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Spange Nord: Kantonsregierung plant gegen den Willen der Stadt

Archiv: 14. Dezember 2017

Die Grünen lehnen das vorliegende Projekt Spange Nord vollumfänglich ab. Das Projekt ist nicht nur vollkommen unnötig und löst das Luzerner Verkehrsproblem nicht im Geringsten, sondern zerstört den Lebensraum von mehreren tausend Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt Luzern. Ein vierspuriger Autobahnzubringer mitten durch Wohnquartiere zeigt, wie wenig ernst es der Kantonsregierung mit der Sorge um das Menschenwohl ist.

Am 24. Januar schrieb der Stadtrat in seiner Stellungnahme zur Spange Nord: "Der Stadtrat kann dem optimierten Vorprojekt zur Spange Nord in der vorliegenden Form nicht zustimmen. Zu gross sind die negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität und das Stadtbild." Für den Fall, dass keine stadtverträgliche Lösung für die Spange Nord gefunden wird, forderte der Stadtrat eine Planung des Projektes Bypass ohne die Spange Nord.

Nicht ganz ein Jahr später kommt der Regierungsrat wieder mit dem genau gleichen Projekt: Ein vierspuriger oberirdisch geführter Autobahnzubringer mitten durch Wohnquartiere und eine ebenso breite neue Strassenbrücke über die Reuss, deren Brückenköpfe ebenfalls mitten in Wohnquartieren geplant sind.

Bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert wurde die Spange Nord mit einer mehrspurigen Brücke über die Reuss und breiten Zufahrten zum Autobahnanschluss Lochhof geplant. Was das bedeutet, kennen wir von der Einfahrt am Kasernenplatz. Niemand ausser dem Regierungsrat würde heute noch eine Autobahnzufahrt mitten in der Stadt bauen. Die Retro-Idee ist heute noch viel unsinniger. Die Fahrten auf der Seebrücke sollen mit der Spange Nord um lediglich 4000 im Tag abnehmen.

Das Verkehrsaufkommen auf der Seebrücke nimmt seit 2004 kontinuierlich ab. Waren es im Jahr 2004 noch 42'000 Fahrzeuge pro Tag, so sind es heute 36'000. Ohne einen zusätzlichen Ausbau von Strassen, dafür mit klugen verkehrsplanerischen Massnahmen konnte in den letzten Jahren der Verkehr auf der Seebrücke um 6'000 Fahrzeuge oder 13% reduziert werden. Die Spange Nord verlagert allenfalls den Verkehr, hilft aber nicht im Geringsten, diesen zu verringern. Im Gegenteil, die Erfahrung zeigt, dass Mehrkapazität zu Mehrverkehr führt.
Der Schaden ist immens: Der Verkehr auf den zur Spange Nord umfunktionierten, durch Wohnquartiere führenden, Strassen soll um 25'000 Fahrten zunehmen. Die Attraktivität, das Auto zu benutzen, wird markant gesteigert. Lärmimmissionen, Abgase und Feinstaub vermindern die Lebensqualität für Tausende von Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt massiv. Die Kinder von Schulhaus Maihof verlieren grosse Teile ihres tollen Pausenplatzes und ihr Schulweg führt entlang einer vierspurigen Schnellstrasse. Auch die Kinder auf der anderen Seite der Reuss, im bereits jetzt arg benachteiligten Fluhmühlequartier mit der Lindenstrasse, verlieren ihren Spielplatz. Dieser soll zur Zufahrtsrampe für die vierspurige Reussbrücke werden. Das alles ist der gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Schaden eines Projektes ohne Nutzen aber mit Erstellungskosten von, Stand heute, gut 200 Millionen Franken.

Dass sich der Stadtrat so klar gegen das Projekt stellt, zeigt, dass für ihn Leben mehr Wert ist als Strassen. Auch das Stadtparlament ist dagegen und die betroffenen Quartiervereine sowieso.

Der Bund verknüpft die Umsetzung der Spange-Nord mit der Realisierung des ebenso unsinnigen Kapazitätsausbaus durch den Bypass. Es darf befürchtet werden, dass mit der Spange-Nord der notwendige Mehrverkehr generiert werden soll, welche den Kapazitätsausbau durch den Bypass auf über zehn Spuren zwischen Emmen und Kriens, durch die Stadt rechtfertigen soll.

Die Grünen des Kanton Luzern bedauern, dass die Regierung des Kantons Luzern, weder auf die Bedenken der Stadt Luzern noch von den betroffen Anwohnerinnen und Anwohner eingeht. Wir fordern die Pläne für die Spange-Nord baldmöglichst endgültig zu entsorgen und lehnen den Sonderkredit ab.

Urban Frye, Kantonsrat Grüne und Maurus Frey, Präsident Grüne Kanton Luzern