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Postulat über einen Aktionsplan «Digitales Dorf»

3. Dezember 2018

Rahel Estermann und Mitunterzeichnende fordern den Regierungsrat mit einem Postulat auf, einen Aktionsplan «Digitales Dorf» zu initiieren, welcher sich an die «Strategie Digitale Schweiz» des Bundes anlehnt.

Der Regierungsrat wird aufgefordert, einen Aktionsplan «Digitales Dorf» zu initiieren. Mit dem Aktionsplan, welcher sich an die «Strategie Digitale Schweiz» des Bundes anlehnt, soll ein Rahmen geschaffen werden, in welchem Luzerner Gemeinden und Entwicklungsträger in ländlichen Regionen gezielt der Frage nachgehen, wie sie die Digitalisierung für die Bewältigung ihrer individuellen Herausforderungen nützen können.

Begründung:
Digitalisierung ist nicht nur ein Thema für Geschäftsmodelle in der Wirtschaft, akademische Forschung und internationale Politik, sondern bietet ganz konkrete Anknüpfungspunkte in der Regionalentwicklung. Aktuelle Herausforderungen in ländlich geprägten Gemeinden sind sinkende Einwohnerzahlen, steigendes Durchschnittsalter der Bevölkerung, schrumpfender Detailhandel oder Fachkräftemangel. Sie beeinträchtigen die wirtschaftliche Situation der Gemeinden, aber auch die kommunalen Dienstleistungen im Hinblick auf Medizin, Pflege, Lebensmittelversorgung, Bildung und Mobilität. Die Digitalisierung kann an beiden Punkten ansetzen und einen Beitrag zur Aufrechterhaltung beziehungsweise Verbesserung der wirtschaftlichen Situation wie auch der Dienstleistungen und der Versorgung im ländlichen Raum leisten.

Der Bund hat die Förderung von kantonalen, regionalen und kommunalen Initiativen, welche die digitalen Chancen für die lokale Wirtschaft und Gesellschaft mitgestalten und mit Projekten entwickeln wollen, bereits in seine «Strategie Digitale Schweiz» aufgenommen. Der zugehörige Aktionsplan erwähnt unter dem Stichwort «Smart Villages» sogar eine Initiative der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Berggebiete, an der sich auch die Region Luzern West beteiligt. Ziel ist die Nutzung der Chancen der Digitalisierung durch den Einbezug regionaler Akteure.

Der Kanton Luzern soll diesen Faden aufgreifen und weiterspinnen. Während städtische Zentren sowie gewisse Gemeinden prosperieren und wachsen, kämpfen viele vor allem ländliche Gemeinden mit Stagnation und mit den bereits erwähnten Herausforderungen. Mit dem Aktionsplan «Digitales Dorf», allenfalls eingebunden in einen grösseren strategischen Rahmen, stärkt der Kanton gerade diese Gemeinden. Ziel ist es, die Potenziale, die sich durch die Digitalisierung bieten, besonders für ländliche Gemeinden aufzugreifen. Der Kanton soll für den Aktionsplan die Zusammenarbeit mit Wissensträgerinnen und Wissensträgern aus der Wissenschaft (beispielsweise HSLU oder Universität Luzern), der Wirtschaft sowie mit den regionalpolitischen Akteuren suchen. Der Aktionsplan soll unter anderem eine Austauschplattform für Projektideen und Erfahrungen aus den Gemeinden und Regionen umfassen. Allenfalls lassen sich sogar Entwicklungen in Modelldörfern testen. Als Inspiration kann die Initiative «Digitales Dorf Bayern» (https://digitales-dorf.bayern/) dienen, welche dazu geführt hat, dass viele bayrische Kommunen innovative Projekte angestossen haben.

Die Ergebnisse aus den einzelnen Projekten der Luzerner Gemeinden sollen möglichst flächendeckend übertragbar sein. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Versorgung ländlicher Räume mit Hilfe von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien unterstützt und damit die Zukunftsfähigkeit dieser Räume gesichert werden kann ganz konkret betrifft dies beispielsweise Fragen wie das Lädelisterben, die Bedingungen, unter denen ältere Personen möglichst im gewohnten Umfeld wohnen können, oder eine gemeinsame Initiative für den Direktvertrieb landwirtschaftlicher Produkte einer Region. Im Rahmen des Projektes sollen Erfolgsrezepte geschaffen werden, die die Attraktivität des ländlichen Lebensraums signifikant steigern. Die teilnehmenden Gemeinden können durch das Projekt die Lebensqualität für ihre Einwohner erhöhen und sich darüber hinaus als innovative Wirtschaftsstandorte im regionalen Wettbewerb positionieren.