Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2009

Bedarfsgerechte Rahmenbedingungen für Integrative Förderung

Archiv: 27. März 2009

Postulat von Edith Lanfranconi-Laube namens der G/JG-Fraktion

Mit der Einführung von Integrativer Förderung (IF) anstelle von Kleinklassen (ab 2011) und Sekundarstufe D (ab 2013) kommt eine grosse Herausforderung auf die Volksschulen der Stadt Luzern zu.

Wir begrüssen die Integration lernschwächerer Schülerinnen und Schüler in die Regelklassen. Sowohl die Forschung als auch Beispiele von Schulen in nordischen Ländern Europas und Erfahrungen mit altersgemischten Klassen (z. B. Basisstufe, aber auch Beispiele aus Mittel- und Oberstufen) zeigen, dass Schwächere sich an Stärkeren orientieren und so von diesen profitieren können, ohne dass sich dies für die Stärkeren nachteilig auswirkt.

Der Umgang mit Heterogenität und Integration wird so im Schulalltag gelebt, soziale Kompetenzen werden erweitert und gefestigt.

Der Veränderungsprozess ist gut vorbereitet. Das Rektorat und die Schulen der Stadt sind im Gespräch ("Denkwerk" und weitere Austauschgefässe). Es gibt aber nach wie vor grosse Unsicherheiten und berechtigte Skepsis bei den Lehrpersonen in Bezug auf die dafür vorgesehenen Rahmenbedingungen.

Der Kanton hat Eckwerte und Umsetzungshilfen definiert. Diese enthalten auch Rahmenbedingungen für Klassengrössen und Anzahl IF-Lektionen pro Anzahl Lernende (je nach Stufe plus/minus 20 Lernende und 29 Lektionen IF auf 150 - 170 Lernende).

Diese Rahmenbedingungen versuchen den neuen Verhältnissen gerecht zu werden, wir erachten sie aber als ungenügend. Insbesondere für die Schulen der Stadt mit teilweise sehr hohen Anteilen fremdsprachiger Schülerinnen und Schüler, die schon heute sehr hohe Integrationsleistungen erbringen, müssen Sozialindikatoren gelten, das heisst IF-Lektionen nach dem tatsächlichen Bedarf gesprochen werden. Es braucht Anpassungen der räumlichen Gegebenheiten, genügend gut ausgebildete IF-Lehrpersonen, mehr zeitliche Ressourcen für Absprachen zwischen allen Beteiligten und Beratungsangebote für die Zusammenarbeit von Lehrpersonen, mindestens während der Übergangsphase. Partnerschaften mit Klassen, die bereits Erfahrung mit IF haben, können helfen, den Übergang zu erleichtern.

Für all diese zusätzlichen Aufgaben und Engagements müssen Lehrpersonen entlastet werden und mit ihnen die Schulleitungen. Damit die ohnehin schon stark belasteten Lehrpersonen gesund bleiben und die Schülerinnen und Schüler von der Durchmischung profitieren können, braucht es entsprechend angepasste Rahmenbedingungen.

Wir fordern den Stadtrat auf, zu prüfen, wie die Rahmenbedingungen für IF in Bezug auf personelle, zeitliche, räumliche und finanzielle Ressourcen dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden können. Nur so kann IF zum Erfolg führen - hier zu sparen, könnte sich äusserst kontraproduktiv auswirken!