Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2017

Win-win mit Open Government Data

Archiv: 20. Februar 2017

Open Government Data (OGD) sind offene Verwaltungsdaten, die im Interesse der Allgemeinheit ohne jede Einschränkung frei zugänglich gemacht werden. Konkret geht es bei uns etwa um Statistiken von LUSTAT, Geodaten vom städtischen Geoinformationszentrum, städtische Umweltdaten der kantonalen Dienststelle Umwelt und Energie (uwe), Wetterdaten, Materialien des Parlaments und Behörden, Haushaltsdaten, Gesetze, Verordnungen, Satzungen, richterliche Entscheidungen und sonstige Veröffentlichungen. Im Gegensatz zum Öffentlichkeitsprinzip soll der Stadtrat oder die Verwaltung bei OGD die Veröffentlichung der Daten beschliessen, es sollten nicht automatisch alle Daten der Stadt der Öffentlichkeit zugänglich sein. Bereits heute werden viele dieser interessanten Daten veröffentlicht, jedoch meist nur in aggregierter (=zusammengefasster) und kommentierter Form. Mit OGD würden diese Daten auch in standardisierten Formaten und als Rohdaten angeboten.

2014 hat der Bundesrat die OGD-Strategie Schweiz 2014-2018 verabschiedet. Sie legt die Aktivitäten im Bereich OGD fest und ist für den Bund verbindlich. Die OGD-Strategie des Bundes verfolgt drei Ziele:
  1. Freigabe von Behördendaten: Der Bund stellt der Öffentlichkeit seine für OGD geeigneten Daten in maschinenlesbaren und offenen Formaten zur freien Weiterverwendung zur Verfügung.
  2. Koordinierte Publikation und Bereitstellung der Behördendaten: Der Bund macht mit Hilfe einer zentralen Infrastruktur (OGD-Portal) seine Datenbestände für die Öffentlichkeit leicht auffindbar und stellt die Daten für die freie Nutzung bereit.
  3. Etablierung einer Open-Data-Kultur: Der Bund unterstützt die Verwendung der Daten durch freie, einheitliche und verständliche Nutzungsbedingungen und durch Zusatzinformationen zu den einzelnen Datensätzen.
Im Herbst 2016 haben wir im Grossstadtrat die Interpellation 312 (Innovation und Transparenz durch Open Government Data) behandelt. Der Stadtrat war dabei grundsätzlich offen OGD einzuführen, hatte jedoch noch einige Bedenken. Wir teilen seine Bedenken nicht. Wir fordern deshalb den Stadtrat auf, die finanziellen, organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen für den Zugang zu den Behördendaten in maschinenlesbarer Form aufzubauen und langfristig zu gewährleisten.

In der Antwort auf die obengenannte Interpellation schreibt der Stadtrat: "Neben dem Potenzial sind aber auch die Risiken von OGD zu beachten, wie Fehlinterpretationen der Daten oder Qualitätsverlust der aggregierten Datenbestände". Wir sind der Meinung, dass Daten unabhängig der Publikationsart richtig und falsch interpretiert werden können. Bei OGD ist die Gefahr jedoch eher geringer, als bei einer durch LUSTAT publizierten Grafik, da man sich zum Verstehen der Daten mehr mit ihnen auseinandersetzen muss. Den zweiten Teil sehen wir ähnlich wie der Stadtrat, wir schätzen den Qualitätsverlust der aggregierten Datenbestände nicht. Gerade deshalb würden wir eine Publikation der Rohdaten mit OGD befürworten.

Offen zugängliche Behördendaten können von Firmen und Privatpersonen zur Realisierung neuer Dienstleistungen genutzt werden. Es ist absehbar, dass sich Medienschaffende, Softwareentwickler und weitere kreative Unternehmer auf die innovative Darstellung, Interpretation und serviceorientierte Weiterverwendung von Behördendaten spezialisieren werden. Nutzniesser dieser neuen marktwirtschaftlichen Dienstleistungen werden nicht zuletzt die öffentlichen Institutionen selbst sein.

Der Stadtrat möchte OGD nicht alleine einführen, sondern nur in Zusammenarbeit mit dem Kanton. Wir begrüssen eine Zusammenarbeit mit dem Kanton und auch anderen Gemeinden, wenn diese sinnvoll ist (z.B. für Daten von LUSTAT) und fordern den Stadtrat auf, diese aktiv anzugehen. Parallel dazu soll die Stadt jene Daten bereits selber mit den Prinzipien von OGD veröffentlichen, bei welchen eine Zusammenarbeit mit dem Kanton nicht direkt nötig ist (z.B. für Geodaten des städtischen Geoinformationszentrums).

Denn das Sammeln, Erstellen, Bereinigen, Veredeln, Kombinieren, Aufbewahren und Erschliessen von Daten verursacht heute umfangreiche Kosten. Der informationstechnologische Fortschritt würde jedoch heute den einfachen Zugang und die mehrfache Nutzung der Daten ohne grösseren betrieblichen Aufwand ermöglichen. Damit könnten sich alle an den aufwändigen Tätigkeiten der Bereinigung und Veredelung der Daten beteiligen - die Bevölkerung könnte aktiv Fehler in den Daten der Stadt melden, die Qualität der städtischen Daten würde sich quasi gratis verbessern. Ausserdem würden die Daten nicht mehr nur einmalig durch die Stadt verwendet, sondern deren volkswirtschaftliche Nutzen würde sich vervielfachen. Bessere Daten für die Stadt, mehr Daten für alle: Win-win. Packen wir diese Chance!