Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Archiv 2006

Mädchenbeschneidung in Luzerner Spitälern

Archiv: 14. September 2006

Anfrage von Sibylle Lehmann und Mitunterzeichnende

130 Millionen Frauen und Mädchen sind weltweit beschnitten. Auch hierzulande leben Migrantinnen, die das grausame Ritual erleiden mussten oder denen es droht. Eine 2005 veröffentlichte Studie von UNICEF Schweiz unter Medizinalpersonal und sozialen Stellen zeigt auf, dass 29 Prozent der Teilnehmenden mit beschnittenen Frauen zu tun gehabt haben. Bei den Gynäkologinnen und Gynäkologen betraf dies gar 61 Prozent. Ein aktuelles Rechtsgutachten hält fest, dass Personen, die eine Beschneidung vornehmen oder veranlassen, sich der schweren Körperverletzung strafbar machen.

Es ist also längst nicht mehr möglich, dass die Schweiz und die einzelnen Kantone dieses Thema als Aufgabe der Länder definieren, die solche Praktiken zulassen. Mädchenbeschneidung muss während der Ausbildung in den sozialen und medizinischen Berufen thematisiert werden.

Zudem braucht es verstärkte Präventionsarbeit bei den betroffenen Migrantinnengruppen, welche auch die Information über rechtliche und gesundheitliche Folgen von Beschneidung beinhaltet.

Die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure muss verstärkt werden, und an den potenziell betroffenen Institutionen müssen Informationen und Weisungen zum Umgang mit Beschneidung und Beschneidungsopfern zugänglich sein. Darin müssen Antworten zu finden sein auf Fragen wie beispielsweise: Wie ist die rechtliche Situation in der Schweiz? Was mache ich, wenn ich angefragt werde, eine Beschneidung vorzunehmen? Wie gehe ich vor, wenn ich eine schwangere Frau behandle, die beschnitten wurde? Wie gehe ich mit Forderungen nach einer Reinfibulation um?

Für den Grossen Rat stellen sich folgende Fragen:
  1. Ist der Regierungsrat darüber informiert, ob an den Luzerner Spitälern Beschneidungen erbeten oder eventuell auch vollzogen wurden?
  2. Liegen an den Luzerner Spitälern Richtlinien zum Umgang mit beschnittenen Frauen bzw. mit Anfragen zur Beschneidung vor, und wie werden diese kommuniziert?
  3. Ist das Thema Mädchenbeschneidung Bestandteil der Ausbildung in den sozialen und medizinischen Berufen bzw. Weiterbildungsangeboten?
  4. Macht der Kanton Luzern Präventionsarbeit für Migrantinnen in diesem Bereich?