Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Archiv 2009

Ist-Situation des Sexualkundeunterrichtes an Luzerner Schulen

Archiv: 10. März 2009

Anfrage von Christina Reusser und Mitunterzeichnenden

Gemäss der vor kurzem publizierten Basler Studie ist bis im Alter von 11 Jahren die Hälfte der Kinder aufgeklärt. Zwei Drittel der 17-Jährigen hatten schon ihre ersten sexuellen Intimkontakte. 85 Prozent haben beim «ersten Mal» verhütet, Mädchen weit mehr als Jungen. Die meisten Jugendlichen geben an, von der Schule aufgeklärt zu werden (39% J, 27% M). Eine wichtige Rolle in der Aufklärung kommt den Müttern zu (23% M, 7% J), gefolgt von den Gleichaltrigen (13% J, 11% M). Väter sind weitgehend abwesend (1% M, 5% J). 16 Prozent der Jugendlichen geben an, überhaupt nicht aufgeklärt zu sein. Ebenfalls bemerkenswert: Die meisten Jugendlichen schätzen ihr Wissen über sexuelle Inhalte weit höher ein, als es effektiv ist. Ein kleiner Anteil gibt an, schon sehr früh sexuell aktiv gewesen zu sein, zwischen 12 und 14 Jahren. Die Jungen dieser Gruppe weisen ein Risikoverhalten auf: Sie sind kaum aufgeklärt und verhüten nicht.

Immer wieder kann über sexuelle Übergriffe an und von Jugendlichen, über minderjährige Mütter und über immer noch hohe Ansteckungszahlen bei durch Geschlechtsverkehr übertragenen Krankheiten gelesen werden. Zudem werden den Jugendlichen über die Medien, insbesondere die Werbung, unrealistische und unerreichbare Frauen- und Männerbilder vermittelt.

Die sexuelle Aufklärung fördert eine gesunde körperliche und psychische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, hilft das Ansteckungsrisiko von Krankheiten wie Aids zu verhindern und wirkt nachweislich präventiv bezüglich Gewalt und sexuellen Übergriffen.

Im Kanton Luzern wird im 5./6. Schuljahr als verbindliches Grobziel unter dem Thema gesunder/kranker Mensch formuliert, dass «die eigene Geschlechtlichkeit bejaht wird, Toleranz dem anderen Geschlecht gegenüber gezeigt und das Rollenverhalten reflektiert werden soll». Im Oberstufenlehrplan ist im Fach Lebenskunde die Thematik Sexualität mit diversen Arbeitsfeldern aufgeführt. Richtigerweise wird in den Ausführungen des Lehrplanes darauf verwiesen, dass es nicht jeder Lehrperson leicht fällt, über Sexualität zu sprechen, dass besser eine frühzeitige Aufklärung getätigt werden soll und dass eine Fachkraft beigezogen werden kann. Dabei wird die Hauptverantwortung für die Sexualerziehung in der Schule der jeweiligen Lehrperson übertragen. Die Themenwahl und der zeitliche Umfang der Sexualaufklärung sind dementsprechend von der individuellen Kompetenz und dem Engagement abhängig. Das heisst, dass engagierte Lehrpersonen sexualkundliche Themen im Unterricht umsetzen, während andere aus Desinteresse oder Berührungsängsten mit der Thematik die Sexualerziehung umgehen und nicht behandeln.

Nebst der Sicht der Lehrkraft ist ebenso die Sicht der Jugendlichen zu beachten. Es ist für Jugendliche nicht stimmig und angenehm, mit einer Klassenlehrperson über intime Angelegenheit wie die Sexualkunde zu sprechen und sich in die Thematik einzugeben.

In verschiedenen Kantonen und Städten der Deutschschweiz zeichnet sich deshalb in den letzten Jahren eine Kooperation zwischen Schulen und Einrichtungen von sexualpädagogischen Fachstellen ab, welche mittels Leistungsverträgen geregelt wird. Diese Kooperation der Schule mit externen sexualpädagogischen Fachpersonen und -organisationen ist sinnvoll und wird von diversen Fachpersonen empfohlen.

Fragen:
  1. In welcher Klasse findet der Sexualkundeunterricht tatsächlich statt?
  2. Wird die Möglichkeit geprüft, diesen früher im Lehrplan anzusetzen?
  3. Wie viele Lektionen werden für den Sexualkundeunterricht eingesetzt?
  4. Wie sind diese Lektionen über die Schuljahre verteilt?
  5. Werden bereits heute standardisiert Fachpersonen im Unterricht beigezogen, oder ist dies jeder Lehrperson selber überlassen?
  6. Wie stellt sich der Regierungsrat zu der Empfehlung, dass sexualpädagogischen Fachstellen mittels Leistungsvertrag die Aufgabe der Aufklärung übertragen werden soll?