Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Archiv 2006

Zwangsprostitution im Umfeld der EM 2008

Archiv: 14. September 2006

Postulat von Katharina Meile und Mitunterzeichnende

Wir beauftragen den Regierungsrat zu überprüfen, ob den Präventions- und Kontrollorganen des Kantons Luzern zusätzliche Ressourcen (finanziell, personell) zur Verfügung gestellt werden sollten, damit ein Anstieg der Zwangsprostitution im Rahmen der EM 2008 im Raum Luzern präventiv verhindert werden kann.

Begründung:
Die Fussballeuropameisterschaft in der Schweiz findet zwar nicht in der Region Luzern statt. Trotzdem ist der Kanton davon betroffen, sei es durch die Bereitstellung zusätzlicher Polizeikontingente an den Austragungsorten oder durch die angekündigte Einquartierung von Fussballteams in Luzerner Hotels.

Wenngleich Fussball immer mehr weibliche Anhängerinnen gewinnt, muss doch mit einer sehr grossen Zahl männlicher Gäste gerechnet werden. Diese werden sich, dies zeigt leider die Erfahrung insbesondere auch an der Euro 2004 in Portugal, nicht nur in den Stadien und Beizen vergnügen. Grosse Sportereignisse führen anscheinend zu einer erhöhten Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen. Expertinnen und Experten rechnen deshalb mit einem Anstieg des Frauenhandels und der Zwangsprostitution auch während der Euro 2008 in der Schweiz. Es wird freiwillige Prostitution geben, aber es wird auch davon ausgegangen, dass Frauen dazu gezwungen werden.

Diese Frauen werden häufig unter falschen Versprechungen in unsere Länder gelockt. Einmal hier werden sie gezwungen, ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Schulden bei Frauenhändlern und Zuhältern abzuarbeiten. Es geht hier nicht um Moral oder um gute Sitten. Es geht um Frauenhandel als organisierte Kriminalität.

In Deutschland wurde im Zusammenhang mit der Fussballweltmeisterschaft in diesem Sommer breite Präventionsarbeit geleistet, beispielsweise mit der Aktion «Abpfiff - Schluss mit Zwangsprostitution» oder mit der Aktion «Verantwortlicher Freier».

Im Nationalrat stellte Nationalrätin Barbara Haering den Antrag, hier in der Schweiz ein Gleiches zu tun. In seiner Antwort verweist der Bundesrat auf die bisherigen Bemühungen und darauf, dass die Verantwortung für die «Ordnungsmassnahmen primär bei den Kantonen» liege. Damit rollt der «Ball» auch in den Kanton Luzern. Die Sicherheit und Ordnung, die wir für die Gäste der Euro 2008 auch in Luzern garantieren wollen, muss die Sicherheit der Frauen umfassen und einschliessen.