssen bei Interviews ihr Mützenstatement „Heizen mit Öl, entschieden richtig“ deutlich in die Kamera halten) und diesen Herbst alle Nationalratskandidat/innen schriftlich zu belästigen, macht mich sehr stutzig. Ihr Lobbyverband verfügt also sichtlich über genügend liquide Mittel. Um diese fürchten sie nun, meines Erachtens zu Unrecht. Wie Sie selbst schreiben, können wir auf Heizöl nicht vom einen auf den anderen Tag verzichten. Aber dass das Öl ausgehen wird, ist eine unbestreitbare Tatsache. Gerade deshalb müssen wir jetzt, solange es noch relativ günstig erhältlich ist, mit der Umrüstung auf andere Energiequellen endlich vorwärts machen. Intelligente Lenkungsabgaben müssen eingeführt werden, die jene Hauseigentümer, Vermieter und Mieter belohnen, die auf erneuerbare Energien umsteigen, während jene zur Kasse gebeten werden, die glauben ein ewiges Recht auf Fossilien zu haben. Liebe Erdöl-Lobbyisten: Sie sind Dinosaurier eines Zeitalters, das im Begriff ist zu enden. Ihre Werbebroschüren sind das letzte Zucken einer Wirtschaftsethik, die nicht wahrhaben will, dass ewiges Wachstum angesichts begrenzter Ressourcen unmöglich ist. Ihre Lebenslüge ist dreckig, schwarz und neigt sich dem Ende zu. Ja, Fossilien sind Sie. In einigen Millionen Jahren wird man mit Ihnen heizen können. Aber solange können wir nicht warten.

Eine Reaktion zu “Heizen mit Öl… entschieden falsch”

  1. Manuel Späni

    Lieber Herr Fischer:

    Wunderbar!
    Eine fantastische Antwort, die mir aus dem Herzen spricht. Grüne Grüsse.

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