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Die Grünen fordern mehr Markt im Verkehr

Archiv: 29. August 2008

Medienmitteilung Grüne Stadt Luzern

Im städtischen Verkehr gibt es ein entscheidendes Gut, von welchem alle Verkehrsteilnehmer mehr haben möchten. Es gibt jedoch nur eine beschränkte Menge davon. Dies ist der Raum, der Platz, die Kapazitäten. Und genau hier funktioniert der Markt offensichtlich nicht. Würden die Räume anhand des benötigten Platzes verteilt, wäre eine bessere Verkehrssituation die logische Folge. Bus, Bahn und Velo benötigen für den Transport einer Person nur einen Bruchteil des Raumes, welcher für den Transport einer Person mit einem Auto benötigt wird. Deshalb fordern die Grünen eine Attraktivierung von Velo, Bus und Bahn: Die knappen verfügbaren Verkehrsflächen müssen effizienter genutzt werden.

Dabei ist Verkehrspolitik mit Weitblick gefragt: Die Mobilität im dicht besiedelten Agglomerationsraum kann künftig nur mit der Umlagerung auf platz- und energieeffiziente Verkehrsmittel sichergestellt werden. Die Grünen der Stadt Luzern stellen dazu drei Forderungen auf, welche die Verkehrsentwicklung in der Stadt Luzern in die richtigen Bahnen lenken soll.

Die drei Forderungen:

Velofahren muss sicherer werden
Das Velo ist energieeffizient und innerhalb der Stadt ein sehr schnelles und platzsparendes Verkehrsmittel. Leider benutzen viele Menschen das Velo aus Angst und Unsicherheit nicht. Deshalb sollen vermehrt sichere Radwege auf separaten Trassen und verkehrsarmen Strassen geschaffen werden. Hauptachsen des motorisierten Verkehrs müssen sicher gequert werden können. Velofahren muss für weite Teile der Bevölkerung zugänglich werden. Der Richtplane "leichter Zweiradverkehr" ist dazu eine sinnvolle und nötige Basis.

Der Bus wird bevorzugt
Es braucht eine Stärkung und eine Bevorzugung des öffentlichen Nahverkehrs. In der Stadt sind knappe Platzverhältnisse im Strassenverkehr baulich gegeben. Dieser soll prioritär den raumeffizienten Transportmitteln zur Verfügung stehen. Deshalb ist es unabdingbar, dass Busse in der Stadt Luzern konsequent dem motorisierten Individualverkehr vorgezogen werden. Dies kann durch eigene Trassees (Busspuren), Verkehrsdosierung vor Engstellen, Liniendurchbindungen am Bahnhof oder allenfalls Road Pricing geschehen. Der Bus kann dadurch ein attraktiveres und konkurrenzfähigeres Verkehrsmittel in Luzern werden.

Das Schienennetz bekommt mehr Kapazität
Für ein zukunftsgerichtetes Schienennetz braucht es einen tiefgelegten Durchgangsbahnhof in Luzern. Dieser kann in mehreren Etappen (Tiefbahnhof, Durchgangsbahnhof) erstellt werden. Ein Ausbau der S-Bahn und des Fernverkehrs ist auf eine langfristige Weiterentwicklung des Schienennetzes angewiesen. Dadurch wird es auch möglich, dass in den Subzentren Umsteigeknoten geschaffen werden. Wird dies erneut verpasst, so bestehen kaum Weiterentwicklungsmöglichkeiten für den zunehmenden Schienenverkehr.

Erläuterungen zu den drei grünen Forderungen in der städtischen Verkehrspolitik:

Velofahren muss sicherer werden
Dass Velofahren in der Stadt schnell, günstig, umweltschonend und durch die Bewegung auch gesund ist, wissen die Velofahrenden und viele anderen Menschen bereits. Dass Velofahren aber auch gefährlich ist und Angst und Unsicherheit vor der Velobenützung abhalten, ist leider ebenfalls Tatsache.

Deshalb braucht es nun eine Politik, welche bei der Veloförderung die Sicherheit der Velofahrenden ins Zentrum stellt. Steigt die Sicherheit für Radfahrerinnen, so wird dieses Verkehrsmittel für mehr Leute zur sinnvollen Alternative. Dadurch können mehr Menschen motiviert werden, das Velo als Verkehrsmittel für kurze Strecken innerhalb der Stadt zu benützen. Sicherheit für Velofahrer heisst im Besonderen die Schaffung eigener Veloachsen. Diese sind beispielsweise auf dem Trassee der heutigen Zentralbahn, auf beiden Seiten entlang des Gleisfeldes mit Unterquerung der Langensandbrücke oder entlang der Reuss geplant oder bereits erstellt worden (siehe Richtplan leichter Zweiradverkehr, Stadt Luzern). Das Beispiel des Radweges zwischen Kreuzstutz und Seetalplatz entlang der Reuss zeigt, wie attraktiv solche Achsen sein können: Seit dieser Weg eröffnet wurde, nahm die Zahl der Benützer von Velos auf dieser Strecke um das Dreifache zu.

Für die bisherigen Velobenützer sind erfahrungsgemäss die Querungen der stark befahrenen MIV-Achsen die grösste Gefahr und Unsicherheitsquelle. Deshalb ist es für eine sichere und attraktive Velonetzgestaltung nötig, diese heiklen Passagen durch gute Signalisierung und sichere Querungslösungen zu entschärfen.

Für eine wirkliche Förderung des Veloanteils müssen in der ganzen Stadt sichere Veloachsen angelegt werden, welche von Velofahrer ohne Schwierigkeit und Gefahr benützt werden können. Ein höherer Anteil des Velos im Verkehrsmix schafft neben zusätzlichem Raum auf den Luzerner Strassen für andere Verkehrsmittel, auch in Bezug auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte einen Nutzen, der sich auszahlt.

Der Bus wird bevorzugt
Im baulich eng begrenzten Strassenraum der Stadt Luzern sind Nutzungskonflikte zwischen verschiedenen Verkehrsarten allgegenwärtig. Die Kapazitäten der Strassen sind beschränkt, es kommt zu Staus, in denen auch der Bus stecken bleibt. Gemäss aktueller Botschaft des Kanton Luzerns (B 67) befördert ein einziger Bus während der Hauptverkehrszeit die gleiche Menge Personen wie 50 bis 80 Personenwagen. Der grosse Vorteil des öV und im besonderes des städtischen Nahverkehrs (Bus) ist dessen Flächeneffizienz.

Aus diesem Grund ist der Bus bei engen Platzverhältnissen (welche in der Stadt fast überall herrschen) zu priorisieren. Reisende, welche mit dem Bus unterwegs sind, müssen unabhängig der Verkehrszeiten pünktlich und schnell ans Ziel gelangen. Dies ist vor allem mit mehr und durchgehenden Busspuren zu erreichen, allenfalls auch auf Kosten von Spuren für den motorisierten Individualverkehr (MIV). Damit gewinnt der Bus an Attraktivität, ist gegenüber dem Auto konkurrenzfähiger und wird dadurch auch mehr benutzt.

Werden die Strassen dadurch entlastet, weil mehr Leute in den raumeffizienteren Bussen unterwegs sind, so gewinnt dadurch auch der notwendige motorisierte Transport- und Berufsverkehr Platz und Zeit.

Rund um den Raum Bahnhof ist der Platz für die Busse besonders eng. Um die Kapazitäten zu erhöhen und damit die Busse zuverlässiger und schneller zu machen, braucht es mehrere Massnahmen. Die Standzeit am Bahnhof kann dadurch verkürzt werden, indem Linien über den Bahnhof hinaus durchgebunden werden. Die Standzeiten als Reserve werden dabei an die Endstationen verlegt. Damit steht der Bus am Bahnhof kürzer, was eine grössere Kapazität für die weiteren Busse bringt. Beispielsweise könnten die Linien 20 und 24 oder die Linien 12 und 23 verbunden werden.

Als weitere Massnahme ist zu prüfen, ob weitere Zufahrten auf den Bahnhofsplatz die Einfahrt durch die Pilatusstrasse entlasten können. Als Möglichkeit bietet sich eine Zufahrt über Inseliquai-Werftestrasse an, zumal dieses städtische Entwicklungsgebiet durch den öV bisher nicht erschlossen ist. Eine Linienführung von einigen der nach Wartegg führenden Linien (6,7,8,21) via Landenbergstrasse, Werftestrasse und Inseli würde eine bessere Erschliessung der Tribschenstadt, der Kantonsschule, der Hochschule für soziale Arbeit, sowie weiterer Wohn-, Schul- und Arbeitsorte ermöglichen.

Das Schienennetz bekommt mehr Kapazität
Allein schon aus Platzgründen muss in Zukunft ein wesentlich grösserer Teil der Mobilität innerhalb der Stadtregion mit öffentlichen Verkehrsmitteln abgewickelt werden.

Dazu braucht es einen attraktiven Grobverteiler, der einen dichten Takt, kurze Fahrzeiten und genügend grosse Kapazitäten aufweist. Diese Anforderungen können nur von einem Schienenverkehrsmittel, das vom Strassenverkehr unabhängig verkehrt, erfüllt werden.

Das Schienennetz in der Region Luzern wurde seit 1897 nur unwesentlich erweitert, die Einwohnerzahl und noch stärker die Anzahl zurückgelegter Personenkilometer hat aber massiv zugenommen. Die normalspurige Bahnhofeinfahrt mit ihren zwei Gleisen ist heute zum eigentlichen Nadelöhr geworden. Soll die S-Bahn im zukünftigen Aggloverkehr eine entscheidende Rolle spielen, muss das Schienennetz deshalb gezielt ausgebaut werden.

Für eine längerfristige Verkehrsplanung ist die Schaffung eines unterirdischen Durchgangsbahnhofs notwendig. Entlang dieser Achse entstehen attraktive Umsteigeknoten zum Feinverteiler (Ebikon, Luzern Bahnhof, Paulusplatz, Kreuzstutz, Emmenbrücke). Ein Durchgangsbahnhof schafft eine zweite Zufahrt zum Bahnhof Luzern, welche sowieso nötig ist.

Der Bau des Durchgangsbahnhofes soll etappenweise erfolgen: Vordringlich ist die Entlastung von Rotsee und Bahnhofzufahrt, wozu ein halber Tiefbahnhof als Kopfbahnhof mit Zufahrt von Ebikon zu erstellen ist. Langfristig ist der unterirdische Kopfbahnhof zum Durchgangsbahnhof zu erweitern und an die bestehende Bahnhofzufahrt anzuschliessen. Diese schrittweise Vorgehensweise ermöglicht eine gute und gleichwertige Lösung im ersten Teil, wie es andere neue Zufahrtserweiterungen wären, schafft aber für einen späteren Zeitpunkt eine optimale Ausgangslage für die Weiterentwicklung zum Durchgangsbahnhof.

Heute würden wir uns sehr glücklich schätzen, wenn ein solcher Durchgangsbahnhof vor 20 Jahren in Angriff genommen worden wäre. Heute müssen wir für die nächste Generation mit Weitsicht planen, um die Kapazitäten auf lange Sicht erhöhen zu können. Die Pflästerlipolitik mit Fokus auf die jeweiligen Nadelöhre schafft keine sinnvolle Verkehrsplanung für die Zukunft. Die Entwicklung des Verkehrsaufkommens ist dem Schienennetz dadurch immer um Schritte voraus, was nur zu neuen Engpässen führt.

Zusammenfassung der drei Forderungen:

Velofahren muss sicherer werden
  • Schaffung eigene sicherer Velotrassees
  • Sichere Querungen der stark befahrenen Strassenachsen

Der Bus wird bevorzugt
  • Mehr und durchgehende Busspuren
  • Liniendurchbindungen am Bahnhof Luzern
  • Neue Zufahrten zum Bahnhof Luzern prüfen

Das Schienennetz bekommt mehr Kapazität
  • Schaffung eines Tief-, und Durchgangsbahnhofes
  • Ausbau der S-Bahn Luzern mit mehr Haltestellen
  • Erstellung von Subzentren, beispielsweise in Emmenbrücke oder Ebikon
Durch diese Massnahmen werden die engen Platzverhältnisse effizient verteilt und schaffen für alle Verkehrsteilnehmer eine bessere Verkehrssituation.

Die Grünen der Stadt Luzern werden sich in den kommenden Jahren bei ihren Aktivitäten in der Verkehrspolitik an diese Grundsatzüberlegungen anlehnen und sich konsequent für deren Umsetzung einsetzen.