Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2002

Die 10 Allmendthesen der städtischen Baurdirektion

Archiv: 2. Dezember 2002

Das Grüne Bündnis der Stadt Luzern nimmt Stellung. Die Allmend ist als Erholungsraum von zentraler Bedeutung.

von Cony Grünenfelder, Mitglied städtischer Vorstand und Grossstadträtin, Luzern

Das Grüne Bündnis nimmt zu den 10 Thesen "Entwicklung Allmend" wie folgt Stellung:

Wir begrüssen es, dass sich in einer Art Vernehmlassung breite Bevölkerungskreise zu den Allmend-Thesen äussern können. Hilfreich wäre es gewesen, wenn die im Bericht Inderbitzin enthaltenen Nutzungsansprüche allgemein bekannt und offengelegt worden wären. Ebenso würde interessieren, ob weitere Gremien (z.B. Sportkommission, Stadtplanung) bereits eigene Berichte verfasst haben und zu welchen Schlussfolgerungen diese gelangt sind. Die Ergebnisse dieser Vernehmlassung müssen in die weitere Erarbeitung des Allmend-Planungsberichtes einfliessen.

Bevor dieser Planungsbericht vom Parlament verabschiedet ist, dürfen keine Entscheide (Bau- und Betriebsentscheide) gefällt werden.

Durch die zahlreichen Nutzungen ist die Allmend heute schon stark unter Druck. Die Allmend ist als Erholungsraum von zentraler Bedeutung und ist die letzte grosse Freifläche mitten im Siedlungsgebiet. Die Infrastrukturbauten und intensiv genutzten Flächen werden von Grünflächen spangenförmig umfasst. Diese grüne Spange muss im heutigen Umfang erhalten bleiben.

These 1: Allmend
Der Stadtrat will die vielfältige Nutzung weiterhin ermöglichen.

Um die Qualität der Allmend zu sichern, ist für das Nebeneinander der vielen Nutzungen eine Art Richtplan zwingend nötig. Dazu gehört vorab eine Kapazitäts-Analyse für das zu beplanende Gebiet. Bis zur Verabschiedung eines solchen Richtplanes gilt nach wie vor die Metronstudie aus dem Jahre 1993 als Richtschnur für das Handeln auf der Allmend. Neubauten auf der westlichen Seite der Horwerstrasse schliessen wir weiterhin aus. Für Eigentumsabtretungen sehen wir keine Notwendigkeit und wollen davon absehen.

These 2: Schiessanlagen
Der Stadtrat will das Schiessen auslagern.

Wir befürworten die Absicht des Stadtrates den Schiessbetrieb auszulagern. Die durch die Auslagerung frei werdenden Flächen sollen als Grünraum der Naherholung und dem Naturschutz dienen. Damit können die Grünflächen die in den letzten Jahre verloren gingen (Bau AAL, Verlegung Brünig-Bahn, Strassenbau, zusätzliche Fussballfelder etc.) kompensiert werden.

Ein Sanierungskonzept für die hohen Quecksilberbelastungen im Bereich des Schiessstandes und die hohen Bleibelastungen vor dem Scheibenstand ist dringend notwendig. Die Sanierungskosten müssen gemäss dem Verursacherprinzip aufgeteilt werden.

These 3: Naherholung, Individualsport und Naturschutz
Der Stadtrat will die Freiräume für Naherholung, Individualsport und Naturschutz auf der Allmend verbessern.

Der Freiraum Allmend ist in seiner heutigen flächenmässigen Ausdehnung zu erhalten.

Die Durchgänglichkeit für die Bevölkerung (auch während Grossveranstaltungen) ist jeder Zeit zu gewährleisten. Grossveranstaltungen müssen noch besser auf die Anliegen des Naturschutzes abgestimmt werden. Die Einrichtung einer Koordinationsstelle, welche die unterschiedlichen Bedürfnisse aufeinander abstimmt muss geprüft werden.

Naturschutz und Naherholung lassen sich weitgehend kombinieren, jedoch nicht grenzenlos. Zum Beispiel schliessen wir sowohl Rasenplätze als auch Parkplätze auf den frei werdenden Flächen des heutigen Schiessplatzes B grundsätzlich aus.

These 4: Stadion für den Profi-Sport
Der Stadtrat will die Sanierung und den teilweisen Neubau des Fussballstadions prüfen.

Einen Stadion-Neubau auf der Basis einer kommerziellen Nutzung (10000m2 BGF) und eine entsprechende Umzonung lehnen wir ab, ebenso einen Investitionsbeitrag oder Folgekosten für die Stadt Luzern an einen Stadion-Neubau. Falls ein Tribünen-Neubau realisiert werden sollte, können wir uns eine Mantelnutzung vorstellen, die nebst der nötigen Infrastruktur allenfalls eine gewerbliche Nutzung integriert. Es ist ein Leistungsvertrag abzuschliessen, der die heute geleisteten Subventionen bzw. das unentgeltliche Baurecht, so wie die sportliche Nachwuchsförderung regelt. Die Situation rund um das Baurecht für das "Haus des Sports" ist rechtlich und politisch zu klären.

These 5: Leichtathletik-Stadion
Der Stadtrat will das Angebot des Leichtathletik-Stadions verbessern.

Sanierungskonzepte und Neubaupläne für Turnerhaus, Leichtathletik-Garderobe, Waaghaus und Garderobenanlage Allmend-Süd müssen koordiniert und in die Gesamtplanung eingebettet werden. Das heisst auch, dass allfällige Synergien durch kombinierte Nutzungen geprüft werden müssen.

These 6: Hallen- und Infrastrukturangebot für Vereine und Organisationen
Der Stadtrat will auf der Allmend keine Saalsporthalle.

Das Grüne Bündnis lehnt den Neubau einer Saalsporthalle ebenfalls ab. Falls die Notwendigkeit für eine neue Trainingshalle (für Vereine) ausgewiesen ist, muss diese in einen allfälligen Tribünen-Neubau integriert werden.

These 7: Messe- und Ausstellungswesen
Der Stadtrat will eine moderate Entwicklung des Messewesens ermöglichen.

Um über eine Übertragung von Betrieb und Verwaltung der Ausstellungs- und Festhalle zu verhandeln, sind im Moment keine Grundlagen vorhanden. Weiteren Privatisierungen oder sogenannten Teil-Privatisierungen stehen wir aufgrund der Erfahrungen der letzten Zeit skeptisch gegenüber. Deshalb ist das für uns zur Zeit kein Thema.

Zusätzliche Parkplätze wie sie von Messe Luzern-Präsident Alfred N. Becker in einem Interview in der NLZ vom 29.01.02 gefordert werden, lehnen wir ab.

Allenfalls sind Variantenplanungen nötig, um zu klären, ob das Messewesen und der Profi-Sport mit entsprechenden Entwicklungs-Szenarien auf der Allmend nebeneinander möglich sind.

These 8: Rahmenbedingungen
Der Stadtrat will das Optimum bei den Verkehrsinfrastrukturen anstreben.

Wir teilen die Einschätzung, dass die A2-Ausbauten im Schlund zu einem höheren Verkehrsaufkommen auf der Allmend führen werden. Deshalb sind Massnahmen gegen den sich abzeichnenden Schleichverkehr durch die südlichen Wohnquartiere Luzerns zu ergreifen.

Zusätzliche Nutzungen bzw. Nutzungsintensivierungen auf der Allmend dürfen keinen Zuwachs des Individualverkehrs verursachen. Die Erschliessung für den öffentlichen Verkehr und die Velos ist so zu verbessern, dass die gesamte Verkehrszunahme mit dem Umweltverbund aufgefangen werden kann.

Das Parkplatzangebot muss längerfristig reduziert werden. Es ist ein eigenes Allmend-Parkleitsystem zu prüfen, um den Suchverkehr zu minimieren. Die Parkplätze sind so zu bewirtschaften, dass möglichst grosse Anreize für den Umstieg auf den Umweltverbund entstehen. Die Realisierung einer oder mehrerer Haltestellen der S-Bahn sind auf die Allmend-Nutzung auszurichten.

Für Grossveranstaltungen müssen sich die temporären Veranstaltungsparkplätze auf die im B+A9/98 beschlossenen Flächen beschränken. Es ist ein Konzept auszuarbeiten, das sich z.B. an der Zürcher Phänomena orientiert, damit längerfristig Grossveranstaltungen gänzlich ohne Besucherparkplätze durchgeführt werden können.

These 9: Realisierung von Projekten
Der Stadtrat will kleinere Projekte etappenweise realisieren und grössere Projekte einer breiten Trägerschaft übertragen.

Bevor einzelne Projekte beschlossen und realisiert werden können, muss die Gesamtplanung auf dem Tisch liegen und beschlossen sein. Auch kleinere Projekte können nicht vorher herausgebrochen werden. Nur eine umfassende Gesamtplanung, die alle Aspekte miteinander in Beziehung setzt, gibt die nötige Sicherheit und verhindert Fehlinvestitionen. In diesem Sinne verlangen wir ein Entscheidungs-Moratorium für die gesamte Allmend (Bau- und Betriebs-Entscheide), bis über ein neues Gesamtkonzept entschieden ist.

Die Form von neuen Trägerschaften ist sorgfältig und unter Einbezug der bisherigen Erfahrungen zu prüfen und zu entscheiden.

These 10: Weiteres Vorgehen
Der Stadtrat will eine fundierte Gesamtplanung für eine vielfältige Allmend.

Wir begrüssen, dass für die Nutzung der Allmend eine Gesamtplanung erarbeitet wird. Sinnvoll wäre dabei, verschiedene Varianten auszuarbeiten (mit Messe/ohne Messe, mit Spitzensport/ohne Spitzensport usw.). Bis zum Vorliegen dieses Berichtes hat die Metron-Studie weiterhin Gültigkeit. Erst nach dem Vorliegen des Planungsberichtes kann über Projekte und Teilprojekte gesamthaft entschieden werden. Abschliessend wird das Volk zu befragen sein.